Rufnummern-Missbrauch Bundesnetzagentur schützt Verbraucher vor Ping-Anruf-Kosten

vom 28.05.2018, 09:52
Bundesnetzagentur Mainz
Bildquelle: Bundesnetzagentur

Wenn das Handy einmal klingelt: Seit Herbst 2017 wurden zahlreiche Mobilfunkkunden immer wieder Angriffsziel von sogenannten Ping-Anrufern. Dabei klingelt das Handy einmal kurz - jedoch lang genug um einen "Anruf in Abwesenheit" zu dokumentieren. Ein etwaiger Rückruf ist dabei stets sehr teuer. Das fiese: Die ausländische Nummer sieht einer deutschen Vorwahl ähnlich. Das missfällt nicht nur den Kunden, sondern auch der Bundesnetzagentur.

Der Anrufversuch dauert nur wenige Sekunden und kommt meistens aus dem Ausland. Los ging es mit Vorwahlen wie 00257 (Burundi), 00216 (Tunesien), 00235 (Tschad) und 00255 (Tansania), die auf dem Display erschienen. Jetzt ging es um 00375, der Vorwahl von Weißrusland. Die Vorwahlen können aber leicht für lokale Vorwahlen gehalten werden: Wird die erste Null übersehen, denkt der Nutzer an einen Anruf aus dem Gebiet der deutschen Vorwahl 0375: Das sind die Städte Lichtentanne, Sachs, Oelsnitz/Erzgebirge, Steinpleis, Stenn, Wilkau-Haßlau und Zwickau. Auch die Vorwahl von Monaco (00377) oder das besonders teuere Satelliten-Netz Thuraya wird inzwischen für diese Masche missbraucht.

Die Betrüger setzen auf die Neugier des Angerufenen und erhoffen sich einen Rückruf auf die angezeigte Nummer. Wenn Mobilfunkkunden die Nummer zurückrufen, erreichen sie häufig Bandansagen, die mehrere Euro pro Minute kosten. Die Bandansagen reichen von unverständlichen Ansagen in ausländischer Sprache bis hin zu Gewinnspielen, Erotikansagen oder angeblichen Paketzustellungen.  In der Schweiz wurde unterdessen ein Fall bekannt, in der die Verbraucherin durch Annahme eines solchen Ping-Anrufs nicht nur ein wenig mehr Geld, sondern sogar mehrere hundert Franken in Rechnung gestellt wurde. 

Bundesnetzagentur fordert Kostensperre von Netzbetreibern

Die Bundesnetzagentur hatte sich den Fällen bereits früh angenommen und Warnungen herausgegeben. In vielen Fällen fordert die Behörde im Sinne des Verbraucherschutzes, dass die Mobilfunkanbieter eine kostenfreie Preisansage vorschalten um Kunden beim Rückruf zu sensibilisieren und vor der Ping-Falle zu bewahren. Alleine 61.000 Beschwerden bei der Behörde seit Herbst vergangenen Jahres zeigen, wie wichtig das ist. 8.000 Beschwerden waren es bis Ende April bereits in diesem Jahr.

Seit 15. Januar 2018 müssen die Mobilfunkanbieter die Preisansage umsetzen und für insgesamt 22 spezifische Ländervorwahlen eingerichtet werden. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur sagt dazu: "Mit der von uns angeordneten Preisansagepflicht machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell der Täter wirtschaftlich unattraktiv und schaffen Transparenz für den Verbraucher." Künftig sollen Nutzer das Gespräch also trotz ausgeführtem Rückruf noch rechtzeitig beenden können ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.

Ping-Anrufe bei der Bundesnetzagentur melden

Weiterhin jedoch, rät die Bundesnetzagentur, sollten Betroffene eines Ping-Anrufes keinesfalls zurückrufen, wenn sie keinen Anruf aus den entsprechenden Ländern erwarten. Darüber hinaus werden Nutzer gebeten, die verwendete Rufnummer bei der Behörde zu melden. Ein Screenshot kann ebenfalls nicht schaden. Auch ist es hilfreich, die Nummer beim Netzbetreiber zu melden. Eine Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur gibt darüber hinaus Auskunft, ob die Verbindung schon bekannt ist.

Zuletzt kam es auch zu Problemen mit Trick-Betrügern bei Vodafone. Ein vermeintlicher Mitarbeiter des Mobilfunkbetreibers wollte Kundenpasswörter abgreifen. Laut Netzbetreibern und Bundesnetzagentur ist es fast unmöglich, solche Betrügereien zu verhindern. Man sei jedoch auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen: "Es bringt nichts, den Hörer aufzulegen und sich zu ärgern", so ein Pressesprecher im Gespräch mit inside handy. Maßnahmen können erst dann ergriffen werden, wenn sich Geschädigte melden.

Die Liste der gesperrten Nummern, zu denen es auch ein Rechnungslegungs- und Inlassierungsverbot durch die deutschen Netzbetreiber gibt, ist inzwischen sehr lang. Verbraucher können auf einer eigens eingerichteten Seite bei der Bundesnetzagentur recherchieren, ob die Nummer, die sie gestört hat, bereits abgeschaltet wurde.

Gesperrte Nummern im Mai 2018 (Aauszug)
Weißrussland (Vorwahl +375 / 00375)
  • 0375151195164
  • 00375173112227
  • 00375295498245
  • 00375299015168
  • 00375299015940
  • 00375333102157
  • 00375333972482
  • 00375443206930
  • 00375443207332
  • 00375443210836
  • 00375443212315
  • 00375443212386
  • 00375443213131
  • 00375443213143
  • 00375443214927
  • 00375443215679
  • 00375443217063
  • 00375443217264
  • 00375443218287
  • 00375443218295
  • 00375443218592
  • 00375443220301
  • 00375446007064
  • 00375446007070
  • 00375446007077
  • 00375446007082
  • 00375446007083
  • 00375446007084

Aserbaidschan(Vorwahl +994/ 00994)

  • 00994502065259
  • 00994506087761
  • 00994506087762
  • 00994506087763
  • 00994506087764
  • 00994555906066
  • 00994555906067

Thuraya Satellitennetz (Vorwahl +8821/ 008821)

  • 0088216101026
  • 0088216101445
  • 008821622776387
  • 008821622776391
  • 008821622776822
  • 008821622776824
  • 008821622776825
  • 008821622776829
  • 008821622776857
  • 008821622778775
  • 008821622778783
  • 008821622778784
  • 008821622778785
  • 008821622778786
  • 008821622778795
  • 008821622778796
  • 008821622778797

Laut Bundesnetzagentur häuften sich zudem Anrufe aus den Vorwahlbereichen folgender Länder:

  • Serbien (Vorwahl +381 / 00381)
  • Tunesien (Vorwahl +216 / 00216)
  • Tschad (+235 / 00235)
  • Guinea (+224 / 00224)
  • Tansania (+255 / 00255)
  • Zantralafrikaische Republik (+236 / 00236)
  • Bosnien & Herzegownina (+387 / 00387)
  • Burundi  (Vorwahl +257 / 00257)
  • Seychellen (Vorwahl +248 / 00248
  • Elfenbeinküste (Vorwahl +225 / 00225)
  • Sudan (Vorwahl +249 / 00249)
  • Marokko (Vorwahl +212 / 00212)
  • Tansania (Vorwahl +255 / 00255)
  • Benin (Vorwahl +229 / 00229)
  • Monaco (Vorwahl +377 / 00377)
  • Mali (Vorwahl +223 / 00223)
  • Uganda (Vorwahl +256  / 00256)
  • Mafagaskar (Vowahl +261 / 00261)
  • Albanien (Vorwahl +355 / 00355)
  • Somalia (Vorwahl +252 / 00252)
  • Liberia (Liberia +231 / 00231)
  • Malediven (Vorwahl +960 / 00960)
  • Jemen (Vorwahl +967 / 00967)
  • Mazedonien (Vorwahl +389 / 00389)
  • Sierra Leone (Vorwahl +232 / 00232)
  • Global Mobile Satellite System (Vorwahl +881 / 00881)

Schutz vor Ping-Anrufen: Blacklist erstellen

Um sich vor Ping-Anrufen zu schützen, ist es auf am dem Smartphone zum Teil möglich, sogenannte Black-Listen zu erstellen. Telefonnummern können auf eben diese schwarze Liste setzen und Abrufe von diesen Nummern werden anschließend nicht mehr durchgestellt. Wissen muss man in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Ping-Anrufe in der Regel computergesteuert erfolgen und blockierte Nummern schnell durch neue, noch nicht auf die Blacklist gesetzte Nummer ersetzt werden.

Rufnummern-Blacklist unter iOS

Unter iOS ist es möglich, eine Rufnummer zu blockieren, indem in der Anrufliste auf das kleine umrundete "i" getippt wird. Auf der sich dan öffnenden Detail-Seite lässt sich am Ende der Hinweis Anrufer blockieren finden. Tippt man darauf, erscheint der Hinweis, dass von blockierten Personen keine Anrufe, Nachrichten oder Facetime-Anrufe mehr durchgestellt werden. Mit einer Bestätigung auf Kontakt blockieren wird die Nummer endgültig auf die Blacklist gesetzt.

Eine Verwaltung aller blockierten Rufnummern ist unter iOS in den Einstellungen möglich. Dort den Menüpunkt Telefon auswählen und auf den Unterpunkt Anrufe blockieren u. identifizieren tippen. Dort sind alle Nummern zu finden, die aktuell bereits blockiert sind. Außerdem ist es möglich, aus den gespeicherten Kontakten weitere Nummern zu blockieren. Es ist an dieser Stelle aber nicht möglich, eine manuelle Sperre für bestimmte Rufnummern festzulegen (Stand: iOS 11.1). Auch fehlt es an dieser Stelle an einer Möglichkeit, Anrufe aus bestimmten Vorwahlbereichen proaktiv zu blockieren. Hier ist Apple gefragt, mit einem Software-Update Abhilfe zu schaffen.

Rufnummern-Blacklist unter Android

Huawei / EMUI

Besser gelöst ist die Rufnummern-Blacklist auf Huawei-Smartphones mit der angepassten Nutzeroberfläche EMUI. Dort lässt sich eine so genannte Sperrliste verwalten. In den Einstellungen dieser Sperrliste ist es auf Huawei-Smartphones möglich, eine schwarze Liste zu pflegen, der sich nicht nur konkrete Rufnummern, sondern auch bestimmte Vorwahlen zuordnen lassen.

Natürlich ist es auch möglich, Rufnummern von eingehenden Anrufen oder Kontakten auf die Sperrliste zusetzen. 

Samsung

Ganz ännlich fuktioniert das Bearbeiten der Sperrlisten auf Smartphones von Samsung. In gespeicherten Kontakten muss der jeweilige Eintrag so lange gedrückt werden, bis sich ein Kontextmenü öffnet. Dort lässt sich "Zu Sperrliste hinzufügen" auswählen. Zu beachten ist allerdings, dass SMS, die von dieser Nachricht kommen, trotzdem durchgestellt werden.

Rufnummern-Blacklist über zusätzliche Apps

Für iOS- und Android-Nutzer besteht darüber hinaus die Möglichkeit, spezielle Apps zu nutzen, um Anrufe zu blockieren. Im Google Play Store und im Apple App Store sind unter dem Stichwort Blacklist dutzende Applikationen zu finden, die eine Verwaltung zum Sperren von Rufnummern ermöglichen und teils deutlich einfacher zu bedienen sind als die Einstellungen der Betriebssysteme selbst. 



Quelle: Bundesnetzagentur | Bildquelle kleines Bild: Bundesnetzagentur | Autor: Redaktion inside handy
News bewerten:
 
10 / 10 - 1 Stimme

Themen dieser News: Mobilfunk-News, Handys, Smartphones, Unternehmen und Märkte

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS

alle News ansehen