P20-Mittelklasse Huawei P20 Lite im Benchmark-Test: Hoch im Kurs

vom 11.04.2018, 17:31
Huawei P20 Lite
Bildquelle: inside-handy.de / Michael Büttner

Huawei hat neben dem P20 und dem P20 Pro sein neues Mittelklasse-Smartphone P20 Lite an den Start geschoben. Mit ihm will man die preisbewussten Kunden ködern. Genau das will das Lite-Modell mit dem Flaggschiff-Design, einer Doppelkamera und einen Preis von unter 400 Euro schaffen. Ob es das wirklich erreichen kann? In einem ersten Hands-On sowie Benchmark-Test zeigt sich schon die grobe Richtung, in die es gehen soll.

Huawei hat mit der P20-Familie einen Satz Smartphones auf den Markt gebracht, der von der Mittelklasse bis in den High-End-Bereich reicht. Eine Taktik, die von vielen Herstellern genutzt wird. Die Verkaufsargumente der günstigeren Modelle sind immer gleich: Das Smartphone bietet das Flair und große Teile der Ausstattung der Spitzenmodelle zu einem wesentlich günstigeren Preis. Ob diese Argumente beim Huawei P20 Lite auch Kundschaft anziehen, muss der Markt zeigen. Ob die Ausstattung des Huawei P20 Lite überzeugen kann, zeigt aber schon jetzt das Hands-On von inside-handy.de.

Unboxing

Das Huawei P20 Lite ist in der Redaktion eingetrudelt. Die Verpackung hat sich im Vergleich zur früheren Modellreihe nicht geändert, sondern orientiert sich am typischen Design Huaweis. Der Produktname ist somit prominent auf dem Karton aufgedruckt, während das Herstellerlogo kleiner hinter ihm zurücktritt.

Neben dem jeweiligen Gerät zeigt sich Huawei in der Regel wenig spendabel und legt in diesem Fall, neben dem P20 Lite, nur das Ladekabel samt Netzteil und ein SIM-Karten-Werkzeug nur noch Kopfhörer bei. Während das Ladekabel angenehm gummiert ist, fassen sich die Kopfhörer nicht sonderlich hochwertig an.

Benchmark-Test

Bevor die Lite-Version der neuen Flaggschiff-Reihe Huaweis ausführlich in die Mangel genommen wird, muss es sich einem Benchmark-Test unterziehen. Um das Kraftpaket des P20 Lite noch einmal zu rekapitulieren: Ausgestattet ist das Smartphone mit Huaweis hauseigenem Chipsatz Kirin 659 mit acht Kernen. Vier Kerne takten mit einer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 1,7 GHz, während die verbleibenden vier mit bis zu 2,36 GHz arbeiten. Flankiert wird der Prozessor von einem 4 GB großen Arbeitsspeicher, der in dieser Klasse mittlerweile Standard geworden ist. Für Bilder und andere Inhalte stehen dem Nutzer 64 GB interne Speicherkapazitäten zur Verfügung.

Mit diesem geschnürten Paket zieht das P20 Lite in den AnTuTu-Benchmark-Test, der in der Version 7.0.7 verfügbar ist. Das P20 Lite kommt somit auf einen völlig akzeptablen Wert von 87.260 Punkten und reiht sich damit in die Gesellschaft von bekannten Smartphones anderer Hersteller ein. Zur Orientierung: Das Huawei P10 Lite kam seinerzeit noch auf 61.115 Punkte - allerdings wurde hier noch mit der nun älteren Benchmark-Version 6.5.7 getestet, woraus sich oftmals deutliche Unterschiede im Wert ergeben. Zudem ist das P10 Lite mit dem Vorgänger des Kirin 659 ausgestattet.

Huawei P20 Lite Benchmarktest
Bildquelle: Michael Büttner/inside-handy.de

Auf exakt der gleichen Welle surft auch Huaweis P Smart, das auf 87.360 Punkte kommt. Zwar besitzt das Smartphone den gleichen Prozessor, ist mit 3 GB RAM und nur 32 GB interner Speicherkapazität dahingehend jedoch ein wenig schwächer ausgestattet. Minimal schneller sind hingegen das Honor 9 lite, das erst im Januar vorgestellt wurde, sowie das Xperia XA2 von Sony. Zum Vergleich: Während beim Honor 9 lite die exakt gleichen Bauteile wie beim Huawei P Smart hinsichtlich Prozessor und Speicher zu finden sind, setzt Sony beim Xperia XA2 auf den Snapdragon 630 von Qualcomm. Dieser liegt mit einer Taktrate von 2,2 GHz zwar mit dem Kirin 659 fast gleich auf, im Speicherplatzbereich bietet es jedoch auch weniger als das P20 Lite. Nichtsdestotrotz überholen beide Smartphones das brandneue Huawei-Smartphone: Das Xperia XA2 kommt auf 88.631 Punkte, das Honor 9 lite auf 88.553 Punkte.

An die aktuellen Top-Smartphones wie beispielsweise das Galaxy S9+ von Samsung, das im AnTuTu-Benchmark-Test auf 249.185 Punkte kommt, reicht das P20 Lite freilich nicht heran. Dies soll bei einem Gerät der Mittelklasse aber auch nicht der Anspruch sein.

Benchmark-Tests im Vergleich (AnTuTu 7.0)

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Huawei P20 Lite 87.260
     
 direkte Konkurrenten  Huawei P Smart 87.360
Honor 9 lite 88.553
Sony Xperia XA2 88.631
     
 ehemalige Spitzenmodelle  Honor 8 88.026
Huawei P10 124.418
Razer Phone 208.107
     
 aktuelle Referenz (Android) Sony Xperia XZ2 Compact 264.971
Samsung Galaxy S9+ 249.185
Samsung Galaxy S9 244.895

Das Huawei P20 Lite im ausführlichen Test

Wie immer ist zu beachten, dass Benchmark-Tests lediglich theoretische Werte sind, die einen groben Eindruck von der Leistung eines Gerätes geben. In den kommenden Tagen wird die Redaktion von inside-handy.de das Huawei P20 Lite genau unter die Lupe nehmen und durch einen anspruchsvollen Testparcours jagen.

Die Technischen Daten des Huawei P20 Lite

Bei den technischen Daten sind einige Einschnitte im Vergleich mit den beiden High-End-Brüdern sichtbar. Hier zeigt sich der Sparzwang Huaweis. So ist der Prozessor schwächer, die Kamera-Ausstattung reduziert, der Speicher kleiner und der Akku nicht so groß. Gerade bei der Speicherkapazität muss jedoch beachtet werden, dass 64 GB für ein Mittelklasse-Smartphone sehr ordentlich sind und beim Arbeitsspeicher sogar die gleiche Kapazität wie beim P20 zum Einsatz kommt.

Die technischen Daten des Huawei P20 Pro in der Übersicht

  Huawei P20 Lite
Betriebssystem Android 8.0 mit EMUI 8.0
Display

5,84 Zoll
1.080 x 2.280 Pixel

Speicherplatz 64 GB
Prozessor Huawei Kirin 659
Octa Core (4 x 2,36 GHz, 4 x 1,7 GHz)
Arbeitsspeicher 4 GB
Kamera (Rückseite) Dual-Kamera (16 / 2 Megapixel)
Kamera (Front) 16 Megapixel
IP-Zertifizierung nein
WLAN 802.11 a/b/g/n/nc auf 2,4 GHz
Akku 3.000 mAh
SIM-Karte Nano SIM / 2 x Nano-SIM bei Dual-SIM-Variante
Preis 369 Euro
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Die SAR-Werte des Huawei P20 Lite liegen bei 0,75 W/kg (Kopf) beziehungsweise 1,21 W/kg (Körper).

Design und Verarbeitung

Welches ist welches? Bei der P20-Familie von Huawei kann man schon einmal durcheinander kommen. Zumindest auf den ersten Blick zeigen sich alle drei Smartphones vom selben Schlag und können beim oberflächlichen Blick auf die Gehäuse leicht verwechselt werden. Wird genauer hingesehen, treten jedoch einige Unterschiede zu Tage.

Huawei P20 Lite

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    Das Huawei P20 Lite kommt in Osteuropa schon am 1.April auf den Markt.
    Bildquelle: Huawei
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    Es hat einen 5,84 Zoll FullHD+-Display im ungewöhnlichen 19:9 Format.
    Bildquelle: Huawei

Trotz identischer Design-Sprache ist das Huawei P20 Lite das Smartphone, das noch am besten von den beiden (Hochpreis-)Brüdern unterschieden werden kann. Das kommt einerseits daher, dass nicht die gleichen High-End-Bauteile integriert sind, zum anderen liegt beim P20 Lite der Fingerabdrucksensor auf dem Rücken statt auf der Vorderseite integriert zu sein.

Auf der Front startet auch die optische Reise um das neue Mittelklasse-Gerät. Es besitzt ein Display mit 18,7:9-Format inklusive Notch und dem entsprechend schlanken Gehäuse. Das Gehäuse wirkt auch durch die schmalen Ränder um das Panel herum extrem schmal. Oberhalb des Displays und auch an den seitlichen Rändern wird jedoch deutlich, dass die Flächen nicht ganz so klein geraten sind, wie bei den beiden Flaggschiffen P20 und P20 Pro. Unterhalb des Displays befindet sich statt eines Fingerabdrucksensors ein "Huawei"-Schriftzug, der den Nutzer beim Wählen von Telefonnummern daran erinnert, welcher Firma er das Vergnügen des mobilen Kommunikationsaustauschs zu verdanken hat. Die Ecken des Displays sind abgerundet und nehmen somit den nächsten Trend beim Design auf. Die dritte aktuelle Mode, der Einschnitt im Display am oberen Rand, auch Notch genannt, wird gleich mit übernommen. Diese optische Einschräkung ermöglicht jedoch die Unterbringung einer Selfie-Kamera und eines Lautsprechers, obwohl die Frontfläche an der Stelle bis in die Ecken von Display eingenommen wird.

Der Metallrahmen ist wie bei den großen Brüdern abgerundet ausgeführt und wird von der Glasrückseite zum Heck hin begrenzt. Im Gegensatz zu den teureren Brüdern behält sich das P20 Lite den Klinkenanschluss und lässt damit analoge Musikübertragung aus dem unteren Rahmen heraus zu. Daneben findet der USB-Typ-C-Anschluss, ein Mikrofon und ein Lautsprechergitter Platz. Die mechanischen Taster machen es sich allesamt auf der rechten Seite bequem und kommen somit im Setup der ganzen Familie zum Kunden. Die Rückseite ist von Glas als Material, dem Fingerabdrucksensor und dem Kameramodul geprägt. Der biometrische Sensor wird zentral in das obere Drittel der Fläche gesetzt. Die Kamera prangt in vertikaler Ausrichtung in der oberen linken Ecke. Darunter findet sich der Blitz und die Beschriftung der Dual-Kamera ohne Leica-Anleihen wieder. Ein wenig High-End weht trotzdem durch die Beschriftung. Mit den Angaben "1:2.2/26 ASPH" entleiht sich Huawei die Beschriftung von Leica-Objektiven und unterstreicht die asphärische Vergütung zumindest einer Linse.

Das Huawei P20 Lite: Hands-On

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    Das Huawei P20 Lite bei Inside-Handy im Hands-On.
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de
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    Im P20 Lite ist ein 3.000 mAh Akku verbaut.
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Huawei bietet das P20 Lite in den obligatorischen Farben Schwarz und Blau an. Dazu kommt noch ein sehr softes Rosé-Gold. Dessen Rahmen ist etwas dunkler gehalten und es kommen Highlights am Rahmen zum Einsatz. Diese Designvariante ist mutig, jedoch zeigt sie auch die etwas kleinteilige Bauweise des Huawei P20 Lite deutlicher als ihre Schwesterfarben. Mag man von der Farbe halten was man will, diese Schwäche muss sich das Modell auf die Fahne schreiben lassen.

Hands-On des Huawei P20 Lite

Der erste Eindruck vom Huawei P20 Lite in der Hand ist das gerade zu lächerlich kleine Gewicht des Smartphones (145 Gramm). Trotz des großen Displays mit seinen 5,84 Zoll Diagonale wirkt das P20 Lite beim Gewicht geradezu zierlich. Gleiches gilt für die Handhabung und die Breite des Mittelklasse-Telefons. Man möchte fast nicht fest zupacken, da man das Gefühl hat, etwas zu zerstören. Trotzdem ist das P20 Lite stabil genug für den alltäglichen Einsatz. Das vermittelt auch die Verarbeitung, die sich auf einem hohen, wenn auch nicht perfekten Niveau befindet. Unpassende Spaltmaße finden sich kaum, verklebte Übergänge und Ausfräsungen sind sauber. Dazu kommen eine ordentliche Materialwahl die ebenfalls Souveränität ausstrahlt. Man hat es hier also mit einem ausgewachsenen Smartphone und nicht mit einem billigen Abklatsch der Spitzenmodelle zu tun. Damit verfliegt die anfängliche Angst vor der ungewollten Zerstörung recht schnell.

Die Taster und der Fingerabdrucksensor sind auch wegen der kompakten Maße sehr gut zu erreichen. Die angenehm handschmeichelnde Haptik der beiden Flaggschiffe P20 und P20 Pro erreicht das Lite-Modell jedoch nicht ganz. Zu oft bleibt der Finger haptisch an Übergängen hängen und findet auch die ein oder andere Oberfläche, die nicht 100 Prozent zum edlen Auftreten passen will. Trotzdem kann hier von einem soliden Auftritt gesprochen werden.

Fazit

Bei Huaweis P20 Lite spürt man die Einsparmaßnahmen gegenüber dem P20 und dem P20 Pro etwas, jedoch befinden sich die Chinesen mit ihrem neuen Mittelklasse-Modell satt im grünen Bereich beim Design und bei der Verarbeitung. Die Haptik kommt nicht ganz mit dem Flaggschiffpärchen mit, was beim aufgerufenen Preisunterschied jedoch auch nicht zu erwarten ist.

Display – Bigger is Better?

Mit dem Seitenverhältnis von 18,7:9 besitzt Huawei ein eigenes Format, welches sich zwischen dem des Samsung Galaxy S9 – 18,5:9 – und dem des iPhone X ansiedelt. Damit ergibt sich eine FHD+-Auflösung von 1.080 x 2.280 Pixeln. Zusammen mit der Bildschirmdiagonale von 5,84 Zoll – damit ist das P20 Lite etwas überraschend das zweitgrößte Modell der neuen P-Generation - ergibt sich eine Pixeldichte von gut 400 ppi und liegt damit in einem Bereich, der nur noch von Display-Gourmets und VR-Junkis kritisiert werden kann.

Mit der Entscheidung auf das neue Format zu setzen und gleichzeitig die Auflösung beim altbewährten Full-HD-Standard zu belassen, begibt sich Huawei auf dünnes Eis in die Moderne. Die Auflösung wird bei den kommenden Tests sicherlich kritisiert werden, auch wenn es im Alltag wohl wenig zu mäkeln geben wird. Rein technisch wäre aber noch einiges mehr möglich gewesen. Gerade im Anbetracht des Preises von vergleichsweise erschwinglichen 369 Euro sollten sich die Konkurrenten aber schon einmal ducken, hat man doch mit der Auflösung ordentlich vorgelegt.

Im ersten Eindruck zeigt sich, dass das Display scharf und mit realistischen Farben abbildet. Die Blickwinkelstabilität ist auf gutem Niveau und die maximale Helligkeit kommt gegen das sehr helle Umgebungslicht passabel an. Die Bedienung gelingt nicht mehr einhändig. Zumindest dann nicht, wenn man in die oberen Ecken des Displays reichen will. Dafür hat Huawei jedoch einen Einhandmodus implementiert, der mit einem Streichen über die Navigations-Buttons aktiviert wird. So können Links- wie Rechtshänder eine Steuerung ohne Zusatzhand realisieren.

Huawei P20 – Die Familie im Blick

Huawei hat neben dem P20 Lite noch weitere P-Modelle vorgestellt und die Redaktion von inside-handy.de hat sich auch sie angesehen. Dazu wurden schon die ersten Vergleiche angestellt und alle Details der Familie in einem Vorstellungs-Artikel erläutert.

Der Testbericht zum Vorgänger: Das Huawei P10 lite ›


Bildquelle kleines Bild: x-kom | Autor: Redaktion inside handy
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Themen dieser News: Huawei, China-Handys, Hands-On, Handys unter 400 Euro, Mobilfunk-News, Smartphones

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