IFA BQ bietet Aquaris X BQ Aquaris X5 Plus Akkuprobleme: Jetzt meldet sich der Europachef

vom 05.09.2017, 13:17
BQ Aquaris X5 Plus
Bildquelle: BQ

Die erste Reaktion aus Spanien: BQ hat auf das Akkuproblem des Aquaris X5 Plus mit einem Statement reagiert und versucht die Gemüter zu beruhigen. Detaillierte Informationen warum sich die Akkus des Mittelklasse-Modells nach einiger Zeit aufblähen, hat man ebenfalls veröffentlicht. Nun spricht Europachef Xavier Gastaminza mit der Redaktion von inside-handy.de anlässlich der IFA in Berlin über die Probleme mit den Akkus.

Die Reaktion des spanischen Herstellers BQ hat lange auf sich warten lassen. Seit Monaten schwelt es in der Community der BQ-Nutzer, weil sich der Hersteller mit öffentlichen Aussagen über das Akkuproblem des Aquaris X5 Plus sehr zurückhält. Von "totschweigen" und "unter den Tisch kehren" ist im Android-Hilfe-Forum des Öfteren die Rede.

Nun hat sich BQ mit einem kleinen und einem großen Statement das erste Mal selbst zu Wort gemeldet. So verstehe man die Aufregung, "da es von seiner Thematik her sehr brisant ist". So der beschwichtigende Ton der Spanier. Dazu sei es Tatsache, "dass nur sehr wenige Geräte insgesamt gesehen davon betroffen sind". BQ war in der Zwischenzeit nach eigenen Angaben nicht untätig: "Um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen, haben wir Tests durchgeführt, bei denen sich gezeigt hat, dass diese Akkus sich nicht entzünden und nicht brennen. Dennoch tauschen wir, um die Zufriedenheit und Sicherheit der Kunden sowie die Qualität der Produkte sicherzustellen, die defekten Geräte gegen neue Geräte um. Morgen werden wir genauere Informationen zu den Tests und Zertifikaten geben, die unsere Ingenieure durchgeführt haben."

BQ nimmt auf Nachfrage von inside-handy.de nun noch einmal Stellung und lässt verlauten:

  • "die Akkus entzünden sich nicht/explodieren nicht, deshalb können sie auch per Post zurückgeschickt werden"
  • "der BQ-Support nimmt selbstverständlich alle Geräte zurück und tauscht sie gegen neue Geräte aus"

Die technischen Hintergründe wurden in einem zweiten Statement konkretisiert. So setze jeder Lithium-Polymer-Akku, welcher auch im BQ Aquaris X5 Plus verbaut ist, "bei jedem Lade- und Entladevorgang innerhalb des Gehäuses Gase frei. Bei einer normalen Nutzung des Akkus tritt immer eine
gewisse Schwellung auf und der Umfang wächst mit jedem Zyklus." Dies sei ein ganz normaler Vorgang bei einem Akku. Die Schwellungen können jedoch "manchmal" stärker ausfallen. Damit sei jedoch kein Risiko verbunden. Einzig muss der Nutzer darauf achten, dass "die Zelle nicht durchstochen wird, da sonst die Gase entweichen und sich mit einer Flamme oder Wärmequelle entzünden könnten."

Die Gehäuse der Akkus, die von BQ verwendet werden, verhindern laut dem Hersteller, einen Brand außerhalb des Akkus und so "liegt die Anzahl der aufgetretenen Fälle mit einem angeschwollenen Akku im normalen Bereich. In den Fällen, in denen diese Schwellung aufgetreten ist, ist weder ein Brand noch eine Explosion aufgetreten".

Europachef Gastaminza äußert sich zum Akkuproblem

Die Stellungnahme BQs wurde auch von Xavier Gastaminza, General Manager Europe BQs im Gespräch mit inside-handy.de auf der IFA 2017 bestätigt. Er erklärt: "LiPo-Akkus blähen sich bei jeden Ladezyklus etwas. Das ist normal und ein bekannter Effekt, der bei jedem Hersteller auftritt." Das es ein Problem mit dem Aquaris X5 Plus gibt, will er nicht leugnen: "Manche der Akkus haben sich mehr aufgebläht als normal. Das soll so nicht sein, jedoch liegt der Anteil an betroffenen Geräten in einem sehr geringen prozentualen Bereich. Es sind weniger als ein Prozent der Aquaris X5 Plus betroffen."

Dass sich in Deutschland die Fälle der betroffenen Geräte häufen, erklärt Gastaminza mit einer anderen Marktstellung als in anderen Ländern: "In Deutschland ist die BQ-Community sehr konzentriert auf das Android-Hilfe-Forum und so kumulieren dort die Meldungen über betroffene Geräte." Dort werde aber über alles in Sachen BQ geredet, so beispielsweise auch über die möglichen Tricks der manuellen Einstellungen oder die Funktionen der Kamera, aber natürlich auch über die Akkuprobleme und das sei auch gut so. Gastaminza relativiert jedoch: "In Märkten in denen wir eine höhere Verbreitung genießen, ist die Community überall und somit streuen sich diese Meldungen mehr." Das Hauptproblem sei, dass die Akkuprobleme die Nutzer an Probleme anderer Hersteller erinnern, die sich jedoch von denen BQs unterscheiden.

Xavier Gastaminza
Xavier Gastaminza

Diesen Unterschied unterstreicht Gastaminza und erklärt, "dass sich ein LiPo-Akku bläht, ist 100 Prozent normal." Das meine aber nicht, dass dort irgendein zusätzliches Risiko besteht, dass sich der Akku entzünde, explodiere oder ähnliches, gegenüber einem nicht aufgeblähten Akku. "Ein Risiko des Entzündens oder des Explodierens eines Akkus besteht", so Gastaminza weiter "bei allen Herstellern und in jedem Produkt." Es gebe aber aus Gesetzen und nötigen Zertifizierungen, zu verbauende Sicherheitsmechanismen, die das in der Regel verhindern. "Wir hatten in der Hinsicht auch noch nie Probleme." beruhigt Gastaminza weiter. Durch viele unterschiedlich geartete Schichten, die auch BQ in seinen Akkus einsetzt, wird ein Entzünden verhindert. Falls sich ein solcher Akku entzünden sollte wird das Feuer durch die Sicherheitsmaßnahmen im Inneren gehalten. Es gibt jedoch Möglichkeiten, einen Akku in Flammen aufgehen zu lassen. Das bestätigt auch Gastaminza: "Wenn ein aufgeblähter Akku aufgeschnitten oder die Schutzschichten durchstoßen werden, und zur gleichen Zeit heißes Feuer an den Akku gehalten wird, kann ein Feuer durch austretendes Gas entstehen." Damit schließt Gastaminza die Möglichkeiten eines zufälligen Brandes nochmals aus.

Die Lösung für BQ war augenscheinlich großzügig, brachte jedoch einige Nutzer auf die Palme. BQ und im Speziellen Gastaminza persönlich, entschied, die defekten Geräte durch das neue "kleine" Spitzenmodell Aquaris X auszutauschen. Es sei laut Gastaminza das modernere und bessere Smartphone. Ein Problem jedoch war, dass Nutzer damit auf einen Hybrid-Slot zurückgreifen müssen und nicht mehr zwei SIM-Karten und die Speichererweiterung bauen können. Dafür stellt Gastaminza jedoch eine Lösung bereit: "In diesem Fall wechseln wir den Akku und wenn es nötig ist, auch den Rückdeckel." Andere Hardware sei vom Defekt nicht betroffen und könne weiter genutzt werden. Diese Lösung fragen jedoch laut Gastaminza lediglich rund fünf Prozent der Nutzer an. Er bevorzugt jedoch den Tausch gegen das neue Spitzenmodell, weil "wir dann eine Lösung binnen 72 Stunden anbieten können." Die Reparatur werde in Spanien durchgeführt und dauere bis zu drei Wochen und solange wolle ja niemand auf sein "Zentrum des digitalen Lebens warten. Auch wenn der Austausch mit einem neuen Gerät für uns teurer ist, ist der Komplettaustausch meine favorisierte Lösung."

Viele der Nutzer fragen sich, welche Akkus von welchen Produzenten von diesem Defekt betroffen sind. Gastaminza erklärt, dass BQ nur mit den drei Marktführern weltweit zusammenarbeite und alle drei betroffen seinen, jedoch nicht mit dem gleichen Prozentsatz an allen defekten Geräten.

Aufgeblähte Akkus beim Aquaris X5 Plus

Was war passiert? - Im BQ-Forum melden seit Mitte Mai viele Nutzer des Aquaris X5 Plus, dass sich der Akku ihres Schätzchens aufblähe. So drückt das Akkugehäuse die Rückdeckel des Aquaris X5 Plus in die Höhe und die Gehäuseteile platzen auf. Der Akku verformt sich dabei auf verschiedene Art in verschiedenen Intensitäten. Manchmal drückt sich der Akku flächig nach oben, ein anderes Mal, drückt sich eine kleinere aber markante Stelle, die an eine Blase erinnert, aus dem Akku.

Dabei konnte bisher keine definierte Charge von Akkus oder eine gewisse Zeit der Produktion eingegrenzt werden. Die Fehlerstreuung scheint sich also auf den gesamten Produktionszeitraum zu erstrecken. Vermutungen, warum die Akkus die "Beulenpest" bekommen, schießen dabei ins Kraut. Ein Update, dass die Ladung des Akkus "optimieren" sollte und vor kurzem ausgerollt wurde, sorgt ebenfalls für Spekulationen. Stimmen, die ein ähnliches Ausmaß wie das des Samsung Galaxy Note7 ausrufen, wurden ebenfalls laut.

BQ Aquaris X5 Plus: Hands-On-Fotos

  • 1/8
    Das BQ Aquaris X5 Plus ist ein 5-Zoll-Smartphone
  • 2/8
    Auf dem aus Polycarbonat gefertigten Rückdeckel befindet sich ein zentral angebrachter Fingerabdrucksensor.

Smartphones werden ausgetauscht oder ersetzt

Den meisten betroffenen Kunden wird von Seiten BQs geholfen. Allerdings macht hier der Ton die Musik: BQ versendet laut den Nutzern unkommentiert ein Neugerät und bietet wenig Support bei der Versendeproblematik. So dürfen defekte Akkus eigentlich nicht in normalen Kartons oder Versandtaschen versendet werden, da sie theoretisch zu Bränden führen können. Das hat BQ mittlerweile bestritten, da die verwendeten Materialien genau dies verhindern würden.

Neben der schwachen Kommunikation BQs gibt es noch einen weiteren Kritikpunkt, der die Gemüter erhitzt. BQ hat damit begonnen, das neuere BQ Aquaris X anstatt das BQ Aquaris X5 Plus als Ersatzgerät zu verschicken. Das knapp ein Jahr jüngere Modell sollte eigentlich ein gleichwertiger Ersatz für das BQ Aquaris X5 Plus sein, jedoch beinhaltet es auch ein paar Eigenschaften, die im Vergleich zum Aquaris X5 Plus mit Einschränkungen aufwarten: So besitzt das Display durch die etwas größere Diagonale weniger Pixeldichte, das Gehäuse besteht zum Teil aus Glas und vor allem ist die Dual-SIM-Fähigkeit durch einen Hybrid-Slot eingeschränkt. Dadurch muss sich der Nutzer beim Aquaris X zwischen Dual-SIM-Funktion und Speichererweiterung entscheiden. Dieser Nachteil war beim Aquaris X5 Plus nicht vorhanden.

Die Argumente BQs für das neuere Aquaris X haben die Spanier mittlerweile veröffentlicht: Sie bieten an "das Aquaris X5 Plus mit einem defekten Akku gegen ein neues Aquaris X 32 GB+ 3 GB umzutauschen (auch in den Fällen, in denen es sich beim Gerät mit dem defekten Akku um die Version 16 GB + 2 GB handelt) und empfehlen auch, hiervon Gebrauch zu machen." Auf diese Weise könne BQ eine zeitnahe Lösung anbieten und dem Nutzer/innen stehe ein Gerät mit besserer Ausstattung zur Verfügung. Das Aquaris X sei eine gute Wahl, auch wegen "einem neuen Qualcomm-Prozessor mit 14 nm und einem um 68 Prozent gesenkten Verbrauch, Quick Charge 3.0 und einem 5,2-Zoll-Display mit 2.5D."

Preislich liegt man mit dem Ersatzgerät BQ Aquaris X auf einem höheren Niveau als bei den Modellen des Aquaris X5 Plus. Diese kosten, je nach verbautem Speicher zurzeit zwischen 229 und knapp 280 Euro, während das Aquaris X für mindestens 285 Euro den Besitzer wechselt.



Bildquelle kleines Bild: BQ | Autor: Michael Büttner
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Themen dieser News: BQ, Handys unter 400 Euro, Oberklasse-Smartphones, Smartphones, Technik, Unternehmen und Märkte

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