Deshalb vertraut Huawei lieber auf EMUI anstatt auf Stock Android

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Huawei Mate 10 Pro EMUI 8.0
Bildquelle: Simone Warnke / inside-handy.de
Zur offiziellen Vorstellung des Huawei Mate 10 hat der chinesische Hersteller auch über sein User Interface (UI) namens EMUI gesprochen. Im Gespräch mit inside-handy.de klärt das Unternehmen, wie aufwendig es ist, die eigene Software zu entwickeln und weshalb sie lieber auf eine eigene UI setzen, anstatt auf Android in seiner Reinform.

Während mehrere Hunderte Meter weiter das neue Mate 10 und Mate 10 Pro in einem großen Live-Stream der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird, geht es in der Business-Area des Münchener Olympiaparks ruhiger zugange. In einem Raum sind mehrere Stuhlreihen vor einem Tisch aufgestellt. An diesem sitzen Wang Chenglu, Präsident des Software-Teams von Huawei, sowie Christophe Coutelle, stellvertretender Chef des Marketing-Teams für den Bereich Software. Die beiden Mitarbeiter stellen sich den Fragen ausgewählter Journalisten aus der ganzen Welt. Thema des Gesprächs ist EMUI, das hauseigene User Interface (UI) von Huawei.

Zusammen mit den neu angekündigten Herbst-Flaggschiffen, von denen vorerst nur das Huawei 10 Pro in Deutschland erscheinen wird, präsentierte der chinesische Hersteller auch eine neue EUMI-Version. Die trägt die Versionsnummer 8.0 und basiert – wie Kennzahl schon vermuten lässt – auf der neuesten Ausgabe von Googles Betriebssystem, Android 8 Oreo. Auf die Nachfrage, warum auf EMUI mit dem Mate 10 nun von Version 5.1 auf Version 8.0 springt, gibt Chenglu zu, dass man der Nummerierung der Versionen bisher keine größere Bedeutung zugemessen habe.

Oreo kommt noch schneller, aber nicht auf jedes Smartphone

Ganz im Gegenteil zu den Inhalten der neuen UI. Neben leicht verändertem Design gibt es auch größere Neuerungen wie den Desktop-Modus und die nun omnipräsente Künstliche Intelligenz (KI): „Wir arbeiten schon mehr als drei Jahre an der KI in Smartphones“, erklärt Coutelle. Die erste Integration der Technik fand beim Mate 9 statt. „Wir sind sehr froh, sagen zu können, dass die KI nun wirklich gut im neuen Mate 10 funktioniert.“ Auf Nachfrage, wie lange die Huawei schon an der auf Android 8 basierenden UI arbeitet, erklärt Chenglu: „EMUI auf Android umzusetzen ist eine große Herausforderung für uns. Dieses Jahr hat es circa anderthalb Monate gekostet. Wir können diesen Arbeitsschritt jedoch noch beschleunigen und werden das in Zukunft auch versuchen.“

Hands-on Huawei Mate 10 Pro

Man sei jedoch stolz darauf, verkünden zu können, dass die Android-Updates für weitere Modelle in diesem Jahr besonders erscheinen werden. „Das Mate 9 wird dieses Jahr noch schneller auf Android 8 aktualisiert. Wir wollen das Smartphone drei bis vier Wochen nach dem Mate-10-Launch aktualisieren. Nachdem wir genug Erfahrungen dort gesammelten haben, entscheiden wir, welche Features wir für die P-Serie übernehmen können und wollen.“ Ein genaues Datum nannten die Verantwortlichen in München nicht, jedoch werde das Frühjahr 2018 angepeilt. Welche Handys derweil die Oreo-Aktualisierung erhalten, ist teilweise schon bekannt.

Huawei hält an EMUI fest

Ein Grund für die Schnelligkeit bei der Entwicklung von EMUI sei unter anderem das große und weltweit arbeitende Team, das hinter dem User Interface steht. Neben China gibt es noch Abteilungen in Europa (München, Paris) und Amerika (San Diego, San Francisco), die mit der Arbeit an der Software beschäftigt sind. „Insgesamt 3.000 Mitarbeiter arbeiten an EMUI“, erklärt Chenglu. Trotz der Arbeitskraft habe die Integration des Desktop-Modus des Huawei Mate 10 und Mate 10 Pro einige Probleme verursacht, so Coutelle: „Die größte Schwierigkeit war es, die Software anzupassen und dabei den Akku zu schonen. Da wir jedoch schon Erfahrungen mit dem Multi-Tasking von Anwendungen haben, mussten wir zumindest nicht bei Null anfangen.“ Man war jedoch nach eigenen Angaben überrascht, wie viele Apps schon den großen Desktop-Modus unterstützen.

Auf die Frage, ob man in Zukunft auch mehr Smartphones mit Android in Reinform, Stock Android genannt, erwarten dürfte, gab sich Chenglu zurückhaltend: „In Zukunft könnte es möglich sein, dass wir mehr Handys mit Stock-Android ausstatten.“ Man werde auf absehbare Zeit an EMUI festhalten und es weiter ausbauen. „Mit EMUI wollen wir unseren Kunden die speziellen Funktionen bereitstellen, die sie haben wollen und von unseren Produkten erwarten. Android in seiner Reinform ist nur eine Referenz, die jedoch nicht in allen Regionen Anwendungen finden sollte. Wir wollen unseren Kunden mehr Auswahl bereitstellen.“

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