Vorsicht Abzocke: So übel kann die Frage nach der Handynummer enden

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Abzocke
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Facebook: Beliebte Internet-Plattform und Ort des gegenseitigen Nachrichten-Austauschs. Dort, wo inzwischen mehr als 1,9 Milliarden aktive Nutzer gezählt werden, sind aber nicht nur die persönlichen Freunde zu finden, sondern auch dreiste Betrüger nicht fern. Eine schon länger bekannte Masche greift nun verstärkt wieder um sich: Das gefährliche Spiel mit gefälschten Identitäten und der einleitenden Frage nach der Handynummer.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eines gemütlichen Sommerabends sitzt man tiefenentspannt in seinem Gartenstuhl und lauscht den zwitschernden Vögeln in den Baumwipfeln. Plötzlich klingelt das Smartphone. Die Facebook-App macht mit einer Kontaktanfrage auf sich aufmerksam. „Daniela B., die ich schon lange kenne, zu der ich aber wenig Kontakt über Facebook habe, wollte mit mir befreundet sein“, weiß Facebook-Nutzer Stefan A. gegenüber inside-handy.de zu berichten. „Ich habe nicht lange nachgedacht und die Kontaktanfrage schon allein deswegen sofort akzeptiert, weil ich meine Bekannte auf ihrem Profilbild sofort erkannt habe.“

Das blinde Vertrauen war jedoch ein großer Fehler, wie sich schon kurze Zeit später herausstellen sollte. Denn was A. anschließend erleben musste, kann jedem Facebook-Nutzer genauso passieren – und ist ein gutes Beispiel dafür, welch mitunter großes Risiko bei der unbedachten Nutzung des sozialen Netzwerks oder des zugehörigen Facebook Messengers auftreten kann.

Fake-Profile bei Facebook fragen nach der Handynummer

Denn über das Fake-Profil, das dem Originalprofil von A.s Bekanntschaft bis ins kleinste Detail nachgebaut wurde, erhielt dieser eine einfache, aber gefährliche Frage: „Könntest Du mir schnell deine Handynummer verraten?“ Wer hier unbedacht handelt und seine Nummer sofort herausrückt, wird im Rahmen der Betrugsmasche in der Folge in ein persönlich anmutendes Gespräch verwickelt, das den Anschein erwecken soll, man lasse sich auf einen simplen Freundschaftsdienst ein. Das Gegenteil ist aber der Fall. Vielmehr beginnt eine clevere, dreiste Abzocke, die vor allem auf die Unaufmerksamkeit der vermeintlichen Opfer abzielt.

Die Betrüger teilten A. im Namen seiner vermeintlichen Bekannten mit, er möge doch bitte den Inhalt aus zwei SMS einfach weiterleiten, die gleich auf seinem Handy eingehen. Es gehe um eine Wette mit dem Freund, bei der das Bezahlen eines Abendessens auf dem Spiel stehe. „Von der ersten Nachricht habe ich noch blind und naiv einen Screenshot gemacht und diesen meiner vermeintlichen Freundin weitergeleitet“, so A. gegenüber inside-handy.de. Was er, abgelenkt durch ein parallel laufendes Gespräch mit seiner Freundin nicht bemerkte: In der SMS war eine TAN zu finden, mit der über das Online-Portal Holyo eine Guthabenkarte für die Computerspiele-Plattform Steam bestellt werden kann. Genau das taten die Betrüger, nachdem A. ihnen den Inhalt der SMS über den Facebook Messenger kommunizierte.

O2 Drittanbieter Rechnung
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Niemals den Inhalt einer SMS mit neuen Facebook-Freunden teilen

„Erst bei der zweiten SMS wurde mir klar: ‚Hier stimmt doch etwas nicht!'“, so A. weiter. Denn in eben dieser zweiten ihm zugestellten Kurzmitteilung war plötzlich ein Gutschein-Code zu finden, der unter Holyo eingetauscht werden kann. Logisch, dass die Betrüger auch diesen Code für dich nutzen wollten und A. mit Nachrichten dazu aufforderten, diese zweite SMS schnell weiterzuleiten. Mehr noch: Als das Opfer nicht sofort reagierte, ging sogar ein Anruf über das gefakte Profil bei A. ein. Das sollte wohl den Anschein erwecken, dass hier die „echte“ Bekanntschaft den persönlichen Kontakt sucht. Dazu kam es aber gar nicht mehr, denn Augenblicke später war das gefälschte Profil gelöscht. Entweder weil Facebook den Betrug identifizieren konnte, oder weil die Betrüger selbst schnell ihre eigenen Spuren verwischen wollten.

Das Kind war zu diesem Zeitpunkt aber bereits in den Brunnen gefallen. A. stellte über die Kunden-App seinen Providers fest, dass er über einen Mobilfunk-Drittanbieter um 30 Euro auf seiner Mobilfunk-Rechnung erleichtert wurde – auch wenn er den Gutschein-Code aus der zweiten SMS für sich behielt und den Betrügern so keine Möglichkeit gab, das abgezockte Guthaben auch tatsächlich einzulösen. Holyo selbst nahm den Gutschein auf Beschwerde von A. nicht zurück. In einer inside-handy.de vorliegenden Support-Mail der hinter dem Portal stehenden Boku Network Services AG aus München heißt es wörtlich: „Leider ist die Transaktion bereits abgeschlossen. Wir können diese nicht widerrufen, da es sich um digitale Codes handelt und diese mit dem Versand per SMS entwertet sind.“ Kulanter zeigte sich Provider O2, über dessen Netz der Betrug im geschilderten Fall ablief: Nach einer Prüfung der Geschehnisse war O2 ohne weitere Rückfragen bereit, A. eine Gutschrift in Höhe von 30 Euro zu gewähren.

Gefährliche Drittanbieter – Das sagen Netzbetreiber, Facebook und Verbraucherzentrale

Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei der beschriebenen Masche nicht um ein neues Internet-Phänomen. Schon im Dezember 2015 warnte beispielsweise die Verbraucherzentrale Niedersachsen vor dem Betrug. „Problem ist, dass niemand die Erstkontaktaufnahme anzweifelt. Denn wenn Freunde um Handynummer und Hilfe bitten, dann stellen die Wenigsten das in Frage“. schrieben die Verbraucherschützer bereits damals. Trotzdem scheint die Masche noch immer gut zu funktionieren. Das heißt aber nicht, dass man sich dem Schicksal einfach fügen muss, sollte der eigene Provider nicht sofort wie im Fall von A. kulant reagieren.

Christine Steffen, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagte gegenüber inside-handy.de: „Betroffene sollten in einem solchen Fall der Rechnung schnell widersprechen und einen Vertragsnachweis anfordern. Da es sich um eine betrügerische Masche handelt, sollte außerdem Strafanzeige bei der örtlichen Polizei erstattet werden. Nicht zuletzt sollten Freunde und Bekannte und Vertraute einbezogen werden, die ebenfalls Opfer eines solchen Betrugs werden könnten.“ Steffen sagt zwar, dass Betroffene grundsätzlich Anspruch auf Erstattung des gezahlten Betrags hätten, „weil kein wirksamer zugrunde liegender Vertrag vorliegt“, schränkt aber auch ein, dass „nicht gesichert“ sei, dass Betroffene diesen Betrag ohne Weiteres zurückerhalten. „Hier bleibt definitiv ein Risiko“, so die Verbraucherschützerin.

Bei O2 prüft man den Sachverhalt bei Betrügereien über Drittanbieter stets individuell, wie ein Sprecher erklärte. „Stellt sich heraus, dass die Abbuchung unrechtmäßig erfolgt ist, werden wir den Anbieter zur Gutschrift der Abbuchung auffordern.“ Bei Vodafone rät man nicht nur dazu, das zu Unrecht abgebuchte Geld beim Drittanbieter zurückzufordern, sondern wie von Verbraucherschützern vorgeschlagen, Strafanzeige zu erstatten. Vodafone selbst dulde keinen Missbrauch zu Lasten der eigenen Kunden und ergreife Maßnahmen gegen unseriöse Anbieter.

Deutsche Mobilfunkanbieter kooperieren untereinander mit Frühwarnsystem

Darüber hinaus verwies ein Vodafone-Sprecher im Gespräch mit inside-handy.de auf ein Frühwarnsystem, das zusammen mit den führenden deutschen Mobilfunkanbietern entwickelt wurde, um potenzielle Betrugsfälle durch Kriminelle schnell zu entdecken und zu unterbinden. Die Provider tauschen sich demnach „mindestens wöchentlich über Betrugsversuche im Markt aus und ergreifen die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher und gegen die Kriminellen. Diese reichen von kompletter Sperre des Geldflusses – dem Kunden wird nichts abgebucht, die Kriminellen erhalten keine Zahlungen zum Beispiel aus Aboflallen – über Vertragsstrafen bis hin zur Kündigung der Geschäftsbeziehungen.

Wer vor unseriösen Anbietern geschützt sein möchte, sollte für seinen Vertrag eine sogenannte Drittanbietersperre aktivieren. Die Kehrseite für mehr Sicherheit ist dann allerdings, dass zahlreiche praktische Mobilfunkdienste nicht mehr verwendet werden können. Das Einrichten der Drittanbietersperre ist entweder telefonisch über die jeweilige Anbieter-Hotline möglich oder oftmals auch online über die persönlichen Kundenbereiche der Anbieter beziehungsweise per Kunden-App („Mein O2“, „Mein Vodafone“, „MagentaService“ etc.).

Facebook: Social Bots und gefälschte Profile sind verboten

Facebook selbst tut nach eigenen Angaben sein Möglichstes, um Betrügerein in dem Netzwerk zu unterbinden. „Es ist in unserem eigenen hohen Interesse, soganannte Social Bots oder anderen Spam von unserer Plattform fernzuhalten, um so die Menschen und Betreiber von Facebook-Seiten auf Facebook zu schützen“, sagte ein Sprecher gegenüber der Redaktion. Bevor Freundschaften geschlossen werden, rät Facebook dazu, die Profile genau zu studieren und in diesem Zusammenhang auch zu prüfen, ob es gemeinsame Freunde gibt. Facebook-Nutzer, die ein gefälschtes Konto entdecken, können dies direkt bei Facebook melden. Zahlen dazu, wie viele gefälschte Profile bei Facebook aktiv sind, gibt es nicht. Ein Vodafone-Sprecher warnt zudem: „Inzwischen bedienen sich Kriminelle, die im Bereich ‚Identitätsdiebstahl“ oder ‚Betrug über Drittanbieter‘ ihr Unwesen treiben, nach unseren Erkenntnissen auch anderer Methoden.“ 

Grundsätzlich gilt: Auch wenn eine Kontaktanfrage bei Facebook noch so vertrauensvoll aussieht, sollte jeder Nutzer genau prüfen, mit wem er sich über das soziale Netzwerk verbindet und austauscht. Das gilt für erfahrene Nutzer gleichermaßen wie für unerfahrene. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, kann hinter jedem neuen Facebook-Profil ein Identitätsdiebstahl stecken.  

Die Redaktion von inside-handy.de hat in einem separaten Magazin-Artikel zahlreiche Tipps und Tricks gegen die Abo-Abzocke durch Drittanbieter zusammengetragen. Dort sind auch Vor- und Nachteile aufgelistet, die eine Drittanbietersperre mit sich bringt.

So gefährlich können Mobilfunk-Drittanbieter sein

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