Datenschutz verbesserungswürdig Online Bezahlen: Verbraucherdaten werden häufig abgegriffen

vom 14.11.2017, 14:38
Mobiles Bezahlen mit NFC und Android-App
Bildquelle: Telefónica

Das Kleingedruckte – immer ist es wichtig, immer überfliegt man es und die Hälfte bleibt ungesehen. In das Kleingedruckte fallen auch die Datenschutzerklärungen, beispielsweise von elektronischen Bezahldienstleistern. Wie die Verbraucherzentrale Brandenburg in einer Umfrage ermitteln konnte, sind die Datenschutzbestimmungen bei eben diesen Bezahlverfahren sehr schwammig formuliert und für Verbraucher nur schwer verständlich. 

Man sollte sich immer die Mühe machen und die Datenschutzbestimmungen lesen – vor allem dann, wenn es um sensible Daten wie eine Bankverbindung geht. Denn elektronische Bezahlsysteme erheben im Vergleich sehr viele Daten, die sich laut der Verbraucherzentrale Brandenburg je nach Anbieter auf vier oder dreizehn Einzeldaten pro Bezahlvorgang belaufen. Hinzu kommen diverse Tracking-Dienste, die Anbieter dazu nutzen, um das Nutzer- und Konsumverhalten seiner Kunden analysieren zu können. Kurzum: Der Kunde soll analysiert und gläsern werden. Nichtsdestotrotz ist laut dem Gutachten der Verbraucherzentrale die Verschlüsselung zwischen dem Browser des Nutzers und dem Server des jeweiligen Anbieters sicher.

Datenschutzbestimmung undurchsichtig

Darüber hinaus ergab die Erhebung, dass Verbraucher durchschnittlich nicht länger als fünf Minuten Zeit aufwenden wollen, um die Richtlinien zu lesen. In der Realität sieht das allerdings anders aus: Im Schnitt benötigen Kunden zwischen 16 und 24 Minuten, um die gesamten Bestimmungen erfassen zu können - eine lange Zeitspanne.

"Verbraucherwunsch und Wirklichkeit liegen hier teils weit auseinander", sagt Dr. Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg. "Mit dem Lesen ist es jedoch nicht getan. Bei allen untersuchten Datenschutzerklärungen erschweren sehr lange Sätze und Passivkonstruktionen die Verständlichkeit. Zudem bleiben viele Angaben zur Datenverwendung durch Formulierungen wie ‚möglicherweise‘ oder ‚unter anderem‘ unklar. Somit weiß der Nutzer nicht konkret, worauf er sich einlässt."

Fazit: Umgang mit Datenschutzbestimmungen verbesserungswürdig

Die Verbraucherzentrale zieht letztlich das Fazit, dass die Datenschutzbestimmungen deutlich Verbraucherfreundlicher gestaltet werden müssen. Im diesem speziellen Fall der elektronischen Bezahldienstleister sollte der Umgang mit den Daten verbessert werden, da Kunden ein Recht auf eine eindeutige Auskunft hätten, die durch Füllwörter sowie weitere undeutliche Formulierungen verschleiert wird.

"Wer in die Nutzung seiner Daten einwilligt, muss dies freiwillig tun", erklärt Jutta Gurkmann, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik im Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Das ist aber nicht der Fall, wenn Verbraucher in die weitere – zahlungsfremde – Nutzung ihrer persönlichen Daten einwilligen müssen, um einen Zahlungsdienst überhaupt verwenden zu können. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung verbietet eine solche Kopplung und sollte durch die Datenschutzaufsichtsbehörden konsequent durchgesetzt werden."

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Quelle: Verbraucherzentrale Brandenburg | Bildquelle kleines Bild: Telefónica | Autor: Simone Warnke
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