Wiko verkauft seine französische Seele nach China

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Bildquelle: inside-handy.de
Stetig zunehmender Wettbewerb und sinkende Margen lassen einen der wenigen verbliebenen europäischen Smartphone-Hersteller vom Markt verschwinden. Wie am Donnerstag bekannt wurde, wird sich der französische Hersteller Wiko mit der chinesischen Tinno Group zusammenschließen. Was auf den ersten Blick überraschend aussieht, ist letztlich allerdings fast schon eine logische Konsequenz.

Wiko solle der Weg geebnet werden, ein wichtiger, globaler Spieler in der Mobilindustrie zu werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Nachdem man über sieben Jahre eng mit Tinno zusammengearbeitet habe, werde nun angestrebt, unter gemeinsamer Flagge zum Angriff zu blasen. Neuer Boss des Unternehmens wird Tinno-Chef James Lin, der künftig – so ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu vernehmen – die Hälfte seiner Arbeitszeit der Marke Wiko widmen will. Der bisherige Wiko-Chef Laurent Dahan wird im erweiterten Vorstand aktiv bleiben. 

Wiko: Der zunehmenden Konkurrenz nicht gewachsen

An den Start geschickt wurde die Smartphone-Marke Wiko im Jahr 2011 – stets unterstützt durch Tinno. Schon seit 2014 hält Tinno die Mehrheit am Unternehmen und besitzt nun 100 Prozent der Marke. Die Steuerung erfolgt letztlich also nicht mehr aus Frankreich, sondern aus China. Von Beginn an konzentrierte sich Wiko auf die Strategie und den Verkauf, während Tinno das Industriewissen und die Produktionskapazitäten einbrachte. In Deutschland verkauft Tinno auch Smartphones unter der Marke Mobistel, Wiko war unter anderem als starke Marke bei Media Markt und Saturn vertreten.

Warum genau Wiko nun aber kurz vor dem nahenden Mobile World Congress (MWC) in Barcelona die Fusion mit Tinno kommuniziert? Unklar. Auf dem Mobilfunk-Branchentreffen sollen im Rahmen einer großen Pressekonferenz weitere Details zu der Fusion kommuniziert werden. Möglich ist, dass der französische Hersteller in seiner bisherigen Form an den eigenen Ambitionen gescheitert ist und nun Druck aus Asien von der Muttergesellschaft bekommen hat, um nicht hinter die immer stärker aufkommende Konkurrenz aus China (Honor, Oneplus, Xiaomi, Oppo etc.) zurückzufallen. Auf dem MWC 2016 hatte Wiko noch verkündet, bis 2020 zu den Top 5 der weltweiten Smartphone-Hersteller gehören zu wollen. Davon kann gegenwärtig aber längst keine Rede mehr sein.

Tinno will Wiko zur Kultmarke machen

Neu-Chef Lin hat mit Wiko unterdessen offenbar einiges vor: „Wiko ist eine großartige Marke die heute alles mitbringt um neue Konsumenten in aller Welt zu begeistern. Die verstärkte Zusammenarbeit mit Tinno bringt uns nun zügig auf eine Ebene, die es uns erlauben wird, aus Wiko weltweit eine Kultmarke zu machen.“ Vollmundige Worte, die man aus der Vergangenheit schon kennt. Abzuwarten bleibt, was die Chinesen davon am Ende auch umsetzen werden können.

Das sind die neuen Einsteiger-Handys von Wiko

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