Nokia 8 vs. Nokia 8 Sirocco: Modellpflege auf hohem Niveau

7 Minuten
Nokia 8 und Nokia 8 Sirocco im Vergleich
Bildquelle: inside-handy.de
Nokia hat auf dem MWC 2018 ein wenig Modellpflege betrieben. Statt dem erwarteten Nokia 9 überraschte der Hersteller unter den ebenfalls finnischen Fittichen von HMD Global mit dem Nokia 8 Sirocco. Die Redaktion hat geschaut, was sich im Vergleich zum Basismodell Nokia 8 verbessert oder zumindest verändert hat.

Ähnlich wie LG hat HMD Global mit dem neuen Nokia 8 Sirocco streng genommen nur Modellpflege betrieben. So wird der Speicher aufgebohrt und es stehen fortan 6 statt 4 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Massenspeicher zur Verfügung.

Display und Design – Mehr edge, bitte!

Beim Nokia 8 Sirocco wächst der Bildschirm – bleibt aber im 16:9-Format. Somit bietet Nokia weiterhin die konservative Alternative zu aktuellen Flaggschiffen. Beim Nokia 8 Scirocco misst das Display 5,5 Zoll, beim Nokia 8 aus 2017 liegt die Diagonale bei 5,3 Zoll. In Sachen Auflösung bleibt alles beim alten, also bei QHD mit 1.440 Pixeln in der Breite. Die ppi-Zahl sinkt demnach, bleibt jedoch auf unbestreitbar hohem Niveau. An der Display-Technologie hat HMD Global ebenfalls etwas verändert: Anstatt eines IPS-Panels kommt im Nokia 8 Sirocco eine POLED-Anzeige zum Einsatz.

Umhüllt wird das Display auch beim neuen Nokia 8 von „stainless steel“, also einem Metallgehäuse. Bei Material und Format bleibt Nokia demnach klassisch: Kein Glas, kein 18:9-Format. Mittlerweile ein Nischen-Ansatz, der jedoch seine Freunde und vor allem Käufer finden wird.

Bei der Ausführung des Designs gibt es dann aber doch signifikante Unterschiede: Beim neuen Nokia 8 Sirocco hat HMD Global den „Samsung-Weg“ eingeschlagen und bietet abgerundete Display-Kanten an. Beim Nokia 8 sind die Ränder zwar auch nicht scharfkantig, allerdings deutlich weniger geschwungen, das Display geht zudem nicht mit in die Kurve.

Unterschiede gibt es auch beim Fingerabdrucksensor und bei der Kamera: Beim Nokia 8 von 2017 ist der Sensor unterhalb des Displays angebracht. Hier war beim Sirocco durch die Verkleinerung der Ränder kein Platz mehr, sodass der Sensor auf die Rückseite wandert.

So liegt er unterhalb der Dual-Kamera, die beim neuen Nokia 8 Sirocco etwas weiter aus dem Gehäuse ragt, als beim Vorgänger, dafür bei den Ausmaßen insgesamt etwas keiner gerät. Beide Kameras sind selbstverständlich mit dem Schriftzug „Zeiss“ versehen, der auf die Kooperation mit dem Optik-Spezialisten hinweist.

In Sachen IP-Zertifizierung hat sich ebenfalls etwas getan. War das Nokia 8 gemäß IP54 lediglich gegen Spritzwasser geschützt, kann man das Nokia 8 Sirocco laut Herstellerangaben und dank IP68-Schutzart ohne Probleme unter Wasser tauchen.

Technische Ausstattung und Akku

Bei der Hardware-Ausstattung kommt der Modellpflege-Aspekt des Nokia 8 Sirocco am ehesten zur Geltung: Bei gleichbleibendem Prozessor – einem Qualcomm Snapdragon 835 – wächst der Arbeitsspeicher von 4 auf 6 GB. Auch der interne Speicher wurde ausgebaut: Die Sirocco-Version erscheint mit 128 GB Datendepot, die 2017er-Variante enthält einen 64-GB-Speicherchip. Für schnelle Verarbeitung sorgt bei beiden Modellen der Standard UFS 2.1.

Bei den weiteren Ausstattungsmerkmalen sind die beiden Handys identisch. So unterstützen beide etwa Bluetooth 5.0, WLAN ac und LTE Cat. 16. Auch der USB-Anschluss vom Typ-C ist jeweils auf dem neuesten Stand: Die Daten flutschen hier mit USB-3.1-Speed von Gerät zu Gerät. Die Klinkenbuchse ist bei beiden Smartphones obligatorisch.

Bleibt noch der Akku: Diesen hat HMD Global beim Nokia 8 Sirocco etwas mächtiger gemacht. Mit 3.260 mAh fasst der Energiespeicher 170 mAh mehr als der des Nokia 8. Allerdings ist ein wenig mehr Display-Fläche hinzugekommen, sodass sich die tatsächliche Stärke des neuen Akkus mit dem alten auf einem Niveau befinden dürfte. Erst ein ausführlicher Test kann zeigen, was sich beim Nokia 8 Sirocco in dieser Hinsicht verändert hat.

In jedem Fall hat sich etwas am Ladeverhalten getan: Das Nokia 8 Sirocco ist das erste Nokia-Smartphone der HMD-Global-Ära, das Qi unterstützt und somit kabellos aufgeladen werden kann. Hierfür bedarf es natürlich einer entsprechenden Ladestation.

  Nokia 8 Nokia 8 Sirocco
 
nokia_8_vergleichsbild
Bildquelle: Nokia
nokia_8_sirocco_vergleichsbild
Bildquelle: Nokia
Display 5,3 Zoll, 1.440 x 2560 Pixel 5,5 Zoll, 1.440 x 2.560 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8 Oreo
Prozessor Qualcomm Snapdragon 835
Octa-Core / 4×2,45 GHz, 4×1,8 GHz
RAM 4 GB 6 GB
interner Speicher 64 GB 128 GB
MicroSD ja (256 GB)
Kamera vorne/hinten 2 x 13 MP / 13 MP 12 + 13 MP / 5 MP
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.090 mAh 3.260 mAh
induktives Laden nein ja
USB-Port USB 3.1 Typ-C
IP-Zertifizierung IP54 (Spritzwasser) IP67 (Untertauchen)
Abmessungen (mm) 151,5 × 73,7 × 7,9 140,9 × 73 × 7,5
Farben

Blau, Grau, Kupfer

Schwarz, Blau
Einführungspreis 579 EUR

749 EUR

Aktueller Marktpreis 406 EUR

Marktstart: 04/2018

Kamera – Monochrom vs. Weitwinkel 

Die Veränderungen bei der Kamera sind schwer zu beurteilen. Nokia verfolgt bei seinem neuen Modell einen neuen Ansatz in der hintergründigen Funktion. Die vordergründigen Leistungsmerkmale sind jedoch sehr ähnlich.

Die Sensoren des Nokia 8 Sirocco halten ein 12 und ein 13 Megapixel großes Bild fest und lassen dies anschließend verschmelzen. Beim 2017er-Modell, dem Nokia 8, kamen noch zwei 13-Megapixel-Sensoren zum Einsatz. Das Konzept der zwei Kameras hat Nokia allerdings verändert. Im Nokia 8 setzte man auf die Kombination aus Monochrom- und RGB-Foto, beim Nokia 8 Sirocco halten beide Sensoren Farbfotos fest, allerdings mit unterschiedlichen Brennweiten, sodass ein größerer Einfallswinkel erfasst wird – das Nokia 8 Sirocco hat also eine Weitwinkel-Kamera.

In Sachen Lichtempfindlichkeit hat Nokia beim Sirocco-Modell nicht mehr zwei f/2.0-Blenden wie beim Nokia 8 verbaut, sondern zwei verschieden große Öffnungen, die vor den Sensoren platziert werden. Die Werte betragen f/1.7 und f/2.6. Außerdem feiert die Firma den bereits aus dem ersten Nokia 8 bekannten Bothie-Modus weiterhin als Innovation. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die Kamera des Nokia 8 Sirocco über den 3-Fach-Kamera-Effekt verfügt, der die Front-Kamera zu Hilfe nimmt. Letztere ist beim Nokia 8 Sirocco mit „nur“ 5 Megapixeln übrigens deutlich abgespeckter als jene des Nokia 8 mit 13 Megapixeln.

Die folgende Galerie umfasst Testbilder mit der Dual-Kamera des Nokia 8 aus 2017:

Software – Android One ohne nennenswerten Unterschied

Das Nokia 8 Sirocco ist das bis dato teuerste Gerät, das an Googles aufkommendem Android-One-Programm teilnimmt. Dies gewährleistet eine Benutzeroberfläche aus purem Android, wie Google es schuf. Wenig Schnickschnack und alles auf Funktionalität gedrillt. Außerdem verspricht Android One schnelle und regelmäßige Software-Updates.

Nun das große Aber: All diese Fertigkeiten hat auch das Nokia 8. Nahezu unberührtes Android, rasche Prozesse und vor allem hat Nokia in den vergangenen Monaten durch die Bank stets schnelle Updates bereitgestellt. Auch wenn das Nokia 8 Sirocco also die offizielle Kennzeichnung „Android One“ führt, geht diese Disziplin unentschieden aus.

Die Tatsache, dass Google das Nokia 8 zuletzt in seine Liste der Empfehlungsmodelle für Business-Nutzer aufgenommen hat, ist zudem ein Auftrag an Nokia, das Spitzenmodell aus 2017 mit zwei Android-Versions-Updates zu versorgen und obendrein drei Jahre lang Sicherheits-Updates nachzuschieben.

Fazit und Preisvergleich

Beim Nokia 8 Sirocco betreibt HMD Global klassische Modellpflege. Das Gerät ist technisch auf sehr hohem Niveau, allerdings scheint dabei ein kleines bisschen 2017er-Mentalität durch. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich Käufer kein Bein ausreißen, wenn sie zum älteren Nokia 8 greifen. Wobei „älter“ hier ein knappes halbes Jahr bedeutet. Gleichzeitig wird Geld gespart, denn während der Wertverlust des Nokia 8 sich mittlerweile bemerkbar macht – Stand Ende Februar 2018 gibt es das Flaggschiff für knapp über 400 Euro – startet das frische Sirocco mit 750 Euro bei einer marktkonformen aber dennoch ordentlichen Stange Geld.

Das Nokia 8 Sirocco lohnt sich letztendlich für Power-User, denen die 2 GB Arbeitsspeicher Unterschied wirklich etwas wert sind. Der gelegentliche Alltagsnutzer wird davon nämlich wenig merken. Eher ist der 128 GB große, interne Speicher ein Kaufargument pro Sirocco-Modell. Nicht zuletzt verfolgen Nokia und Zeiss bei der Kamera des neuen Modells einen neuen Ansatz. Ob dieser jedoch besser ist, bleibt abzuwarten. Die Leistungsdaten der Fotostudios lesen sich sehr verwandt, lediglich die technologische Ausführung ist eine andere. Ein eher spezieller Unterschied ist die Fähigeit des Sirocco-Modells, kabellos aufgeladen zu werden.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE ARTIKEL