Langsames LTE: Verbraucherzentrale macht gegen 1&1 Ernst

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Bildquelle: 1&1
1&1 hat es nicht leicht: Nachdem in der Vergangenheit schon wegen des vermeintlich "besten Netzes", das die Montabaurer offensiv beworben hatten, gegen den Provider prozessiert wurde, steht die mittlerweile zur 1&1-Drillisch-Gruppe gehörende Marke nun erneut in der Kritik. Stein des Anstoßes sind dieses Mal die LTE-Tarife des Unternehmens.

Wo LTE drauf steht, muss auch eine entsprechende Geschwindigkeit drin sein – so lässt sich die zentrale Forderung des Marktwächters Digitale Welt der Verbraucherzentralen zusammenfassen. Die Verbraucherschützer verklagen deshalb die 1&1 Telecom GmbH, denn Mobilfunkverträge der Marken 1&1, GMX und Web.de werden im Internet mit „LTE-Geschwindigkeit“ beworben, obwohl tatsächlich teilweise nur eine deutlich verminderte Übertragungsgeschwindigkeit im Mobilfunknetz angeboten wird.

Wer das Kleingedruckte nicht beachtet, wird womöglich enttäuscht. „Vergleicht man Onlinewerbung von 1&1 zum Zeitpunkt der Klageerhebung mit den Angaben auf den dazugehörenden Produktinformationsblättern, fällt jedoch auf, dass der Verbraucher bei weitem nicht mit der technisch möglichen LTE-Geschwindigkeit surfen kann“, sagt Tom Janneck, Teamleiter beim Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Die Produktinformationsblätter, die ein jeder Tarifanbieter veröffentlichen muss, verheißen lediglich eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 21,6 Mbit/s – selbst im deutlich betagteren UMTS-Netz sind zum Teil höhere Übertragungsgeschwindigkeiten möglich.

„Wirbt ein Unternehmen mit einer fortschrittlichen Technologie wie LTE, bietet deren Vorteile aber tatsächlich gar nicht an, muss nach unserer Auffassung gerichtlich geprüft werden, ob hier Verbraucher irregeführt werden“, so Janneck. „Das ist vergleichbar mit einem Auto, das laut Werbeaussagen 250 Km/h schnell fahren könnte, tatsächlich aber vom Hersteller bei 100 Km/h abgeriegelt ist.“ Auf eine Abmahnung des Marktwächter-Teams reagierte 1&1 nicht mit einer Unterlassungserklärung, wie von den Verbraucherschützern gefordert. Nun soll eine Klage gegen 1&1 die irreführenden Werbeaussagen unterbinden.

LTE heißt schnelles Internet

Um ihren Standpunkt zu untermauern hat das Kieler Marktwächter-Team mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa eine repräsentative Umfrage durchgeführt und Verbraucher zum Thema LTE befragt. Etwa 60 Prozent der befragten Personen, die den Begriff LTE kennen, assoziieren damit schnelles beziehungsweise schnelleres Internet. Eine große Mehrheit der LTE-Kenner (84 Prozent) verbindet außerdem den Vorteil einer höheren Download-Geschwindigkeit mit den drei Buchstaben. „Die Erwartungen der Verbraucher und die tatsächlich gebotene Bandbreite des Telekommunikationsunternehmens passen so einfach nicht zusammen“, so Jannecks Einschätzung, „die Enttäuschung beim Kunden, der auf das Werbeversprechen von 1&1 baut, ist also vorprogrammiert“.

LTE-Tarife: 1&1 hat nachgebessert, GMX und Web.de weiterhin „irreführend“

Während die Verbraucherzentrale ihre Klage vorbereitete, hat 1&1 seine LTE-Tarife nachgebessert: So offeriert das zum United-Internet-Konzern gehörende Unternehmen die meisten seiner LTE-Tarife nun mit maximal möglicher LTE-Geschwindigkeit. Im genutzten Mobilfunknetz von Telefónica sind dies laut Produktinformationsblatt von 1&1 derzeit bis zu 225 Mbit/s im Download. Lediglich die Tarifvariante LTE S muss mit einer schmalbandigeren Datenversorgung und bietet nur 50 Mbit/s im Downstream. Keine Verbesserung gab es hingegen bei den 1&1-Marken GMX und Web.de: Die Mobilfunkverträge dieser Marken werden weiterhin mit Begriffen wie „LTE Highspeed-Datenvolumen“ beworben, bieten jedoch nur schmale 21,6 Mbit/s. Hier muss die Klage der Verbraucherschützer folglich erst noch Wirkung zeigen.

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