Interview Strategie-Gespräch Klarmobil.de-Chef Fromme: "Freenetmobile ist wie ein heiliger Gral für mich"

vom 11.09.2017, 13:03
klarmobil.de-Chef Antonius Fromme und Produkt-Chef Sebastian Goebel
Bildquelle: klarmobil.de / inside-handy.de

Die Freenet Group ist in Deutschland nicht nur mit der etablierten Kernmarke mobilcom-debitel aktiv, sondern auch mit verschiedenen Discount-Marken. Für inside-handy.de hatte Chefredakteur Hayo Lücke die Möglichkeit, mit Antonius Fromme, Geschäftsführer der klarmobil.de GmbH, und Sebastian Goebel, Leiter Produkte, Angebote und Einkauf bei klarmobil.de, über die Zukunft der Discount-Strategie von freenet zu sprechen.

Herr Fromme, Herr Goebel, freenet ist mit mehreren Discount-Marken am deutschen Mobilfunkmarkt aktiv. Einige davon werden kaum beworben und auch Sonderaktionen für Neukunden halten sich in Grenzen. Warum setzen Sie den Fokus nicht lieber auf nur eine oder zwei Marken?

Antonius Fromme: Mit der Marke mobilcom-debitel haben wir eine klassische Handelsmarke, wo im Wesentlichen Mobilfunk-Bundle-Angebote zu haben sind - also Tarife zusammen mit Smartphones. Auf der Discount-Schiene fahren wir mit vier Marken: klarmobil.de, freenetmobile, debitel light und callmobile. Dabei steht klarmobil.de als Kernmarke unseres Discount-Geschäfts für SIM-only-Produkte. freenetmobile haben wir als Differenzierung zum Kernportfolio entwickelt, um uns vertrieblich zusätzliche Plätze in den Preissuchmaschinen zu erarbeiten, während callmobile unsere klassische Prepaidmarke ist. Die Marke debitel light ist im Grunde nur noch ein Produkt, das wir ganz aktionistisch einsetzen.

Sebastian Goebel: Wir haben bei debitel light und callmobile noch einen relevanten Kundenbestand und diesem bieten wir weiterhin eine Plattform, um unsere Online-Services zum Beispiel für Tarifwechsel nutzen zu können. Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns aber auf klarmobil.de und freenetmobile.

Fromme: Man muss auch sehen, dass wir historisch gewachsen sind. Entsprechend schleppt man in einem Konzern wie bei debitel light vereinzelt noch Marken mit, die eigentlich keine Bedeutung mehr haben. Trotzdem brauchen wir im Discount-Bereich mindestens zwei Marken, lieber sogar drei oder vier, um bestimmte Preispunkte in Suchmaschinen und im Online-Vertrieb zu optimieren.

Die mitunter attraktivsten Tarife sind schon seit vielen Monaten bei freenetmobile zu bekommen. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt diese Marke aber kaum eine Rolle.

Fromme: Wenn ich mir intern die reinen Vertriebs- und Transaktionsseiten ansehe, ist freenetmobile ein maximaler Erfolg. Unsere Grundidee war, ein innovatives Produktportfolio an den Markt zu bringen: Kurze Laufzeit, D-Netz-Qualität und einen sehr guten Preis. Bewusst haben wir bei freenet mobile gesagt, wir investieren nicht in Werbung, sondern in den Preis und das Angebot für den Kunden und damit sind wir extrem erfolgreich.

Goebel: Wir versuchen bei freenetmobile alles ins Produkt zu stecken, was möglich ist. Deswegen gelten die günstigen Preise dort auch nicht nur wie bei vielen Wettbewerbern für 24 Monate, sondern während der gesamten Vertragslaufzeit. Zudem verfolgen wir das Ziel, ein ganz schlankes Angebot zu bieten - also ohne viele Optionen. Schon der Grundtarif soll für den Kunden so attraktiv sein, dass er sich nichts anderes mehr wünscht.

Fromme: Für mich war bei der Entwicklung des Angebots von freenetmobile das Thema Einfachheit ein ganz wesentliches Thema. Kunden können aus sechs Tarifen mit wahlweise 24 Monaten und 1 Monat Vertragslaufzeit auswählen, es gibt also insgesamt zwölf Tarife. Ganz bewusst haben wir uns auch für das lebenslang gültige Tarif-Angebot ohne Rabatte entschieden, um die Kündigungsquote möglichst gering zu halten. In Bezug auf Ihre konkrete Frage gebe ich Ihnen sogar Recht: In der Außenwahrnehmung spielt freenetmobile keine so große Rolle, aus Kundensicht funktioniert das Angebot aber zu 100 Prozent. Ganz ehrlich: Ich liebe das dort erhältliche Portfolio.

Das klingt ja fast schon hochemotional. Nochmal konkret nachgefragt: Umfangreiche Sternchentexte wird man bei freenetmobile also auch in Zukunft vergeblich suchen?

Fromme: Auf jeden Fall. Ich habe mit Herrn Goebel schon häufig darüber diskutiert, aber das Portfolio von freenetmobile ist wie ein heiliger Gral für mich. Es muss total einfach sein und darf keine versteckten Kosten haben. Dann läuft ein Tarif auch und bei freenetmobile läuft’s richtig gut.

Goebel: Wenn man zuerst an den Kunden denkt und ihm das 'Geschmäckle' nimmt, dass er am Ende aufpassen muss, dass alles nach 24 Monaten sehr viel teurer wird, dann kündigt der Kunde auch nicht. Vielleicht könnten wir noch schneller wachsen, wenn wir noch ein bisschen mehr Gas geben würden, aber wir sind total zufrieden, wie es aktuell läuft.

Schaut man sich die letzten Quartalsberichte an, war die freenet Group vor allem mit Vertragsangeboten erfolgreich. Wie sieht es im Discount-Segment aus? Läuft alles nach Plan?

Fromme: Wir hatten mit unseren Vorständen schon viele strategische Diskussionen, aber im Moment wüssten wir nicht, wie wir uns noch besser aufstellen sollten.

Vor allem für Jugendliche spielt mobiles Datenvolumen eine immer wichtigere Rolle. Wann sehen wir bei klarmobil.de oder anderen Marken der freenet Group Tarife mit 10 GB Highspeed-Internet oder mehr?

Fromme: Bei klarmobil.de bieten wir derzeit schon eine Allnet-Flat mit 10 GB Datenvolumen an. Und ich kann an dieser Stelle auch versprechen, dass wir in naher Zeit auf das 25-GB-Angebot von Telefónica reagieren werden. Man muss aber auch sehen, dass die immer höheren Datenvolumina für den Endkunden langsam nicht mehr greifbar sind. Rund 97 Prozent der Nutzer brauchen keine 10, 15 oder 25 GB pro Monat. Entsprechend laufen Tarife mit 1 oder 5 GB Datenvolumen bei uns deutlich besser als jener mit 10 GB.

Goebel: Die junge Zielgruppe, die viel Daten konsumieren möchte, ist nicht so zahlungsbereit. Wenn man einen Tarif mit 10 GB für 10 Euro anbieten könnte, sähe es vielleicht ganz anders aus, doch aktuell ist das einfach nicht möglich.

Lassen Sie uns doch mal einen Zeitsprung machen: Wo möchten Sie mit dem Discount-Geschäft von freenet in einem Jahr stehen?

Fromme: Wir wollen auch im nächsten Jahr im Ringen um die Preisführerschaft im D-Netz den ersten Platz belegen und unseren Kundenbestand quantitativ und qualitativ weiter ausbauen, um so innerhalb der Unternehmensgruppe der freenet ein profitabler und relevanter Faktor zu sein. Dafür werden wir bis dahin die Omnichannel-Präsenz der Discount-Produkte weiter ausgebaut haben, um die Verfügbarkeit im Onlineshop wie am POS für den Fachhandel sicher zu stellen.

Herr Fromme, Herr Goebel, vielen Dank für das Gespräch.

Zum IFA-Interview mit congstar-Chef Peter Opdemom ›


Bildquelle kleines Bild: Klarmobil | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Discount-Tarifanbieter, Mobilfunk-News, Mobilfunktarife

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