Telefónica: Kundenschwund, hoher Verlust und 5G-Frequenzband-Verkauf an Vodafone

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Bildquelle: Telefónica 
Telefónica Deutschland musste das vierte Quartal vergangenen Jahres mit einem deutlichen Kundenverlust abschließen. Weil zum Jahresende viele inaktive Prepaid-Karten aus dem Kundenbestand herausgerechnet wurden, verringerte sich die Kundenzahl spürbar. Das freut vor allem den Konkurrenten Vodafone, der jetzt gleich viele SIM-Karten in Deutschland betreibt und Telefónica auch gleich wertvolles Mobilfunk-Spektrum abgekauft hat.

Zum 31. Dezember standen bei Telefónica knapp 43,16 Millionen Mobilfunkanschlüsse in den Bilanzen. Das waren fast 1,7 Millionen aktive SIM-Karten weniger als noch Ende September 2017. Getrieben wurde der Kundenverlust durch ein deutliches Minus bei Prepaid-Kunden. Hier ging der Kundenbestand um knapp 1,9 Millionen auf 21,88 Millionen zurück. Ursächlich hierfür war laut Telefónica zum einen die endgültige Harmonisierung und Bereinigung der Datenbanken für den Prepaid-Bereich im Zuge der Integration der Coumputersysteme von Telefónica Deutschland und E-Plus. Zum anderen führten die im Sommer eingeführt Identifikationspflicht bei Prepaid-Karten sowie die Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU zu einer schwächeren Nachfrage nach Prepaid-Tarifen im Allgemeinen.

Gleichzeitig verbesserte sich die Zahl der Vertragskunden im vierten Quartal um 186.000 auf 21,27 Millionen, teilte Telefónica weiter mit. Auf marktvergleichender Basis – die Erfassungszeitfenster für inaktive Prepaid-Karten variieren von Netzbetreiber zu Netzbetreiber – kommt Telefónica Deutschland nach eigenen Angaben zum Stichtag Ende 2017 auf 45,92 Millionen Anschlüsse, ohne SIM-Karten im M2M-Segment sind es 44,89 Millionen Mobilfunk-Anschlüsse. Der Geschäftsbereich um M2M-Kommunikation ist bei Telefónica in Deutschland mit rund einer Million geschalteten SIM-Karten also noch vergleichsweise klein.

Vodafone und Telefónica Deutschland schalten gleich viele SIM-Karten in Deutschland

Doch egal wie man das Blatt nun dreht und wendet: Das vierte Quartal lief für Telefónica bei der Kundenentwicklung alles andere als zufriedenstellend. Denn mit nunmehr knapp 46 Millionen aktiven Mobilfunkanschlüssen darf sich Telefónica in Deutschland nicht mehr als alleiniger Marktführer sehen. Auch Vodafone kommt inzwischen auf rund 46 Millionen Mobilfunk-Anschlüsse, hat seinen zwischenzeitlich deutlich enteilten Konkurrenten also wieder eingeholt.

Allerdings: Nur wenn man auch das M2M-Geschäft mit einbezieht, hat Vodafone zu seinem E-Netz-Konkurrenten aufgeschlossen. Im klassischen Prepaid- (13,18 Millionen) und Vertragskundengeschäft (17,25 Millionen) ist Vodafone noch immer deutlich kleiner als Telefónica Deutschland. Aktuelle Zahlen von der Deutschen Telekom liegen für das vierte Quartal aktuell noch nicht vor, sollen aber am 22. Februar in Bonn präsentiert werden.

Weitere Randnotiz: Immer mehr Kunden telefonieren inzwischen im deutschen LTE-Netz von Telefónica. Ende Dezember waren es 15,76 Millionen und damit 80.000 mehr als noch Ende September vergangenen Jahres. Im Gesamtjahr 2017 stieg die Zahl der LTE-Kunden um knapp 1,8 Millionen. Im Durchschnitt verbrauchen O2-LTE-Kunden inzwischen 2,8 GB pro Monat. Kunden mit großen O2-Free-Paketen nutzen im Schnitt bereits mehr als 7 GB monatlich.

Breitband-Kundenzahl bei O2 auf stabilem Niveau

Zusätzlich weist die am Mittwoch neu vorgelegte Bilanz von Telefónica Deutschland auch die Zahl der Breitband-Anschlüsse aus. Sie stagnierte im vierten Quartal allerdings bei 2,07 Millionen. Gleichzeitig legte die Zahl der VDSL-Anschlüsse von 1,06 auf 1,15 Millionen zu. Nur ein kleines Wachstum war im Weihnachtsquartal bei den geschalteten Telefon-Anschlüssen zu verzeichnen. Sie legte im Telefónica-Netz um 10.000 auf 1,98 Millionen zu.

Und wie sieht es finanziell bei Telefónica Deutschland aus? Der Umsatz ging im vierten Quartal um 1,6 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück. Davon steuerte das Mobilfunk-Segment knapp 1,7 Milliarden Euro bei. Vor Steuern machte Telefónica 60 Millionen Euro Gewinn, unter dem Strich stand aber ein hoher Verlust in Höhe von 203 Millionen Euro. Das vierte Quartal 2016 war schon mit einem Fehlbetrag in Höhe von 154 Millionen Euro abgeschlossen worden.

Im gesamten Jahr 2017 setzte Telefónica Deutschland 7,3 Milliarden Euro um und damit 2,8 Prozent weniger als noch 2016. Davon steuerte das Mobilfunk-Segment 6,5 Milliarden Euro bei. Ohne regulatorische Einflüsse wie sinkende Terminierungsentgelte und den Wegfall der Roaming-Gebühren wäre der Umsatz laut Telefonica nahezu unverändert geblieben. Das Ergebnis vor Steuern verschlechterte sich von -86 auf -118 Millionen Euro, das Periodenergebnis im Gesamtjahr von -176 auf -381 Millionen Euro. Der hohe Verlust ist laut Telefónica vor allem auf Abschreibungen auf abzubauende Netzkomponenten und auf den Bilanzwert der Kundenbasis von E-Plus im Nachgang der Fusion zurückzuführen.

Telefónica rüstet sich für die Zukunft – Glasfaser-Kooperation mit Vodafone beschlossen

Im Gesamtjahr 2017 investierte Telefónica Deutschland nach eigenen Angaben 950 Millionen Euro in die eigenen Netze. Die Integration des E-Plus-Netzes soll bis Ende des Jahres weitgehend abgeschlossen werden. In Berlin soll im laufenden Jahr zusammen mit Nokia ein 5G-Pilotnetz errichtet werden, um dort die Anwendungen der neuen Netztechnik unter freiem Himmel testen zu können.

Dazu kommt eine geplante Kooperation mit Vodafone zur beschleunigten gegenseitigen Anbindung von Mobilfunkbasisstationen mit schnellen Glasfaserleitungen, um die Netzleistung bei Breitbanddiensten und perspektivisch für 5G weiter zu steigern. Ab Juli soll die vorhandene Glasfasertechnologie von gemeinsamen oder benachbarten Mobilfunkstandorten der beiden Unternehmen mitgenutzt werden können. In einem ersten Schritt wird die gemeinsame Anbindung von rund 100 Standorten realisiert, teilten Telefónica und Vodafone am Mittwoch gemeinsam mit. Bei bisher nicht angebundenen Mobilfunkstandorten lassen die beiden Unternehmen im Rahmen der Kooperation zu gleichen Anteilen neue Glasfaserleitungen bis zu den Basisstationen legen.

Nach Angaben von Vodafone und Telefónica Deutschland wird die Leistungsfähigkeit der Mobilfunknetze durch Glasfaseranbindungen deutlich verbessert, da die Technik höhere Kapazitäten und kürzere Latenzzeiten bietet. Dadurch können parallel noch mehr Mobilfunkkunden mit hoher Geschwindigkeit über LTE versorgt werden. 

Vodafone kauft Telefónica Deutschland Mobilfunk-Spektrum ab

Telefónica hat im Zuge der neuen Kooperation einen nicht mehr benötigten Teil seines bestehenden Mobilfunk-Spektrums an Vodafone verkauft. Konkret geht es um insgesamt 42 MHz Spektrum im Frequenzbereich von 3,5 GHz. Telefónica Deutschland verfügte in diesem Frequenzbereich bislang über 84 MHz Spektrum und wird nach dem Verkauf mit 42 MHz Spektrum weiterhin für den aktuellen und absehbaren Bedarf komfortabel ausgestattet sein. Vodafone kann das neu erworbene Spektrum bis zum Auslaufen der vom Regulierer eingeräumten Nutzungsrechte bis zum Jahr 2021 für den Ausbau seines Netzes verwenden. Über die hohen Frequenzbereiche bei 3,5 GHz können in einem kleineren Radius parallel sehr hohe Kapazitäten bereitgestellt werden. Damit eignet sich das Frequenzband für die Zukunftstechnologie 5G. Über die finanziellen Einzelheiten der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

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