Test Langsamer Marathonläufer Blackberry Motion im Test: Kaventsmann ohne Anprallkraft

vom 15.12.2017, 16:44
Blackberry Motion im Test
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Blackberry OS ist Geschichte. Seit vergangenem Jahr setzt das kanadische Unternehmen Blackberry auf Android - und TCL als Lizenznehmer des Markennamens. Nach dem KEYone ist das Blackberry Motion das zweite Android-Smartphone, das aus der Kooperation hervorgeht. Doch was ist so besonders an einem Blackberry-Handy ohne physische Tastatur und mit Android? Und kann es auf dem hart umkämpften Android-Markt mithalten? Der Test von inside-handy.de löst auf.

1

Mitte Oktober hat das chinesische Unternehmen TCL das Blackberry Motion in Dubai vorgestellt. Ende Oktober hat das Smartphone den Weg über das Mittelmeer gemacht und liegt seitdem in den Verkaufsregalen hiesiger Elektronikmärkte. Was die technische Ausstattung angeht, sortiert sich das Motion in der ambitionierten Mittelklasse ein. Bei einem Merkmal jedoch übertrifft es sogar fast jedes Spitzenklasse-Modell. Doch der Reihe nach.

Blackberry Motion – Die technischen Daten

Ein Flaggschiff ist das Blackberry Motion nicht. Das hat aber weniger mit der Optik zu tun – auch wenn diese in der folgenden Einzelwertung hier und da kritisiert wird. Es sind eher die technischen Komponenten, die dem Smartphone die Zugehörigkeit zur Mittelklasse attestieren. Auch wenn mehr dazu gehört als einen High-End-Prozessor oder eine zweite Kamera mit einer zusätzlichen Brennweite oder einem Schwarz-Weiß-Sensor einzubauen – ein Snapdragon 625 oder "nur" 32 GB Speicher sind wahrlich keine Oberklasse.

Design und Verarbeitung

Beim Design setzt TCL auf ein Aluminiumgehäuse und eine Soft-Touch-Rückseite in Carbon-Optik. Der Metallrahmen sowie das ganze Design kommen einem aber irgendwie bekannt vor. Nicht auf den ersten Blick. Denkt man aber ein paar Jahre zurück, kommen Erinnerungen hoch. Erinnerungen an das Mitte 2013 von Huawei vorgestellte Ascend P6 – seinerzeit das Spitzenmodell der Chinesen. Insbesondere beim Metallrahmen mit seinen Rundungen und der abgeflachten unteren Kante gibt es Parallelen zum Motion. Und auch der Carbon-Look ist nicht neu. Das Razr etwa, das Motorola 2011 auf den Markt brachte, stand bereits mit Kohlenstoff-Optik in den Verkaufsregalen.

Dennoch unterscheidet sich das Blackberry Motion gegenüber den aktuellen Modellen – und das heißt etwas. In einer breiigen Masse, die die Hersteller mit unzähligen Smartphones anrühren und in der Individualität immer häufiger durch Handy von der Stange ersetzt wird, ist es durchaus angenehm, mal ein Gerät in der Hand zu halten, das nicht aus Glas besteht. Das Blackberry Motion hat – ähnlich wie das KEYone – eine recht weiche Rückseite, die in der Hand an einen abgenutzten Basketball erinnert. Und das soll keine negative Kritik sein – im Gegenteil. Basketbälle sind aus gutem Grund aus einem Werkstoff gefertigt, der Antirutschfähigkeiten besitzt. So liegt auch das Motion durch seine gummiartige Rückseite sicher in der Hand. Die Soft-Touch-Oberfläche hätte sich aber über die gesamte Rückseite erstrecken können, was die Optik runder gemacht hätte. Stattdessen biegt sich der Metallrahmen um die Kante auf den oberen Teil des Rückens und bildet damit einen schmalen Streifen, in dem das Kameramodul Platz findet.

Ansonsten ist das Design schlicht. Langsam aber sicher streift Blackberry den Designer-Anzug eines Business-Geschäftshandys ab und wird zum Smartphone für Jedermann. Hinsichtlich des Trends von rahmenlosen Displays hält sich TCL aber noch zurück. Insbesondere unterhalb des Displays wurde dem Fingerabdrucksensor enorm viel Platz eingeräumt.

Blackberry Motion: Hands-On

  • 1/20
    Das Blackberry Motion besitzt ein 5,5 Zoll großes Display, ...
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de
  • 2/20
    ... das in Full-HD auflöst.
    Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside-handy.de

Wenn es um Genauigkeit und die Qualität der Verarbeitung geht, wird sich heute kaum ein Hersteller bei einem Gerät dieser Preisklasse einen Schnitzer erlauben. Auch die Ingenieure von TCL haben ihre Sinne geschärft und ein Massenprodukt geschaffen, das eine hohe Güte aufweist. Die Öffnungen für Lautsprecher, Micro-USB-Anschluss und Klinkenbuchse sind sauber ausgefräst, die Taster weisen allesamt einen guten Druckpunkt auf und der Schlitten, der Micro-SD- und SIM-Karte beherbergt, schließt plan mit dem Rahmen ab. Auf der Rückseite geht es weiter: Das Blackberry-Logo ist fein in das weiche Material eingelassen und fühlbar, wenn die Finger drüber gleiten. Der Rahmen biegt sich über die Oberkante hin auf die Rückseite und schließt kurz unterhalb des Kameramoduls ab. Der Übergang zwischen Metall und der im Carbon-Look gehaltenen Soft-Touch-Fläche ist so markant, dass er wohl gewollt war. Möchte man etwas bemängeln, könnte man das bei der Kameraeinfassung machen. Das Aluminium, das das Objektiv umgibt, ist etwas scharfkantig.

Beim Design setzt Blackberry auf etwas Altbewährtes, was früher schon einmal funktionierte. Neuen Trends wie einem schmalen Rand um das Display eifert der Hersteller nicht hinterher. Die Verarbeitung ist solide; das Chassis macht das Motion nahezu vollkommen verwindungssteif. Hinsichtlich der Kameraeinfassung hätte der Designer etwas Schleifpapier an der Produktionsstraße auslegen lassen sollen.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Display

Das Blackberry Motion besitzt ein 5,5 Zoll großes Display, das mit 1.080 x 1.920 Bildpunkten Inhalte in Full-HD darstellt. Damit ergibt sich eine Pixeldichte von 403 ppi. In puncto Schärfe gibt es keine Kritik. Die holt sich das Motion an anderer Stelle ab. Viele Hersteller setzen derzeit auf ein Display-Format von 18:9. Damit ergibt sich gegenüber einem 16:9-Display, wie es beim Blackberry Motion zum Einsatz kommt, ein Vorteil: Bei identischer Bildschirmdiagonale wird ein Smartphone schmaler. Das Motion ist dementsprechend breit und nicht gerade einfach mit einer Hand zu bedienen. Die dicken Ränder um das Display und die sehr weit auseinander liegenden Tasten unterhalb des Bildschirms steuern ihr Übriges dazu. Möchte man mit dem Daumen der rechten Hand eine Seite zurückblättern, muss sich der aus zwei Fingergliedknochen bestehende Pollex einer überdurchschnittlich großen Hand schon ordentlich strecken, um die Zurück-Taste zu erreichen. Unterhalb des Bildschirms befindet sich ein Fingerabdrucksensor. Dabei dient er nicht allein dem Entsperren des Smartphones – doch dazu später mehr.



Bildquelle kleines Bild: TCL | Autor: Blasius Kawalkowski
News bewerten:
 
9 / 10 - 9Stimmen

Themen dieser News: Testcenter, Blackberry, Handys, Mobilfunk-News, Smartphones, Unternehmen und Märkte

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS

alle News ansehen