Qualcomm-Übernahme: Zweites Rekord-Angebot abgelehnt

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Bildquelle: inside-handy.de
Feindliche Übernahme gestartet: Nachdem der amerikanische Chip-Hersteller Broadcom vor einigen Wochen ein erstes Angebot für seinen Konkurrenten Qualcomm abgegeben hat, ist nun der Preis angestiegen auf einen Wert von 121 Milliarden US-Dollar. Die Gegenseite hat die Offerte ausgeschlagen, da der Kaufpreis weiterhin zu gering ausfalle. Beide Unternehmen sind vor allem als Produzenten von Smartphone-Chips und -Prozessoren bekannt.

Zweiter Anlauf, zweites Scheitern: Nachdem Broadcom schon vor einigen Wochen ein erstes Angebot abgegeben hat, wurde nun eine zweite Offerte übermittelt. Der Kaufpreis für die Aktien des Chip-Herstellers belief sich auf insgesamt 121 Milliarden US-Dollar. Das vorherige Angebot wurde auf 105 Milliarden US-Dollar beziffert. Der Qualcomm-Verwaltungsrat lehnte die Übernahme jedoch ab: „Der Vorstand ist nach wie vor einstimmig der Ansicht, dass das Angebot unter Qualcomms Wert liegt und ein hohes Risiko birgt, weshalb es aus diesem Grund nicht im Sinne der Qualcomm-Aktionäre ist“, teilte der Chip-Herstellers in einer Pressemitteilung mit.

Trotz der Absage zeigte sich die Führungsspitze von Qualcomm weiter gesprächsbereit: Man werde in Zukunft auch weitere Übernahmegespräche mit Broadcom halten. Jedoch gebe es noch in vielen Bereichen Differenzen. Eine Entscheidung könnte derweil am 6. März fallen, wie das „Handelsblatt“ schreibt. Dann steht bei Qualcomm die Hauptversammlung an. Sollte Konkurrent Broadcom mit seinem beabsichtigten Plan, den Verwaltungsrat zu ersetzen, würde das einer Zustimmung zur Übernahme gleichkommen. Bisher bleibt nicht abzusehen, wie sich die Aktionäre entscheiden.

Broadcom will Qualcomm kaufen: Das ist bisher geschehen

Broadcom will dritte Kraft auf dem Chip-Markt werden. Wie der Hersteller am vergangenen Montag, dem 6. November 2017, bekannt gab, hat man ein Übernahmeangebot für den Konkurrenten Qualcomm abgegeben. Pro Aktie möchte Broadcom 70 Dollar zahlen. Die gesamte Übernahme würde das Unternehmen 130 Milliarden Dollar kosten – ein Rekord auf dem Technologie-Markt. In dem Gesamtpreis sind auch Schulden von 25 Milliarden Dollar enthalten, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Erwartungsgemäß wurde dieses Angebot jedoch vom Vorstandsvorsitzenden Paul Jacobs abgelehnt. Als Begründung nannte man neben einem zu geringen Kaufpreis, welcher das Unternehmen dramatisch unterbewerte, auch Bedenken bei der Zustimmung durch die Behörden. Demnach möchte man weiter als selbständiges Unternehmen agieren und den Übergang ins 5G Zeitalter mit anführen. Broadcom scheint davon unbeeindruckt. Spekuliert wird nun, ob das Angebot nachträglich erhöht wird oder Broadcom bereits die Umsetzung plant.

Broadcom würde mit der Übernahme zum drittgrößten Hersteller von Chips und Prozessoren aufsteigen. Größer sind nur noch Intel und Samsung. Da sich die Geschäftsfelder von Broadcom und Qualcom weitestgehend überschneiden, gehen Experten davon aus, dass die Regulierungsbehörden den Deal scharf prüfen werden, berichtet das „Handelsblatt“. Beide Unternehmen verdienen ihr Geld mit der Produktion und Entwicklung von Smartphone-Chips.

Angebot erhöht: Broadcom verspricht mehr Geld – mit Einschränkungen

Broadcom will den Druck auf Qualcomm erhöhen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters und die New York Post unabhängig voneinander berichten, plant der Chip-Hersteller sein Übernahme-Angebot für den Konkurrenten zu erhöhen. Der lag bisher bei gesamt 130 Milliarden US-Dollar, die sich aus 105 Milliarden US-Dollar Übernahme-Zahlung und 25 Milliarden US-Dollar Schuldentilgung von Qualcomm zusammensetzten. Der zu übernehmende Chip-Hersteller hat das bisherige Angebot seines Konkurrenten als zu niedrig eingestuft.

Der verbesserte Preis ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Erst wenn die Übernahme des Halbleiter-Herstellers NXP durch Qualcomm scheitert, will Broadcom sein Angebot erhöhen. Dieser Vorgang wurde schon im Oktober 2016 angestoßen: Damals gab Qualcomm bekannt, man wolle die ehemalige Sparte des niederländischen Herstellers Philips für insgesamt 47 Milliarden US-Dollar (110 Dollar pro Aktie) kaufen. Die Übernahme ist bis heute aber nicht vollzogen und wird für Qualcomm wahrscheinlich noch kostspieliger. Broadcom hingegen hat wenig Interesse an dem Kauf und versucht deshalb, ihn zu unterbinden. Dafür wendet sich das Unternehmen direkt an die Aktionäre von Qualcomm und stellt ihnen wesentlich höhere Gewinne in Aussicht.

Die Chip-Hersteller-Übernahme wird somit immer feindlicher. Laut der Berichte habe die Broadcom-Führung schon mehrfach versucht, sich mit der Qualcomm-Chefetage zu treffen und über die Übernahme zu reden. Dies ist bis heute nicht passiert. Im Gegenzug wurde die Qualcomm-Führung nicht vorher von den Kauf-Absichten der Gegenseite informiert. Beide Seiten bereiten sich aktuell auf eine Übernahmeschlacht vor.

Broadcom will Qualcomms Verwaltungsrat austauschen

Broadcom macht Ernst. Das Unternehmen hat in einer Stellungnahme bekannt gegeben, man wolle den Verwaltungsrat von Qualcomm neu besetzen. Dazu werden elf eigene Kandidaten ins Rennen um das „Board of Directors“ geschickt. Das Leitungs- und Kontrollgremium des Unternehmens wird am 6. März 2018 auf der Hauptversammlung neu gewählt. Das aktuelle Board of Directors von Qualcomm besteht aus elf Mitgliedern, von denen neun laut eigener Aussage unabhängig sind.

Broadcom-Chef Hock Tan unterstreicht in einer Stellungnahme, dass es sich bei der Vorstellung eigener Direktoren um einen notwendigen Schritt handelt, der vor allem von den Qualcomm-Aktionären ausgeht. „Die Nomination gibt Aktionären von Qualcomm die Möglichkeit, ihren Unmut über die ausbleibenden Verhandlungen des bestehenden Verwaltungsrates mit Broadcom zu äußern“, so Tan. Man wolle die Gegenseite mit der Nomination an den Verhandlungstisch bringen. Broadcom bleibt laut eigener Aussage stark an einem „konstruktiven Dialog“ mit Qualcomm interessiert.

Der zu übernehmende Chip-Hersteller nannte die Nominierung in einer eigenen Pressemeldung derweil „einen unverschämten Versuch, die Kontrolle über das Board of Directors zu erhalten, um die Übernahme voranzubringen.“ Man verfüge schon über elf „Weltklasse“-Direktoren, so das Unternehmen. Broadcom will laut eigener Aussage den Verwaltungsrat von elf auf 14 Mitglieder bei einem erfolgreichen Angriff aufstocken. Dazu sollen drei Mitglieder des bestehenden Board of Directors übernommen werden, „um die Kontinuität zu wahren“.

Streit mit Apple ausschlaggebend

Broadcom-Chef Hock Tan gab sich am Montag optimistisch: „Wir würden dieses Angebot nicht unterbreiten, wenn wir nicht zuversichtlich wären, dass unsere Kunden weltweit die Fusion annehmen würden.“ Auch Experten halten die Übernahme für sinnvoll. Ihnen zufolge könnte Broadcom damit 30 Milliarden Umsatz und einen strategischen Vorteil erhalten.

Ausschlaggebend für die feindliche Übernahme Qualcomms durch Broadcom könnte unter anderem der Rechtsstreit mit Apple gewesen sein. Die Unternehmen beschuldigen sich gegenseitig des Vertragsbruchs. Apple weigerte sich Lizenzzahlungen an Qualcomm zu überweisen. Der Hersteller wiederum beschuldigt das iPhone-Unternehmen der Patentrechts-Verletzung. Zuletzt wurde bekannt, dass Apple in Zukunft komplett auf Qualcomm-Chips in seinen Handys verzichten möchte. Dies trieb unter anderem den Aktienkurs des Unternehmens nach unten. Beobachter gehen davon aus, dass der Streit nach einer Übernahme Qualcomms durch Broadcom beigelegt werden könnte.

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