Scharfe Kritik wegen LTE-Ausschluss United-Internet-Chef Dommermuth schiebt Vodafone-Tarife aufs Abstellgleis

vom 14.05.2017, 09:41
Ralph Dommermuth
Bildquelle: United Internet

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth ist fast am Ziel. Das, was ihm im Jahr 2014 nicht gelang, soll im Laufe dieses Jahres im Zuge der fest eingeplanten Übernahme von Drillisch doch gelingen: Er erhält direkten Zugriff auf ein Mobilfunknetz - in diesem Fall auf jenes von Telefónica Deutschland. Weniger gute Nachrichten sind das für den Netzbetreiber Vodafone, der bisher enger Partner von United Internet ist.

Für Dommermuth war es eine herbe Niederlage, als im Jahr 2014 nicht er über sein Unternehmen United Internet, sondern der unmittelbare Konkurrent Drillisch die Erlaubnis zugesprochen bekam, auf ein Fünftel der Kapazitäten des Mobilfunknetzes von Telefónica Deutschland zugreifen zu dürfen. Die EU Kommission hatte diese Netz-Öffnung zur Bedingung gemacht, damit Telefónica die E-Plus Gruppe übernehmen durfte. Nun kommt Dommermuth im Zuge der geplanten Übernahme von Drillisch doch zum Ziel - auch wenn er dafür tief in die Tasche greifen muss.

Sofern der Zusammenschluss von Drillisch und der Telekommunikationssparte der United-Internet-Tochter 1&1 auf der nächsten außerordentlichen Hauptversammlung von den Drillisch-Aktionären und im Anschluss auch vom Bundeskartellamt durchgewunken wird, bedeutet das aber aller Voraussicht nach auch Änderungen im Tarif-Geschäft von 1&1 und anderen Marken. Denn Dommermuth sagte im Rahmen einer Telefonkonferenz ganz offen, dass sich der Vorleistungseinkauf wohl verschieben werde. So, wie es bei vielen Drillisch-Marken auch längst geschehen ist.

1&1-Tarife im Vodafone-Netz wegen fehlendem LTE im Abseits

In Zukunft wird es wohl nicht nur bei den im Discount-Geschäft tätigen Drillisch-Gesellschaften, sondern auch bei 1&1, Web.de und GMX primär nur noch Tarife geben, die über das Mobilfunknetz von Telefónica Deutschland angeboten werden. Bisher noch realisierte Tarife im Vodafone-Netz "werden wohl nur noch eine untergeordnete Rolle spielen", so Dommermuth, der auch deutliche Kritik an Vodafone durchklingen ließ.

Das Geschäft mit Vodafone-Verträgen sei schon allein deswegen rückläufig, weil der Düsseldorfer Netzbetreiber direkten Konkurrenten anders als Telefónica Deutschland keinen Zugriff auf sein LTE-Netz gestatte. Das sei ein klarer Nachteil. Deutlich wird das auch auf den Internetseiten der Mobilfunk-Angebote von United Internet, wo schon seit einiger Zeit die Tarife im Telefónica-Netz vorausgewählt sind. Vodafone-Tarife gibt es nur nach einem zusätzlichen Klick.

Sinkende Preise nach dem Zusammenschluss? Eher nicht!

In den Sternen steht allerdings, ob die neue starke vierte Kraft am deutschen Mobilfunkmarkt in Zukunft mit noch aggressiveren Preisen durchstarten wird. Dommermuth sagte, er sehe "ganz klar keine sinkenden Preise" und lieferte auch gleich eine Begründung dazu: Man agiere bereits in Preisregionen, "die sehr günstig sind." Für Endkunden ist das zwar eine weniger schöne Nachricht, doch man sollte nicht vergessen, dass die geplante Übernahme viel Geld kostet. Geld, das United Internet erst einmal wieder einspielen muss. Dommermuth verwies zudem darauf, das Lebenswerk der beiden Brüder Vlasios und Paschalis Cholidis, die Drillisch einst gegründet hatten, "gut weiterführen" zu wollen.

Das schließt allerdings nicht die von inside-handy.de geforderte Tarif-Gestaltung nach echten mobilen Daten-Flatrates aus. Für 25 Euro pro Monat bietet 1&1 aktuell einen Datentarif mit 8 GB LTE-Datenvolumen an. Für 40-50 Euro pro Monat sollte es in Zukunft möglich sein, eine echte LTE-Flatrate ohne Volumengrenze anzubieten. Das funktioniert in anderen europäischen Ländern und sollte auch von deutschen Providern in Angriff genommen werden.

So mäßig lief das erste Quartal für United Internet ›


Bildquelle kleines Bild: United Internet | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Mobilfunk-News, Mobilfunktarife, Unternehmen und Märkte

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