Online-Banking Bundesgerichtshof verbietet Gebühren für SMS-TANs - teilweise

vom 26.07.2017, 06:09
Bundesgerichtshof in Karlsruhe
Bildquelle: Joe Miletzki / Bundesgerichtshof

Banken in Deutschland dürfen nicht grundsätzlich für den Versand von sogenannten SMS-TANs Gebühren verlangen. Das hat am Dienstag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden (Az.: XI ZR 260/15). Der gegen das SMS-TAN-Verfahren klagende Verbraucherzentrale Bundesverband kann trotzdem nicht zufrieden sein, denn eigentlich hatte er Gebühren für SMS-TANs komplett verbieten wollen. Dem entsprach der BGH jedoch nicht.

Wer ein Online-Banking-Konto verwendet, wird TANs kennen. Die sogenannten Transaktionsnummern werden aus Sicherheitsgründen immer dann abgefragt, wenn ein Vorgang während der Nutzung des Internet-Bankings final bestätigt werden soll. Während die einen Banken auf eine TAN-Liste in Papierform setzen, kommt bei anderen zum Beispiel das sogenannte SMS-TAN-Verfahren zum Einsatz. Soll zum Beispiel eine Überweisung durchgeführt werden, wird zur Bestätigung der Transaktion eine TAN per SMS an eine zuvor verifizierte Nummer des Bankkunden geschickt. Mit dieser TAN ist es dann möglich, die Überweisung abzuschließen.

Gebühren für SMS-Tan bei Überweisungen unzulässig 

Für eine solche SMS-TAN darf eine Bank laut eines nun gefällten Urteils des BGH tatsächlich eine Gebühr verlangen, die häufig bei etwa 10 Cent pro Nachricht liegt. Wer pro Monat zehn Überweisungen über sein Online-Banking-Konto durchführt, muss in einem solchen Fall also mit 1 Euro Extrakosten rechnen – zuzüglich gegebenenfalls anfallenden Grundgebühren. Wird eine Überweisung nach dem Versand einer SMS hingegen nicht durchgeführt, darf eine Bank keine Gebühren erheben. Der reine Versand einer SMS reicht nicht aus, um Kunden finanziell zu belasten. Auch wenn für andere Funktionen innerhalb des Online-Bankings eine TAN benötigt werde, dürfen diese laut BGH-Urteil nichts kosten.

Da der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) SMS-TAN eigentlich grundsätzlich verbieten lassen wollte, sprach Vorstand Klaus Müller von einem ernüchternden Urteil. "Das Urteil könnte bedeuten, dass Verbraucherinnen und Verbraucher selbst für einen so einfachen Vorgang wie eine Online-Überweisung keine Preistransparenz mehr haben. (…) Bei der Preisgestaltung herrscht noch immer Wildwuchs." Der vzbv hatte vor Gericht konkret vorgetragen, dass Entgelte für SMS-TANs immer dann unzulässig seien, wenn sie mit anderen Gebühren bereits abgegolten sind – zum Beispiel über eine (zusätzliche) Grundgebühr.

Für mehr Sicherheit: Chip-TAN-Verfahren nutzen

"Betroffene können die gezahlten Entgelte nun für die letzten drei Jahre zurückfordern", erklärt Finanzexpertin Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. Grundsätzlich sollen Nutzer von SMS-TANs auch aus Sicherheitsgründen überlegen, ob das so genannte Chip-TAN-Verfahren mit TAN-Generator für sie nicht die bessere Alternative ist. Allerdings werden für die Anschaffung eines solchen TAN-Generators bei manchen Kreditinstituten recht hohe Einmalkosten fällig.



Quellen: Bundesgerichtshof, vzbv | Bildquelle kleines Bild: Joe Miletzki / Bundesgerichtshof | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

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