Harter Schlag für Pay-TV-Fans Sky gerät beim Kundenwachstum unter Druck und gibt die Formel 1 auf

vom 25.01.2018, 16:02
Sky+ Pro Receiver
Bildquelle: Sky Deutschland

Der führende deutsche Pay-TV-Sender Sky steht zunehmend durch Video-on-Demand-Anbieter aus dem Internet unter Druck. Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video sorgen dafür, dass sich das Kundenwachstum bei Sky im lukrativen Weihnachtsquartal spürbar abgeschwächt hat. Und nicht nur das. Am Donnerstag wurde auch bekannt, dass Sky in Zukunft keine Formel-1-Rennen mehr übertragen wird. 

Zwischen Oktober und Dezember legte das Kundenwachstum bei Sky in Deutschland und Österreich um 110.000 auf 5,19 Millionen zu. Auf die Gesamtkundenzahl müssen zudem noch 119.000 Wholesale-Kunden addiert werden. Damit erreichte Sky zwischen Oktober und Dezember zwar das mit Abstand beste Quartalswachstum des Jahres 2017, allerdings verlief das Wachstum deutlich schwächer als noch im vierten Quartal 2016, als ein Wachstum von 182.000 neuen Kunden ausgewiesen wurde. Im gesamten Jahr 2017 kletterte die Kundenzahl von Sky in Deutschland und Österreich um 334.000.

Ein kleiner Verweis auf das, was Netflix im Jahr 2017 gelungen ist, soll an dieser Stelle nicht fehlen: Zwischen Januar und Dezember 2017 konnte der US-Anbieter seine Kundenzahl um 16,28 Millionen auf inzwischen mehr als 110,6 Millionen zahlende Mitglieder steigern. Zugegeben: Der Vergleich hinkt ein wenig, weil Netflix anders als Sky in viel mehr Ländern aktiv ist. Und doch zeigen die Zahlen recht eindrucksvoll, mit was für einem Internet-Giganten sich Sky inzwischen konfrontiert sieht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf den durchschnittlichen Monatsumsatz pro Kunde, den Sky in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Irland und Italien ausweist. In Deutschland und Österreich zahlen Sky-Kunden im Schnitt noch 33 Euro monatlich für ihr Pay-TV-Abonnement. Das ist der schlechteste ARPU seit dem ersten Halbjahr 2013. In Italien liegt der durchschnittliche Monatsumsatz bei 44 Euro, in Großbritannien und Irland umgerechnet sogar bei knapp 52 Euro. Allerdings ist in diesen Ländern die Auswahl an attraktiven Free-TV-Sendern auch geringer als in Deutschland und Österreich.

Seinen Quartals-Umsatz konnte Sky in Deutschland und Österreich verglichen mit dem Vorquartal von 495 Millionen britischen Pfund auf 520 Millionen Pfund (rund 597 Millionen Euro) steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ging hingehen von 23 auf 11 Millionen Pfund zurück.

Sky überträgt keine Formel 1 mehr

Für Sportfans gibt es unterdessen noch weitreichendere Neuigkeiten: Wie am Donnerstag bekannt wurde, wird Sky in Zukunft - schon ab der kommenden Saison - nicht mehr live von Formel-1-Rennen berichten, schreibt das Fachportal DWDL unter Berufung auf einen Neujahrsempfang von Sky in München. Ein Grund für das Formel-1-Aus dürfte sein, dass RTL nach einer Entscheidung des Dachverbands FIA auch in Zukunft im Free-TV alle Rennen der Formel 1 zeigen darf.

Genau das hatte Sky bis zum Schluss verhindern wollen, um die eigene Exklusivität bei den Berichterstattungen zu steigern. Am Ende konnte man sich aber mit den eigenen Forderungen nicht durchsetzen und zieht daraus nun Konsequenzen - möglicherweise auch mit Blick auf die immer höher ausfallenden Kosten für Übertragungen der Fußball Bundesliga. Es war offenbar keine Option, die Rennen weiter parallel zu RTL zu übertragen.

Auf Anfrage der Redaktion von inside-handy.de erklärt Sky diesen Sachstand: "Sky möchte seinen Kunden - zu fairen und stabilen Preisen - eine möglichst hohe Exklusivität in seinem Programm anbieten", erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Im Falle der Formel 1 sei eine solche Ausgestaltung der Rechte nicht möglich. Die Schuld daran sieht Sky nicht bei sich: "Damit folgen wir unserer Strategie, zukünftig keine nicht vertretbaren Investitionen mehr in Rechte zu tätigen, die, wie im Falle der Formel 1, zu 100 % im Free TV abgebildet werden und darüber hinaus vom Rechtegeber auch noch als OTT-Angebot im Markt platziert werden." Gemeint dürfte damit Liberty Media, der aktuelle Rechteinhaber der Formel 1, sein. Sky wehrt sich dabei auch gegen Vorwürfe, dass das eigene Program durch den Ausstieg weniger attraktiv sei. Sky sei "weit mehr als Sport" und man investiere massiv in sein Programm. Als Beispiel führt man die Serien und Formate "Babylon Berlin", "Der Grenzgänger", "8 Tage", "Das Boot", "Der Pass" oder auch "Masterchef" auf.

Viele Formel-1-Fans, die die F1-Rennen gerne ohne Werbeunterbrechung bei Sky verfolgt haben, schauen nun trotzdem buchstäblich in die Röhre. Ihnen bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur, auf die werbefinanzierten Übertragungen von RTL auszuweichen. Abzuwarten bleibt, welcher andere Sender die Formel-1-Rennen in Zukunft im deutschsprachigen Pay-TV zeigen wird. Der Internet-Streamingdienst DAZN wäre ein Kandidat, der zuletzt schon mit anderen spektakulären Rechtekäufen für Aufsehen sorgte.

Der Verlust der Formel-1-Rechte ist unterdessen ein weiterer harter Schlag für Sky - auch wenn er wohlüberlegt zu sein scheint. In den zurückliegenden Monaten hatte der Sender schon die Übertragungsrechte der Freitagsspiele in der Fußball Bundesliga verloren und auch darauf verzichtet, ein Gebot für die Übertragungsrechte der UEFA Europa League abzugeben. Für Sport-Fans wird Sky somit unter dem Strich immer uninteressanter - auch wenn man sich damit rühmt, als Ersatz diverse Tennis- und Handball-Rechte eingekauft zu haben. Die Verhandlungen mit vielen Bestandskunden, bei denen das Sky-Abo in diesen Wochen ausläuft, macht das aktuelle Geschehen jedenfalls nicht gerade einfacher.



Quelle: Sky, DWDL | Bildquelle kleines Bild: Sky Deutschland | Autor: Hayo Lücke
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