Rufnummern-Missbrauch Bundesnetzagentur: Kostenfreie Preisansagen schützen vor Ping-Anrufen

vom 04.12.2017, 11:27
Bundesnetzagentur Mainz
Bildquelle: Bundesnetzagentur

Wenn das Handy einmal klingelt. In der jüngeren Vergangenheit, insbesondere im Oktober und im November 2017, wurden zahlreiche Mobilfunkkunden Angriffsziel von sogenannten Ping-Anrufern. Dabei klingelt das Handy einmal kurz - jedoch lang genug um einen "Anruf in Abwesenheit" zu dokumentieren. Ein etwaiger Rückruf ist dabei stets sehr teuer. Das missfällt nicht nur den Kunden, sondern auch der Bundesnetzagentur, die nun Gegenmaßnahmen anordnet.

Der Anruf dauert nur wenige Sekunden und kommt meistens aus dem Ausland. Vorwahlen wie +257 (Burundi), +216 (Tunesien), +235 (Tschad) und +255 (Tansania) erscheinen auf dem Display. Sie können leicht für lokale Vorwahlen gehalten werden. Die Betrüger setzen auf die Neugier des Angerufenen und erhoffen sich einen Rückruf auf die angezeigte Nummer. Dies wird für den Verbraucher meistens jedoch teuer: Mehrere Euro werden fällig, selbst wenn der Anruf nicht länger als 60 Sekunden dauert. In der Schweiz wurde unterdessen ein Fall bekannt, in der die Verbraucherin durch Annahme eines solchen Ping-Anrufs nicht nur ein wenig mehr Geld, sondern sogar mehrere hundert Franken in Rechnung bestellt bekam.

Bundesnetzagentur fordert Kostensperre von Netzbetreibern

Die Bundesnetzagentur hatte sich den Fällen bereits früh angenommen und Warnungen herausgegeben. Nun fordert die Behörde im Sinne des Verbraucherschutzes, dass die Mobilfunkanbieter eine kostenfreie Preisansage vorschalten um Kunden beim Rückruf zu sensibilisieren und vor der Ping-Falle zu bewahren.

Diese Kosten-Informationsansage soll bis zum 15. Januar 2018 umgesetzt und für insgesamt 22 spezifische Ländervorwahlen eingerichtet werden. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur sagt dazu: "Mit der von uns angeordneten Preisansagepflicht machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell der Täter wirtschaftlich unattraktiv und schaffen Transparenz für den Verbraucher." Künftig sollen Nutzer das Gespräch also trotz ausgeführtem Rückruf noch rechtzeitig beenden können ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.

Ping-Anrufe bei der Bundesnetzagentur melden

Weiterhin jedoch, rät die Bundesnetzagentur, sollten Betroffene eines Ping-Anrufes keinesfalls zurückrufen, wenn sie keinen Anruf aus den entsprechenden Ländern erwarten. Darüber hinaus werden Nutzer gebeten, die verwendete Rufnummer bei der Behörde zu melden. Ein Screenshot kann ebenfalls nicht schaden. Auch ist es hilfreich, die Nummer beim Netzbetreiber zu melden. Eine Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur gibt darüber hinaus Auskunft, ob die Verbindung schon bekannt ist.

Zuletzt kam es auch zu Problemen mit Trick-Betrügern bei Vodafone. Ein vermeintlicher Mitarbeiter des Mobilfunkbetreibers wollte Kundenpasswörter abgreifen. Laut Netzbetreibern und Bundesnetzagentur ist es fast unmöglich, solche Betrügereien zu verhindern. Man sei jedoch auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen: "Es bringt nichts, den Hörer aufzulegen und sich zu ärgern", so ein Pressesprecher im Gespräch mit inside-handy.de. Maßnahmen können erst dann ergriffen werden, wenn sich Geschädigte melden.

Unter anderem folgende Rufnummern stehen auch nach Angaben des Online-Portals Onlinewarnungen.de im Betrugs-Verdacht:

Burundi (Vorwahl +257 / 00257)
  • 0025761326728
  • 0025761326752
  • 0025761326753
  • 0025761326754
  • 0025761405402
  • 0025761405403
  • 0025761675921
  • 0025761675927
  • 0025761675920
  • 0025761675973
  • 0025761675928
  • 0025761675920
Tunesien (Vorwahl +216 / 00216)
  • 0021658502082
  • 0021628702639
  • 0021628702658
  • 0021628702676
  • 0021628702631
  • 0021628702632
  • 0021628702633
  • 0021628702641
  • 0021628702642
  • 0021698061542
  • 0021659726988
  • 0021628702659
Tschad (Vorwahl +235 / 00235)
  • 0023566262877
  • 0023591047984

Guinea (Vorwahl +224 / 00224)

  • 0022455408646
  • 0022455494417

Tansania (Vorwahl +255 / 00255)

  • 00255411700565

Bosnien & Herzegowina (Vorwahl +387 / 00387)

  • 0038763306853

Laut Bundesnetzagentur häuften sich zudem Anrufe aus den Vorwahlbereichen folgender Länder:

  • Serbien (Vorwahl +381 / 00381)
  • Seychellen (Vorwahl +248 / 00248
  • Elfenbeinküste (Vorwahl +225 / 00225)
  • Sudan (Vorwahl +249 / 00249)
  • Marokko (Vorwahl +212 / 00212)
  • Tansania (Vorwahl +255 / 00255)
  • Benin (Vorwahl +229 / 00229)
  • Mali (Vorwahl +223 / 00223)
  • Uganda (Vorwahl +256  / 00256)
  • Mafagaskar (Vowahl +261 / 00261)
  • Albanien (Vorwahl +355 / 00355)
  • Somalia (Vorwahl +252 / 00252)
  • Liberia (Liberia +231 / 00231)
  • Malediven (Vorwahl +960 / 00960)
  • Jemen (Vorwahl +967 / 00967)
  • Mazedonien (Vorwahl +389 / 00389)
  • Sierra Leone (Vorwahl +232 / 00232)
  • Global Mobile Satellite System (Vorwahl +881 / 00881)

Schutz vor Ping-Anrufen: Blacklist erstellen

Um sich vor Ping-Anrufen zu schützen, ist es auf am dem Smartphone zum Teil möglich, sogenannte Black-Listen zu erstellen. Telefonnummern können auf eben diese schwarze Liste setzen und Abrufe von diesen Nummern werden anschließend nicht mehr durchgestellt. Wissen muss man in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Ping-Anrufe in der Regel computergesteuert erfolgen und blockierte Nummern schnell durch neue, noch nicht auf die Blacklist gesetzte Nummer ersetzt werden.

Rufnummern-Blacklist unter iOS

Unter iOS ist es möglich, eine Rufnummer zu blockieren, indem in der Anrufliste auf das kleine umrundete "i" getippt wird. Auf der sich dan öffnenden Detail-Seite lässt sich am Ende der Hinweis Anrufer blockieren finden. Tippt man darauf, erscheint der Hinweis, dass von blockierten Personen keine Anrufe, Nachrichten oder Facetime-Anrufe mehr durchgestellt werden. Mit einer Bestätigung auf Kontakt blockieren wird die Nummer endgültig auf die Blacklist gesetzt.

Eine Verwaltung aller blockierten Rufnummern ist unter iOS in den Einstellungen möglich. Dort den Menüpunkt Telefon auswählen und auf den Unterpunkt Anrufe blockieren u. identifizieren tippen. Dort sind alle Nummern zu finden, die aktuell bereits blockiert sind. Außerdem ist es möglich, aus den gespeicherten Kontakten weitere Nummern zu blockieren. Es ist an dieser Stelle aber nicht möglich, eine manuelle Sperre für bestimmte Rufnummern festzulegen (Stand: iOS 11.1). Auch fehlt es an dieser Stelle an einer Möglichkeit, Anrufe aus bestimmten Vorwahlbereichen proaktiv zu blockieren. Hier ist Apple gefragt, mit einem Software-Update Abhilfe zu schaffen.

Rufnummern-Blacklist unter Android

Huawei / EMUI

Besser gelöst ist die Rufnummern-Blacklist auf Huawei-Smartphones mit der angepassten Nutzeroberfläche EMUI. Dort lässt sich eine so genannte Sperrliste verwalten. In den Einstellungen dieser Sperrliste ist es auf Huawei-Smartphones möglich, eine schwarze Liste zu pflegen, der sich nicht nur konkrete Rufnummern, sondern auch bestimmte Vorwahlen zuordnen lassen.

Natürlich ist es auch möglich, Rufnummern von eingehenden Anrufen oder Kontakten auf die Sperrliste zusetzen. 

Samsung

Ganz ännlich fuktioniert das Bearbeiten der Sperrlisten auf Smartphones von Samsung. In gespeicherten Kontakten muss der jeweilige Eintrag so lange gedrückt werden, bis sich ein Kontextmenü öffnet. Dort lässt sich "Zu Sperrliste hinzufügen" auswählen. Zu beachten ist allerdings, dass SMS, die von dieser Nachricht kommen, trotzdem durchgestellt werden.

Rufnummern-Blacklist über zusätzliche Apps

Für iOS- und Android-Nutzer besteht darüber hinaus die Möglichkeit, spezielle Apps zu nutzen, um Anrufe zu blockieren. Im Google Play Store und im Apple App Store sind unter dem Stichwort Blacklist dutzende Applikationen zu finden, die eine Verwaltung zum Sperren von Rufnummern ermöglichen und teils deutlich einfacher zu bedienen sind als die Einstellungen der Betriebssysteme selbst. 

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Quelle: Bundesnetzagentur | Bildquelle kleines Bild: Bundesnetzagentur | Autor: Redaktion inside-handy.de
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