Mega-Fusion für 18,4 Milliarden Euro Vodafones Unitymedia-Übernahme ist in Gefahr

vom 07.08.2018, 14:22
Unitymedia Zentrale
Bildquelle: Unitymedia

Bereits 2015 hatten die Unitymedia-Mutter Liberty Global und der international tätige Festnetz- und Mobilfunk-Provider Vodafone Pläne in der Schublade, wie eine Fusion der beiden Konzerne vonstatten gehen könnte. Damals verliefen die Verhandlungen im Sande. Vor einigen Wochen wurde ein neuer Versuch gestartet und nun ist es soweit: Vodafone kauft Unitymedia - aber nur, wenn die Wettbewerbsbehörden mitspielen.

Wenn es um die Verschmelzung von Vodafone und Unitymedia geht, brodelt die Gerüchteküche. Zunächst wurde vermutet, dass Vodafone den Konkurrenten übernimmt – und die Vermutung war genau richtig. Im Mai 2018 verkündeten die beiden Unternehmen, dass die Vodafone Group die Kabelnetze des Unitymedia-Besitzers Liberty Global in Deutschland, der Tschechischen Republik, Ungarn und Rumänien zu einem Unternehmenswert von 18,4 Milliarden Euro übernehmen wird. Zu diesem Zeitpunkt fehlte jedoch noch die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden, was nun zu einem Problem werden könnte.

Aktuell wollen das Bundeskartellamt und das Bundeswirtschaftsministerium die Prüfung des Zusammenschlusses nach Deutschland holen. Dies könnte im Endeffekt zu einem Verbot des Kaufs oder zu hohen Auflagen führen. "Ich kann nur vor voreiligen Schlüssen warnen. Es ist zu einfach zu sagen, die Fusion ist prima, weil sie der Telekom Beine machen wird", sagte der Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Durch die Übernahme können mögliche Wettbewerbsbehinderungen auf dem Einspeisemarkt aufgrund einer steigenden Marktmacht gegenüber den Fernsehanstalten entstehen. Aus diesen Gründen bleibt das Ergebnis des Fusionsverfahrens laut Mundt noch offen.

25 Millionen Gigabit-Anschlüsse bis 2022

Mit der Übernahme von Unitymedia durch Vodafone würde ein direkter Konkurrent zur Deutschen Telekom entstehen, der ebenfalls in allen Bundesländern mit eigener Infrastruktur vertreten wäre. Hannes Ametsreiter – CEO von Vodafone Deutschland – offenbarte außerdem die Ziele für die kommenden Jahre:

Indem wir unsere Kabelnetze vereinigen und zu Gigabit-Netzen aufrüsten, gestalten wir Deutschland wirklich zu einer Gigabit-Gesellschaft um: Wir bauen 25 Millionen Gigabit-Anschlüsse für 50 Millionen Menschen bis 2022. Das ist gut für den Verbraucher. Gut für den Wettbewerb. Und gut für Deutschland – denn wir helfen so auch der Bundesregierung, ihre Gigabit-Ziele für 2025 noch schneller zu erreichen. Schon in vier Jahren wollen wir bereits zwei Drittel aller Deutschen mit Gigabit-Geschwindigkeiten versorgen"

Um dieses Ziel zu erreichen, will Vodafone in den nächsten vier Jahren insgesamt rund 12 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Für deutsche Kunden bedeute dieser Mega-Deal laut Vodafone mehr Wahlfreiheit, mehr Innovationen und mehr Wettbewerb, was in niedrigeren Preisen resultieren könnte. 

Neuer großer Player auf dem Kabel-Markt

Mit Blick auf das große Ganze ergibt eine solche Fusion vor allen Dingen für Vodafone Sinn. Das Unternehmen hat bereits vor geraumer Zeit die Potenziale der Verschmelzung von Kabel- und Mobilfunknetzen erkannt und auch kommuniziert. 2013 hatte Vodafone Deutschland bereits die Mehrheitsübernahme am Kabelversorger Kabel Deutschland abgeschlossen und betreut seitdem circa 13 Millionen Kabelkunden in 13 Bundesländern. 

Im Conference Call zu den Quartalszahlen der Deutschen Telekom kommentierte Telekom-Chef Timotheus Höttges die Übernahme als "wettbewerbsverzerrend" und fügte hinzu, dass die Deutsche Telekom darauf achten werden, nicht in Nachteil gegenüber Vodafone zu geraten.

Das ändert sich für Unitymedia-Kunden

Unitymedia informiert derzeit seine Kunden bezüglich der bald anstehenden Übernahme und hat dafür auch eine Informations-Seite veröffentlicht. Für Unitymedia-Kunden wird sich dem Vernehmen nach in nächster Zeit nichts ändern, da der Verkauf erst durch die Wettbewerbsbehörden genehmigt werden muss. Das Vertragsverhältnis, alle Produkte und Dienstleistungen bleiben also weiterhin bestehen. 



Quellen: Vodafone, Vodafone, Golem | Bildquelle kleines Bild: Michael Stupp / inside-handy.de | Autor: Redaktion inside handy
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Kabel-TV & Kabel-Internet, Mobilfunk-News

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