Honor: Erfolgreich mit Mund-zu-Mund-Propaganda

8 Minuten
Marco Eberlein
Bildquelle: Honor
Mit dem Honor View 10 und dem Honor 7X hat die junge Huawei-Marke zuletzt zwei neue Modelle vorgestellt, mit denen sich der Hersteller gut dafür gewappnet sieht, seine anvisierte digitale Zielgruppe zu überzeugen. Die inside-handy.de-Redaktion sprach mit Honors Deutschland-Chef Marco Eberlein über die Beziehung zu Huawei und wie man seine Community vergrößern möchte.

Im Londoner Mermaid Theatre, unweit der City und direkt an der Themse gelegen, hat Honor es so richtig knallen lassen: Nicht nur das Honor 7X mit Endlosdisplay und Dual-Kamera gab es dort für das mittlere Preissegment zu sehen, auch das Honor View 10 mit dem pfeilschnellen Kirin 970 und extra KI-Koprozessor hatte der Hersteller im Gepäck. Nach der Show stand Marco Eberlein der inside-handy.de-Redaktion Rede und Antwort.

inside-handy.de: Warum sollte ich ein Honor-Produkt wählen und nicht ein vergleichbares von Huawei?

Marco Eberlein: Honor ist jetzt seit circa drei Jahren auf dem Markt und wir sind eine Community-Brand für die „Digital Natives“. Also alle die, die mit Technologie groß geworden sind und diejenigen, die „young-at-heart“ sind. Das heißt, unsere Zielgruppe sind genau diese jungen Leute, die Spaß haben wollen, die ihre Stärken ausleben und jeden Tag besser werden wollen. Für diese werden unsere Produkte entwickelt. Nun haben wir ein recht breites Produktportfolio, das mit dem Einstiegsmodell Honor 6A anfängt und jetzt über das Honor 7X bis hin zum Honor View 10 geht. Das alles ist genau auf das Nutzungsverhalten für diese User abgestimmt. Zum Beispiel jetzt mit künstlicher Intelligenz, was natürlich sehr wichtig und innovativ ist.

inside-handy.de: Die Community haben Sie gerade erwähnt – wieviel Einfluss hat die tatsächlich bei der Produktentwicklung? Wie verarbeiten Sie das Feedback, was bekommt Honor für ein Feedback aus der Community und wie fließt das in den Entwicklungsprozess des Smartphones mit ein?

Marco Eberlein: Wir haben global schon über 100 Millionen Fans und Follower, was gigantisch ist, und das Kundenfeedback ist natürlich superwichtig. Ein Beispiel: Wir hatten das Honor 6X gelauncht und dann auf dem Mobile World Congress das Honor 6X „Pro Kit“ herausgebracht. Für dieses „Pro Kit“ haben wir über unsere Social-Media-Kanäle unsere Fans und Follower gefragt: „Welche Zubehör-Artikel passen zu dem Gerät am besten?“ Dieses „Pro Kit“ haben wir den Wünschen der Nutzer entsprechend designt. Dieses wurde dann mit dem Honor 6X zusammen verkauft. Das lief super gut. Solche Umfragen machen wir immer wieder und das fließt natürlich sofort eins zu eins in die Produktentwicklung ein. Auch in China gibt es Kundenbefragungen. Neben einigen europäischen Standorten ist dort unsere Forschung und Entwicklung hauptsächlich angesiedelt. Auch diese fließen in die Entwicklung ein.

inside-handy.de: Bei der Vorstellung des Honor 7X und View 10 hat man gehört, dass Sie im Moment noch 85 Prozent Ihres Umsatzes in China machen, das heißt die chinesischen Fans sind wahrscheinlich auch die, die am lautesten gehört werden bei der Produktentwicklung?

Marco Eberlein: Nein, das will ich so nicht sagen. Ich hatte es gerade nicht explizit gesagt, das Beispiel mit dem „Pro Kit“ war aus Deutschland. Das haben wir von uns aus genau so konfiguriert. Obwohl der Anteil vielleicht noch relativ klein erscheinen mag, hat der deutsche Markt für uns doch eine große Gewichtung.

inside-handy.de: Sie haben in London zwei neue Smartphones vorgestellt. Vor kurzem kam noch das 6C Pro dazu. Da haben Sie jetzt im Moment ziemlich viele Modelle. Wollen Sie bei so vielen Modellen bleiben und denken Sie, dass Honor die vielen Modelle braucht um die komplette Zielgruppe abzudecken? Oder ist das nur übergangsweise und laufen alte Modelle dafür aus?

Marco Eberlein: Unser Portfolio ist meiner Meinung nach sehr übersichtlich. Wir sind vom Einstiegsmodell Honor 6A bis jetzt zum View 10 in den wichtigsten Preissegmenten präsent und haben natürlich auch einige Modelle, die auslaufen, sodass wir im Schnitt mit zwischen sechs oder sieben aktuellen Produkten im Jahr rechnen. Das ist eine ganz gute Balance, wenn man das Honor 6A mit 169 Euro UVP sieht bis jetzt hoch zu 499 Euro UVP mit dem View 10. Insgesamt sechs bis sieben Geräte, das ist doch ein recht überschaubares Portfolio.

inside-handy.de: Bei dem Honor 8 Pro lag der Preis über 500 Euro, haben Sie den Preis bewusst gedrückt, weil es in diesem Preisbereich nicht funktioniert hat? In einem unserer letzten Interviews gaben Sie an, dass eventuell ein neues Produkt im Preissegment jenseits der 500 Euro auf den Markt kommt und jetzt sind wir erstaunt, dass das Honor View 10 für 499 Euro erhältlich sein wird.

Marco Eberlein: Grundsätzlich ist es so, dass wir aufgrund unseres Geschäftsmodells sehr viele Effizienzen im Marketing haben. Wir sind eine Community-Marke, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda lebt. Wir sind nicht die Marke, die groß im Sponsoring einsteigt oder Fernsehwerbung macht. Dann ist es so, dass wir momentan immer noch zu 90 Prozent unsere Produkte über den E-Commerce vertreiben, wo wir auch eine Kanalstruktur haben, die sehr effizient ist und diesen Kosten-Vorteil geben wir natürlich an unsere Endkunden weiter. Deswegen sind wir in der Lage, solche guten Preise anzubieten, was auch für unsere Zielgruppe extrem wichtig ist. Ein Smartphone für 499 Euro mit künstlicher Intelligenz – das ist eine Ansage.

inside-handy.de: Bei der letzten Vorstellung hatte Honor auch Wearables und anderes Zubehör, welche nicht den Weg in den deutschen Online-Shop gefunden haben. Gibt es die bewusst nicht in Deutschland?

Marco Eberlein: Wir haben am Anfang hier in Deutschland diese Produkte strategisch genutzt, um Bundles zu kreieren, es gab sie nicht als Stand-Alone-Produkt. Dies wird sich in Zukunft ändern, wir werden Zubehörprodukte auch einzeln verkaufen.

inside-handy.de: Leuten, die sich in der Mobilfunkszene nicht so gut auskennen, ist Honor als Marke zuweilen eher unbekannt. Haben Sie da neue Aktionen in der Pipeline, mit denen Sie die Bekanntheit der Marke Honor steigern wollen?

Marco Eberlein: Wir sind eine E-Commerce-Marke und im Internet tummeln wir uns hauptsächlich. Ich glaube, dass wir in diesem Bereich eine gute Marktdurchdringung haben, in den Communitys, im E-Commerce-Bereich, im Internet. Inwieweit das schon bis zu ‚Lieschen Müller‘ vorgedrungen ist, muss man schauen. Mit dem Honor 6A hatten wir das erste Produkt flächendeckend bei Media Markt im Sortiment, sodass unsere Marke dort auch mehr Fuß fassen wird und das Honor 6C Pro ist unter anderem über den Vertriebskanal Aldi seit Anfang Dezember verfügbar. Künftig werden wir mit unseren Geräten noch mehr in die breite Masse gehen und unsere Bekanntheit steigern.

inside-handy.de: Das Honor 9 hatte Honor auch bei O2 im Angebot. Haben Sie geplant mehr auf die Netzbetreiber zuzugehen, oder war es ein vorübergehendes Experiment?

Marco Eberlein: Wir haben bei O2 ein größeres Produktportfolio. Das Honor 8 Pro etwa gibt es exklusiv bei O2. Aber auch über die indirekten Distributionskanäle von O2 konnten wir es einführen. Neben dem Honor 8 Pro gibt es auch auch das Honor 9 und das 6X. Von daher sind wir mit O2 sehr zufrieden, inwieweit das irgendwann mal andere Netzbetreiber betreffen sollte, steht noch ein bisschen in den Sternen. O2 passt sehr gut zu unserer Marke.

Honor 7X und Huawei Mate 10 Lite im Vergleich

inside-handy.de: Wir möchten nochmal das Verhältnis von Honor zu Huawei thematisieren, sowie das 7X. Das Honor 7X ist dem Huawei Mate 10 Lite sehr ähnlich. Es ist im Grunde, bis auf Details, das gleiche Gerät. Sie sagen trotzdem, dass die Geräte nicht zwingend miteinander zu vergleichen sind. Was bringt es denn, mit zwei verschiedenen Marken die gleichen Geräte zu verkaufen? Nehmen sich Huawei und Honor an dieser Stelle nicht gegenseitig die Zielgruppe ab?

Marco Eberlein: Nein, Honor gibt es jetzt seit fast drei Jahren und eins plus eins ist bei uns größer als zwei. Es findet keine Kannibalisierung statt, sonst würde es uns in dieser Form nach drei Jahren nicht mehr geben. Eine solche Zwei-Marken-Strategie ist gängig in den unterschiedlichsten Industrien – wir nehmen immer gern das Beispiel BMW und Mini. Eine Mehr-Marken-Strategie erklärt sich immer über die unterschiedlichen Zielgruppen. Die sind unterschiedlich: Wir sind „Digital Natives“, jung oder „young-at-heart“. Gepaart mit unserer Channel-Strategie, die zu 90 Prozent online ist. Huawei hingegen ist sehr stark bei den Netzbetreibern, sehr stark im Offline-Handel. Sicherlich muss man auch fairerweise sagen, dass wir in Forschung und Entwicklung Synergien haben, weil wir nun mal eine Firma sind. Honor ist ein Startup [innerhalb von Huawei; d.Red.] und das ist auch ein Riesenvorteil für uns, wir haben eine gute Finanzierung dahinter. Deswegen ergibt sich für den Endkonsumenten die Abgrenzung über die Marke aber auch über die Produkte und das Marketing. Wir haben extrem viele Kunden, die ein Honor ausprobiert haben und zufrieden sagen „Die Qualität ist super, ich bin begeistert“. Wir haben Studien, die ergeben, dass die Weiterempfehlungsrate bei 70 Prozent oder teilweise auch höher liegt. Das bedeutet, gerade diese Mund-zu-Mund-Propaganda effizienter als ein Werbespot, ein Sponsoring, Out-Of-Home-Plakate oder sonst etwas ist.

inside-handy.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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