Kommentar Drillisch übernimmt 1&1 Telecommunication SE  Die große Chance auf echte mobile Daten-Flatrates

vom 12.05.2017, 12:28
United Internet will Drillisch übernehmen
Bildquelle: United Internet / Drillisch

Was für ein Freitag für Mobilfunk-Deutschland. Kurz nachdem die Kirchturmuhr am Morgen fünf Mal schlug, war die Katze aus dem Sack: Die 1&1-Mutter United Internet schluckt Drillisch. Überraschung? Teilweise. Denn spekuliert wurde über einen solchen möglicherweise bevorstehenden Schritt schon länger. Doch zum jetzigen Zeitpunkt hat wohl kaum einer mit dieser Mobilfunk-Hochzeit gerechnet. Und doch könnte sie für den deutschen Markt Gold wert sein.

Rückblick: Was haben Branchen-Experten gewettert, als im Jahr 2014 von der EU-Kommission die Übernahme der E-Plus Gruppe durch Telefónica Deutschland (O2) durchgewunken wurde. Steigende Preise, ausbleibender Wettbewerb, Nachteile über Nachteile für die deutschen Smartphone-Nutzer sollte der Megadeal auf dem hiesigen Mobilfunkmarkt nach sich ziehen. Düstere Wolken zeichneten sich über dem Mobilfunk-Firmament ab. Zugegeben, auch für mich überwogen seinerzeit eher die Befürchtungen, dass der dynamische deutsche Mobilfunkmarkt arg ausgebremst werden könnte. Doch dass es tatsächlich zu einem Stillstand gekommen ist, kann sicher nicht behauptet werden. Dafür wurden in den zurückliegenden Monaten zu viele Tarif-Innovationen am Markt platziert.

Datentarife in Deutschland weiter teuer - United Internet und Drillisch können es ändern

Klar, es ist unbestritten so, dass vor allem Datentarife in Deutschland noch immer vergleichsweise teuer sind. Auch wenn man im EU-Vergleich unter anderem Aspekte wie hierzulande höhere Lohn- und Energiekosten berücksichtigen muss, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass das mobile Internet zwar im Alltag immer häufiger verwendet wird, aber noch immer viele Einschränkungen gelten und LTE-Tarife bis heute keine echte DSL-Alternative darstellen. Tarife wie der Congstar Homespot, der Vodafone Giga Cube und O2 Free oder auch die StreamOn-Option der Telekom deuten zwar einen Weg in die richtige Richtung an, gehen aber noch längst nicht weit genug.

Ich finde: Es wäre für die deutschen Mobilfunk-Unternehmen längst an der Zeit, mit preislich erschwinglichen Daten-Flatrates an den Start zu gehen. So wie man es zum Beispiel aus Skandinavien, dem Baltikum oder auch Irland oder Polen kennt. Und genau hier läge für Deutschland eine große Chance, wenn der Übernahme von Drillisch durch United Internet von den zuständigen Kartellbehörden keine Steine in den Weg gelegt würden. Nicht nur Drillisch ist in der Vergangenheit durch attraktive Discount-Tarife aufgefallen, auch United Internet hat immer wieder mit günstigen Allnet-Flatrates von sich Reden gemacht. Das muss so weitergehen. Nein, jetzt muss sogar noch mehr passieren.

Ab in den Angriffsmodus - für mehr Mobilfunk-Wettbewerb

Es wäre überaus wünschenswert, dass der von United Internet und Drillisch eingeschlagene Kurs in dem neuen, vereinten Unternehmen mit aller Konsequenz fortgeführt wird. Dass die beiden Unternehmen gemeinsam dazu in der Lage wären, ist unbestritten. Allerdings bleibt die Frage, ob sie sich auch wirklich trauen. Denn die Angst vor Power-Usern, die monatlich ein Datenvolumen von 100 GB und mehr verursachen, und dauerbelegten Mobilfunkzellen ist nach wie vor existent. Und doch sollten United Internet und Drillisch Mut beweisen. Für mehr Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, den sie nach eigenen Worten als vierter großer Spieler am Markt ja ankurbeln wollen.

So oder so möchte man Vodafone, Telekom und Telefónica zurufen: Zieht euch warm an, es formiert sich ein neuer, unangenehmer Gegenspieler. Einer, der es versteht, in den Angriffsmodus zu schalten. Nicht nur im Discount-Segment, sondern auch bei mitunter noch immer sündhaft teuren Vertragskundentarifen. Legen wir los!

United Internet schluckt Drillisch: Hier alle Details ›


Bildquelle kleines Bild: United Internet / Drillisch | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Drillisch, Mobilfunk-News, Mobilfunktarife

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