Check-Liste für deutsche Unternehmen veröffentlicht BSI warnt: Cyber-Attacke Petya weit gefährlicher als angenommen

vom 08.07.2017, 06:41
Hackerangriff auf viele Unternehmen
Bildquelle: Avast

Nach WannaCry kam Petya - und galt bisher als für Deutschland weit weniger gefährliche Cyber-Attacke. Nachdem es zunächst hieß, der Internet-Angriff habe sich vor allem gegen Unternehmen in Osteuropa gerichtet, hat sich nun das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet; mit einer deutlichen Warnung an deutsche Unternehmen.

Der Cyber-Angriff Petya, der Ende Juni startete, sei aktuellen Erkenntnissen zufolge, für Firmen in Deutschland mit einer deutlich größeren Bedrohungslage verbunden als bisher angenommen. Analysen von IT-Sicherheitsforschern legen nahe, dass bereits seit April 2017 in mehreren Wellen unterschiedliche Schadsoftwarevarianten über die Update-Funktion der in der Ukraine weit verbreiteten Buchhaltungssoftware M.E.Doc verteilt wurden. Damit können auch Unternehmen von diesem Cyber-Angriff betroffen sein, die M.E.Doc einsetzen, aber augenscheinlich nicht vom öffentlich bekanntgewordenen Verschlüsselungstrojaner Petya betroffen waren. Auch Datensicherungen (Backups), die nach dem 13. April angelegt wurden, müssen als potentiell kompromittiert betrachtet werden. Die unterschiedlichen Schadsoftwarevarianten ermöglichen das Ausspähen von Daten aus den betroffenen Firmennetzwerken. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewertet diese Analysen als plausibel.

Versteckte neue Angriffe von Petya laufen bereits

BSI-Präsident André Schönbohm warnt: "Wir beobachten hier, ähnlich wie im Fall WannaCry, dass die Täter über die gleiche Verbreitungswege weitere Schadsoftware verteilt haben, die sich im Gegensatz zu Verschlüsselungstrojanern nicht sofort bemerkbar macht. Ihr Schadenspotential ist dabei allerdings mindestens ebenso hoch. Unternehmen sind daher aufgefordert, Cyber-Sicherheit auch ohne akuten Anlass als Voraussetzung einer erfolgreichen Digitalisierung zu begreifen und IT-Sicherheitsmaßnahmen konsequent umzusetzen."

Außerdem liegen dem BSI nach eigenen Angaben zudem Informationen vor, die deutlich machen, dass die von Petya betroffenen Firmen erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um zum Teil kritische Geschäftsprozesse wiederherstellen zu können. In einigen Unternehmen in Deutschland stünden seit über einer Woche die Produktionen oder andere kritische Geschäftsprozesse still. Das Bundesamt hat eine Checkliste zusammengestellt, die jedes Unternehmen in Deutschland prüfen sollte:

  • auf M.E.Doc Software angewiesene Unternehmen sollten Computersysteme, auf denen diese Software installiert ist, in separierten Netzbereichen kapseln, verstärkt überwachen und sowohl diese als auch von dort erreichbare Systeme auf zusätzliche, möglicherweise bereits stattgefundene Kompromittierungen untersuchen
  • Auf infizierten Rechnern sollten alle Passwörter geändert werden
  • infizierte Rechner sollten idealerweise neu aufgesetzt werden
  • Umsetzung einer Netzwerksegmentierung
  • Erstellen und Vorhalten von Daten-Sicherungen (Backups)
  • Überprüfung der Administratorenrechte:
    • Lokale Administratoren sollten sich nicht über das interne Netz einloggen können
    • Lokale Administratoren dürfen auf unterschiedlichen Rechnern nicht das gleiche Passwort haben
    • Idealerweise sollte der lokale Administrator deaktiviert sein
  • Einspielen aktueller Patches für Software und Betriebssysteme, insbesondere des Microsoft-Patches MS17-010
  • Aktualisierung der eingesetzten Antiviren-Programme

Für betroffene Unternehmen ist es möglich, sich unter meldestelle@bsi.bund.de direkt mit dem BSI in Verbindung zu setzen. Im Zweifel externe IT-Fachkräfte zu kontaktieren wird ausdrücklich empfohlen.

Hier klicken für mehr Informationen zu WannaCry ›


Quelle: BSI | Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Internet & Digitale Welt

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