Kommentar Nach der Vorstellung des iPhone X Smartphones müssen bezahlbar bleiben

vom 13.09.2017, 12:45
iPhone X
Bildquelle: inside-handy.de / Apple

Alle Jahre wieder: Wenn Apple im September zur turnusmäßigen iPhone-Parade einlädt, schaut die gesamte Mobilfunk-Branche gespannt in den Westen Amerikas. Das war auch in diesem Jahr anlässlich der Präsentation der neuen iPhones nicht anders. Vor allem das iPhone X hat in den sozialen Netzwerken hohe Wellen geschlagen – auch und vor allem wegen des Preises. Chefredakteur Hayo Lücke hat dazu eine klare Meinung. Ein Kommentar.

Man kann sicherlich darüber streiten, welcher Preis für ein hochmodernes und topaktuell ausgestattetes Smartphone gerechtfertigt ist. Der eine Hersteller verlangt 500 Euro, der andere 700 Euro, der nächste knapp 1.000 Euro. Apple geht beim iPhone X in Deutschland noch einen Schritt weiter und verlangt selbst für das "Basismodell" mit 64 GB Speicherplatz satte 1.149 Euro. Die Variante mit 256 GB kostet hierzulande sogar 1.319 Euro. Uff! Das muss man erst mal sacken lassen.

"Sag der Zukunft hallo" heißt es auf der Homepage von Apple, wenn man sich über das iPhone X informieren möchte. Und Zukunft heißt bei Apple vor allem eines: Wer nicht zahlt, bleibt bitte draußen. Auch weil viele Apple-Fans auch die neuen, fast schon schwindelerregenden Preise kommentarlos zahlen werden, muss man sich auch für die Zukunft um die Profitabilität des "Apfel-Konzerns" keine Sorgen machen.

Smartphones müssen bezahlbar bleiben

Aber mal ehrlich: Wohin soll das alles noch führen? Weit über 1.000 Euro für ein Smartphone ausgeben? Ist das noch mit Worten abseits von Marketing-Floskeln zu erklären? Mit welcher Berechtigung treiben die Marktführer unter den Smartphone-Herstellern die Preise immer weiter nach oben? Auch Apple-Konkurrent Samsung hatte kürzlich damit überrascht, dass das Samsung Galaxy Note 8 stolze 999 Euro kostet. Fragen über Fragen…

Die einen werden nun sagen: Jaja, da steckt ja hochentwickelte Technik drin. Schnellerer Prozessor, tolles OLED-Display, Dual-Kamera mit Gesichtserkennung und, und, und … Das kostet halt. Ja, stimmt. Ich appelliere aber auch: Stoppt den Preis-Wahnsinn! Auch moderne Smartphones müssen bezahlbar sein. Klar, man kann argumentieren, dass es zum Beispiel auch auf dem Automobilmarkt Fahrzeuge gibt, die sich der "kleine Mann" nicht leisten kann. Doch gerade Apple muss sich für mein Befinden die Frage stellen lassen, was diese irrwitzige Preis-Rallye soll.

Apple iPhone X: offizielle Bilder

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    Zum 10. Jährigen Jubiläum bringt Apple zusätzlich zu den 8-er Modellen dieses Jahr noch das iPhone X.
    Bildquelle: Apple
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    Zum 10. Jährigen Jubiläum bringt Apple zusätzlich zu den 8-er Modellen dieses Jahr noch das iPhone X.
    Bildquelle: Apple

Ohne Zweifel wird das iPhone X ein rundum tolles Smartphone sein, wenn es im November und damit passend zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommt. Es leistet enorm viel, sieht gut aus und in Bezug auf die Verarbeitung werden wir uns keine Sorgen machen müssen, dass Apple an irgendeiner Stelle geschlampt hat. Dafür sind die Amerikaner viel zu große Perfektionisten. Ja, ich freue mich sogar darauf, dass iPhone X irgendwann in den kommenden Wochen als Testgerät in den Händen halten zu dürfen. 

Ein randloses Display ist keine Innovation mehr

Aber, liebes Apple, seid ihr wirklich so innovativ unterwegs, wie ihr es selbst behauptet? Ein rahmenloses Display, wie es beim neuen iPhone X als futuristisch in den Fokus gestellt wird, ist heutzutage fast schon Standard. Samsung und viele andere asiatische Hersteller bieten zum Teil schon seit Monaten Smartphones mit sogenanntem Infinity-Display an. Kabelloses Aufladen des Akkus? Bei Android-Smartphones ist das schon seit vielen Jahren Standard. Innovationsfreude kann ich euch am ehesten noch beim Entsperren des iPhone X per Gesichtserkennung über die sogenannte Face ID bescheinigen. Aber ganz ehrlich: Ein Fingerabdrucksensor auf der Rückseite hätte mir zum Entsperren des Smartphones auch gereicht.

Jeder Smartphone-Hersteller sollte profitabel wirtschaften können, das ist völlig klar. Bewusst sollte den großen Herstellern aber auch sein, dass es immer noch die Menschen wie du und ich da draußen in der weiten Welt sind, von denen die Smartphones gekauft werden. Und von denen verdiente in Deutschland im Jahr 2015 laut Bundesnetzagentur jeder Dritte unter 2.400 Euro brutto pro Monat.

Apple iPhone X - Bilder der Präsentation

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    Das AppleiPhone X in Bildern der Präsentation
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de
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    Das AppleiPhone X in Bildern der Präsentation
    Bildquelle: Michael Büttner / inside-handy.de

Bitte, liebe Handyhersteller, vergesst nicht wo ihr hergekommen seid und wer euch groß gemacht hat. Denkt nicht nur an eure Margen. Noch teurere Smartphones können sich nicht nur immer weniger Menschen leisten, sie sind auch – wenn wir alle mal ehrlich sind – für eine immer kleinere Zielgruppe wirklich notwendig.

Am Ende des Tages wird der Markt, werden die Kunden entscheiden, ob Samsung Galaxy Note 8 oder iPhone X ein Erfolg werden. Zuzutrauen ist es beiden Premium-Anbietern unter den Smartphone-Herstellern, dass die Geräte erneut reißenden Absatz finden. Denn vor allem Apple versteht es wie kaum ein anderes Unternehmen, seine hochpreisigen Produkte trotzdem an Mann und Frau zu bringen und kann die Preise sogar monatelang stabil halten. Das, und das gebe ich auch gerne zu, ist aus vertrieblicher Sicht eine fast schon sensationelle Leistung, die mir gehörigen Respekt abverlangt.

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Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Apple, Mobilfunk-News, Oberklasse-Smartphones, Smartphones, Unternehmen und Märkte

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