IFA Lars Christian Weisswange im Gespräch So will Motorola zu alter Stärke zurückfinden

vom 11.09.2017, 07:31
Weisswange
Bildquelle: Weisswange

Motorola hat auf der IFA 2017 mit dem Moto X4 ein brandneues Gerät auf die Bühne geschoben und so die X-Serie wiederbelebt. Dazu zeigte man sich wieder deutlich mit der Marke Motorola und lässt das Label Lenovo in den Hintergrund rücken. Warum es die Rolle rückwärts gab und welche Ziele man mit dem Moto X4 und dem Moto Z2 Force verfolgt, klärt inside-handy.de im Gespräch mit Motorola-Manager Lars-Christian Weisswange.

Markenstrategie: "Motorola hat in den letzten Jahren sehr stark gelitten"

Motorolas nahe Vergangenheit war geprägt von Verkäufen, Übernahmen und einem Hin und Her welche Marke nach der Übernahme durch Lenovo im Mittelpunkt stehen soll. Sogar von einer völligen Abkehr von der Marke Motorola wurde in der Branche gesprochen. Das ging nicht spurlos an der Marke vorbei: "Motorola hat in den letzten Jahren sehr stark gelitten. Wir waren einmal mit 25 Prozent Marktführer in Deutschland. Das sind wir nicht mehr", stellt Weisswange ernüchtert fest. Seit Lenovo das Ruder übernommen und Motorola sehr stark integriert habe, habe man aber wieder Quantensprünge nach vorne gemacht. Wie es in der nahen Vergangenheit lief und wie man sich wieder berappelt hat, beschreibt Weisswange so: "Nach der Übernahme von Google hat es ein bisschen gedauert, bis wir dahin gekommen sind, dass wir klare Signale in den Markt geben konnten, dass wir, Lenovo, einen strategischen Fokus auf Mobilität setzen." In dieser Zeit wurden einige Motorola-Smartphones nicht mehr unter dem Markennamen in den Markt gegeben. Eine Zeit lang hat Lenovo diese Smartphones unter dem eigenen Markennamen veröffentlicht. "Das war zur damaligen Zeit richtig und gut", bekräftigt Weisswange.

Der Umschwung auf die Marke Motorola lies damals jedoch nicht lange auf sich warten. Die Nachfolge-Geräte wurden nach nur einer Generation im Lenovo-Gewand wieder unter dem Label Motorola vorgestellt und verkauft. Die Gründe für die Rolle rückwärts hat Weisswange parat: "Motorola hat eine Bekanntheit, die Wahnsinn ist. Wir haben in Deutschland über 80 Prozent Markenbekanntheit. Damit kann man viel anfangen." Dazu komme eine positive emotionale Einstellung gegenüber der Marke Motorola, die jedoch in den vergangenen Jahren nur zum Teil bedient wurde. Doch auch hier sieht Weisswange positiv in die nahe Vergangenheit und in die Zukunft: "Seit dem Moto G4 sind wir auf dem Weg, wieder die alten Motorola-Tugenden zu spielen und das nimmt der Markt auch sehr gut an." Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider: Allein das Moto Z wurde laut Weisswange drei Millionen Mal verkauft.

Motorola Moto X4 - "crafted for perfection"

Das Motorola Moto X4 bewegt sich mit einem Einstiegspreis von 400 Euro in einem Marktbereich, der gerade im Jahr 2017 von vielen Herstellern mit sehr ambitioniert ausgestatteten Smartphones beackert wird. Neben Motorola mit dem Moto X4 hat auch Huawei mit dem Nova 2 und Samsung mit dem Galaxy A5 (2017) heiße Eisen im Feuer. Weisswange erklärt die Vorteile für den Nutzer und die Zielgruppe, die Motorola im Auge hat: "X steht bei uns für 'crafted for perfection', also achten wir hier darauf, ein hochwertiges 'touch and feel' zu erzeugen." Damit habe man mit dem Moto X4 ein Smartphone in der Hand, das dem Moto Z2 Force oder andern 800- oder 900-Euro-Produkten in der Wertigkeit in nichts nachstehe. Den springenden Punkt sieht Weisswange darin, dass trotz der guten Haptik, das Moto X4 lediglich 400 Euro koste. Der zweite Vorteil sei, dass es "aus technischer Sicht im Alltag über alle Zweifel erhaben ist." Dass kein Spitzenprozessor verbaut ist, sondern ein Mittelklasse-Rechner von Qualcomms Snapdragon-600er-Serie soll dabei kein Nachteil sein. "Das werden 99,9 Prozent der Nutzer im Alltag nicht merken", so Weisswange.

Motorola Moto X4: Hands-On-Fotos

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    Das Motorola X4 im Hands-On auf der IFA 2017 in Berlin
    Bildquelle: Inside-handy.de
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    Das Motorola X4 im Hands-On auf der IFA 2017 in Berlin
    Bildquelle: Inside-handy.de

Motorola hat in dieser Preisklasse gleich zwei Geräte. Das Moto Z2 Play, das sich erst in den Preisbereich vorkämpfen muss, jedoch am Markt schon für unter 450 Euro gehandelt wird, und das neue Moto X4, das von vorneherein für 400 Euro angeboten wird. Das stellt für Weisswange kein Problem dar: "Für beide Geräte gibt es einen großen Markt und hier haben wir eine schöne Variabilität im Angebot." Den Erfolg der Smartphones, in diesem Preisbereich erklärt sich Weisswange mit zwei Punkten. Erstens würden immer mehr Nutzer ihr Handy vertragsfrei kaufen, und die, die sich auf dem freien Markt bedienen, möchten keine 800 Euro für ein Smartphone ausgeben. "Sie wollen aber auch kein Einsteigergerät haben und mit dieser Klasse adressiert man sie natürlich sehr gut."

Moto Z2 Force – Von randlosen Displays und ikonischem Design

Das Motorola Moto Z2 Force bietet gegenüber den Mitbewerbern wie dem Samsung Galaxy S8 oder auch dem LG V30 recht wenig Display für die Größe des Gehäuses. Da die Gehäusegröße aufgrund des Mods-Anschlusses fest steht, müsste sich also das bisherige 5,5-Zoll-Panel strecken, um auf ein ähnliches Display-Gehäuse-Verhältnis zu kommen. Motorola schaut sich solche Entwicklungen laut Weisswange genau an, jedoch "ist bei der Entwicklung neuer Smartphones für uns die Nutzerfreundlichkeit und die Ergonomie ein großer Faktor." In diesen Bereichen seien bei randlosen Smartphones noch einige Hausaufgaben zu stemmen. Dazu zähle die Soundqualität oder auch die Positionierung des Fingerabdrucksensors. "Hier sehen wir durchaus einen Trend, jedoch ist der aktuelle Entwicklungsstand nicht so weit, dass wir unseren Kunden das bestmögliche Ergebnis bieten können."

Motorola Moto Z2 Force: Hands-On-Fotos

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    Das Motorola Z2 Force im Hands-On auf der IFA 2017 in Berlin
    Bildquelle: Inside-handy.de
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    Das Motorola Z2 Force im Hands-On auf der IFA 2017 in Berlin
    Bildquelle: Inside-handy.de

Hier sei man lieber den sicheren Weg gegangen. Motorola hat keine Angst davor ins Hintertreffen zu geraten: Man habe bei den eigenen Smartphones, so Weisswange, eigene einzigartige Verkaufsargumente wie das Shatter Shield Display. Der designerischen Zukunft sieht Weisswange positiv entgegen, da "wir es als einer der wenigen Hersteller geschafft haben, ein eigenständiges und ikonisches Design für unsere Geräte zu erschaffen, das im Markt stabil ist und jeder als Motorola erkennt."

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Bildquelle kleines Bild: Weisswange | Autor: Michael Büttner
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Themen dieser News: Motorola, IFA Berlin, Lenovo, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

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