Kooperationen statt Wettbewerb Glasfaser-Ausbau in Deutschland: Telekom-Chef Höttges auf Kuschelkurs

vom 10.12.2017, 11:49
Glasfaser-Ausbau in Deutschland schreitet voran.
Bildquelle: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom möchte beim Glasfaserausbau in Deutschland gemeinsame Sache mit anderen Unternehmen machen. Das teilte Telekom-Chef Tim Höttges unter der Woche bei seiner ersten Rede vor dem Wettbewerbsverband Buglas mit. Das klingt auf dem ersten Blick wie ein Schulterschluss mit der Konkurrenz, doch tatsächlich verfolgt Höttges eine ganz andere Strategie.

Nur wer die Ausführungen von Höttges genau studiert, erkennt, dass zwar eine Zusammenarbeit mit großen Stadtnetzbetreibern wie NetCologne oder M-Net angestrebt wird, gleichzeitig aber auch die ärgsten Wettbewerber - dazu zählen neben den Kabelnetzbetreibern auch DSL-Provider wie Vodafone und 1&1 - ausgebremst werden sollen. Höttges wörtlich: "Die Zeiten ändern sich. Große Herausforderungen löst man nicht mit alten Gewohnheiten, sondern mit neuen Herangehensweisen und zum Teil auch mit neuen Allianzen."

Dass Höttges diese Ankündigung auf einem Buglas-Kongress - im Buglas sind Unternehmen organisiert, die neben der Telekom viel Geld in den Glasfaserausbau investieren - öffentlich macht, wäre vor einigen Monaten noch undenkbar gewesen. Zu tief waren vor allem beim Thema Vectoring die gegenseitigen Vorurteile. Jetzt sagte Höttges: "Ich möchte mit Ihnen gemeinsam möglichst viele FTTH- und FTTB-Anschlüsse verlegen." Warme Worte in sonst eher frostigen Zeiten.

Kooperationen seien auch sinnvoll, weil die tatsächliche Nachfrage nach FTTH eher gering sei, teilte die Telekom in einem Blog-Post mit. Von den vorhandenen Anschlüssen würde gerade einmal ein Viertel gebucht. Das habe auch die Bundesnetzagentur jüngst betont. Gemeinsam könnten sich Unternehmen die hohen Investitionskosten teilen, statt konkurrierende Glasfaserinfrastrukturen zu errichten.

Tim Höttges mit Buglas-Präsident Theo Weirich.
Bildquelle: Deutsche Telekom

Forderung: Glasfaserausbau bis in die Häuser ohne Regulierung

Klar, dass Höttges die Gunst der Stunde nutzt, um auch mahnende Worte in Richtung der Bundesnetzagentur zu senden: "Wer Gigabit will, muss Gigabit-Investitionen belohnen. Die Regulierung muss der Schmierstoff für den Netzausbau sein." Oder anders: Der Telekom-Chef plädiert dafür, dass die Verlegung von Glasfaseranschlüssen bis in die Häuser aus der Regulierung herausgenommen wird. Eine Forderung, die auch Telekom-Wettbewerber unterstützen (PDF).

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Quelle: Deutsche Telekom | Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: DSL und Breitband, Internet & Digitale Welt, Unternehmen und Märkte

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