Netzneutralität Deutsche Telekom: BNetzA fordert Nachbesserungen bei StreamOn

vom 10.10.2017, 09:10
Telekom StreamOn
Bildquelle: Christian Koch / inside-handy.de

Grundsätzlich in Ordnung: Die Bundesnetzagentur erklärte die Streaming-Option StreamOn im Rahmen der Magenta-Mobilfunktarife für zulässig. Jedoch gebe es noch Details, die verbessert werden müssen. Das betrifft vor allem die Nutzung des Dienstes im Ausland. Die Deutsche Telekom muss nun das Angebot nachbessern. Nutzer der Streaming-Option könnten also bald von einigen kundenfreundlichen Neuerungen profitieren.

Musik und Videos konsumieren, ohne dabei das kostbare Datenvolumen zu belasten: Das ist die Idee hinter StreamOn. Kunden der Deutschen Telekom, die mindestens über einen Magenta-M-Tarif verfügen, haben Zugriff auf die Streaming-Option. Das sogenannte Zero-Rating-Angebot gilt vor allem für datenintensive Dienste wie die Video-Plattformen Youtube und Netflix sowie Musik-Anbieter wie Apple Music und Amazon. Das Angebot existiert seit Ende März 2017 und erfreut sich bei circa 200.000 Kunden großer Beliebtheit. Aber nicht jeder ist davon begeistert: StreamOn soll laut einigen Kritikern gegen die Netzneutralität verstoßen.

Die Bundesnetzagentur teilt diese Ansicht nicht: Wie Behörde bei ihrer Prüfung des Angebotes nun festgestellt hat, ist StreamOn grundsätzlich zulässig und verstoße bis auf eine Ausnahme nicht gegen die Netzneutralität. Die Einschränkung bezieht sich auf eine Drosselung der Video-Dienste im Rahmen des Magenta-L-Tarifes. Um das Datenvolumen gering zu halten, rechnet die Telekom die Datenmengen von gestreamten Filmen und Serien herunter. Damit verstößt die Telekom jedoch gegen das Gebot der Gleichbehandlung, so die Kritik.

Telekom: Erfreut und verärgert zugleich

Darüber hinaus gibt es noch Verbesserungsbedarf in Detailfragen: So wurde die fehlende Roaming-Funktion des Dienstes kritisiert. Laut der Agentur muss es den Nutzern möglich sein, das Angebot auch im europäischen Ausland zu nutzen. Dies ist bisher nicht der Fall. So verbrauchen StreamOn-Kunden im Ausland Datenvolumen, wenn sie die Partner-Dienste wie Apple Music oder Netflix abrufen. Dies verstößt laut der Bundesnetzagentur aber gegen die europäische Roaming-Verordnung und dem "Roam Like at Home"-Grundsatz.

Der Mobilfunkbetreiber hat nun zwei Wochen Zeit auf die Forderung der Behörde einzugehen und die Mängel abzustellen. Sollte das nicht fristgerecht geschehen, kann die Bundesnetzagentur eine Geldstrafe verhängen und das Unternehmen zur Umsetzung verpflichten. Die Telekom gibt sich derweil begeistert und zurückhaltend zugleich: So begrüße man die Entscheidung der Agentur grundsätzlich. Jedoch teile man nicht die Rechtsauffassung der Behörde in Bezug auf die Roaming-Möglichkeit: "Sie wendet hier nur ihre eigene, sehr enge Interpretation des EU-Rechts an."

Kritiker bedauern Entscheidung

Derweil zeigen sich Kritiker enttäuscht von dem Urteil: "Wir hätten uns eine insgesamt sehr viel deutlichere Entscheidung des Beirats der Agentur gewünscht", erklärte der netzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Konstantin von Notz. So handele es sich bei dem Angebot um einen "klaren Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität". Die Bevorzugung großer Dienste gehe direkt zulasten von Mitbewerbern, der Wettbewerbsvielfalt und der Verbraucher.

Auch der Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes äußerte sich kritisch: "Die Entscheidung der Bundesnetzagentur StreamOn und andere Zero-Rating-Angebote nicht grundsätzlich zu verbieten, geht zu Lasten des freien Internets", so Klaus Müller in einem öffentlichen Statement. Die Kritik an der Verschlechterung der Videoqualität beim Videostreaming sowie an der Roaming-Möglich sei zu begrüßen. Jedoch "werden durch Zero-Rating-Angebote Realitäten am Markt geschaffen, die den Weg ins Zwei-Klassen-Internet ebnen und die Tarifpreise hoch halten." Laut des Bundesverbandes sollten Mobilfunkanbieter in Deutschland lieber "mehr Inklusivdatenvolumen für den monatlichen Grundpreis" anbieten.

Bundesnetzagentur prüft Vodafones StreamOn-Konkurrent ›


Quelle: Handelsblatt | Bildquelle kleines Bild: Deutsche Telekom | Autor: David Gillengerten
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