Update Neue vierte Kraft am Mobilfunkmarkt Hauptversammlung von Drillisch stimmt Übernahme der 1&1 Telecommunication SE zu

vom 25.07.2017, 13:39
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Bildquelle: United Internet

Der Weg für eine vierte, starke Kraft am deutschen Mobilfunkmarkt ist frei: Die Aktionäre von Drillisch haben auf einer außergewöhnlichen Hauptversammlung ihre Zustimmung dafür erteilt, dass die Drillisch AG schrittweise die 1&1 Telecommunication SE erwirbt und anschließend als Tochtergesellschaft der 1&1-Muttergesellschaft United Internet agiert.

Auf der Hauptversammlung stimmten 97,85 Prozent des vertretenen Grundkapitals für die vorgeschlagene Sachkapitalerhöhung, teilten Drillisch und United Internet am Dienstag mit. Damit die Fusions-Pläne auch tatsächlich durchgeführt werden können, war eine Mehrheit von 75 Prozent erforderlich. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth erklärte dazu am Donnerstag: "Wir freuen uns sehr über die deutliche Zustimmung der Drillisch-Aktionäre zur Kapitalerhöhung. Damit können wir nun eine starke vierte Kraft im deutschen Telekommunikationsmarkt schaffen. Unter dem Dach von United Internet kann jetzt ein neuer Telekommunikations-Komplettanbieter entstehen, der über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft verfügt."

Auch das Bundeskartellamt hat keine Einwände

Auch das Bundeskartellamt hat keine Einwände, dass United Internet seinen Wettbewerber Drillisch übernimmt. Die geplante Gesamttransaktion sei ohne Auflagen genehmigt worden, erklärten United Internet und Drillisch schon Anfang Juli in einer gemeinsamen Mitteilung. 

United Internet hatte Mitte Mai in einer Ad-Hoc-Mitteilung bekanntgegeben, seinen Konkurrenten Drillisch, Muttergesellschaft von bekannten Mobilfunk-Discountern wie Yourfone, smartmobil.de und Simply, übernehmen zu wollen. Ziel sei es, neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland eine vierte starke Kraft zu etablieren.

Vorgesehen ist, dass die Telekommunikationssparte von 1&1 schrittweise in Form von zwei Kapitalerhöhungen in die Drillisch AG eingebracht wird. Gleichzeitig wird Drillisch zwar als eigenständige und börsennotierte Gesellschaft erhalten bleiben, aber unter dem Dach der 1&1-Mutter United Internet agieren. Eine entsprechende Grundsatzvereinbarung haben der Vorstand von United Internet und Drillisch jeweils mit Zustimmung ihres Aufsichtsrats bereits geschlossen.

Im ersten Schritt, der bereits vollzogen wurde, hat United Internet circa 7,75 Prozent ihrer Anteile an der 1&1 Telecommunication SE in Drillisch eingebracht. Im Gegenzug erhielt United Internet durch eine Kapitalerhöhung rund 9 Millionen neue Drillisch-Aktien. Dadurch erhöhte United Internet die schon bestehende Beteiligung an Drillisch von 20 auf rund 30 Prozent. In einem zweiten Schritt wird vorbehaltlich einer Zustimmung der Drillisch-Aktionäre der noch verbliebene Teil an 1&1 Telekommunication gegen Ausgabe von fast 108 Millionen weiteren Drillisch-Aktien eingebracht. Am Ende wird United Internet knapp 73 Prozet an Drillisch halten. Außerdem wird United Internet allen Drillisch-Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot machen. Pro Aktie ist United Internet bereit, 50 Euro zu zahlen. Dies seien 8,2 Prozent mehr als der volumengewichtete Dreimonats-Durchschnittskurs der Drillisch-Aktie zum Schlusskurs am 11. Mai (46,20 Euro).

United Internet und Drillisch mit mehr als 12 Millionen Kunden

Beide Unternehmen streben an, das in der 1&1 Telecommunication SE gebündelte Mobilfunk- und Festnetzgeschäft von United Internet mit dem Mobilfunkgeschäft von Drillisch zusammenzuführen. Das soll dafür sorgen, eine vierte starke Kraft auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt neben den drei bestehenden großen Konzernen Telekom, Vodafone und Telefónica entstehen zu lassen. Gemeinsam können United Internet und Drillisch mehr als 12 Millionen Kundenverträge blicken. Im Jahr 2016 wurde ein gemeinsamer Umsatz in Höhe von mehr als 3,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.

"Mit dem Zusammenschluss von 1&1 Telecommunication und Drillisch formen wir einen leistungsfähigen Telekommunikations-Komplettanbieter unter dem Dach von United Internet. 1&1 verfügt über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft", sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth laut Unternehmensmitteilung. Zusammen mit Drillisch sei es möglich, künfig die komplette Produktpalette auf Basis heutiger und künftiger Netztechnologien aus einer Hand anzubieten.

Das bisher von 1&1 Versatel betriebene Privatkundengeschäft (DSL) wurde per 2. Mai auf die 1&1 Telecommunication SE übertragen. Das Geschäft mit Geschäftskunden und anderen Telekommunikationsanbietern (Wholesale) wird laut Grundsatzvereinbarung weiterhin von 1&1 Versatel geführt und ist nicht Bestandteil der angedachten Transaktion. 1&1 Versatel wird für das neu geschaffene Unternehmen aber dauerhaft Vorleistungen auf Basis seines Glasfasernetzes erbringen. Der Unternehmenswert der 1&1 Telecommunication SE wird im Rahmen der Transaktion auf 5,85 Milliarden Euro beziffert.

Drillisch freut sich über "perfekten Partner"

Für United Internet dürfte es besonders interessant sein, dass Drillisch direkten Zugriff auf einen Teil des Mobilfunknetzes von Telefónica Deutschland hat. Das war im Zuge der Übernahme von E-Plus durch O2 auf Geheiß der Kartellbehörden so festgelegt worden. Bis zum Jahr 2020 darf Drillisch bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten von Telefónica Deutschland nutzen. Optional auch bis 2030. "Mit der 1&1 Telecommunication haben wir den perfekten Partner gefunden, mit dem wir unser Wachstum weiter beschleunigen und unsere künftigen Kapazitäten noch besser nutzen können", sagte Drillisch-Vorstandschef Vlasios Choulidis am Freitagmorgen.

Schon im Jahr 2020 sollen sich aus dem Zusammenschluss Synergien in Höhe von 150 Millionen Euro ergeben. Bis 2025 sollen die Synergien auf jährlich etwa 250 Millionen Euro ansteigen. Vorausgesetzt, die Gesamttransaktion wird durch das Bundeskartellamt genehmigt. Das Closing des Zusammenschlusses wird für Ende 2017 erwartet. Einmalig wird mit Implementierungskosten in Höhe von circa 50 Millionen Euro gerechnet. Das kombinierte Unternehmen soll von André Driesen, Finanzvorstand von Drillisch, sowie von Martin Witt, Chef der 1&1 Telecommunication SE, und Ralph Dommermuth (CEO) geleitet werden. Drillisch-Chef Vlasios Choulidis will in den Aufsichtsrat von Drillisch wechseln.

Was passiert mit Yourfone-Shops?

Noch völlig offen ist, was im Falle einer Genehmigung der Übernahme mit den von Drillisch betriebenen Yourfone-Shops in den Innenstadtlagen geschehen wird. Bisher lag der Fokus von Drillisch darauf, Yourfone als Kernmarke im Offline-Geschäft und smartmobil.de im Online-Vertrieb zu positionieren. In der am Freitag veröffentlichten Mitteilung ist bisher nur davon die Rede, dass es Drillisch künftig möglich sein wird, in den Ladengeschäften eine breitere Produktpalette anzubieten. Langfristig wäre es aber nicht verwunderlich, wenn Dommermuth als neuer CEO des neugeformten Unternehmens die Kernmarke 1&1 stärker in den Vordergrund rückt.

Auf Nachfrage von inside-handy.de sagte Dommermuth am Freitag im Rahmen einer Telefonkonferenz, dass es zunächst einmal darum gehen müsse, die geplante Übernahme auf den Weg zu bringen. "Ich habe auch schon darüber nachgedacht, den Namen 1&1 prominenter in die Innenstadtlagen zu bringen, diesen Gedanken aber nicht fortgeführt. Für die Zukunft will ich ein solches Szenario nicht ausschließen, doch wir müssen auch schauen, ob es mit Blick auf unsere einzelnen Marken überhaupt Sinn macht. Das werden wir uns bei Gelegenheit dann genauer anschauen." 

Quelle: United Internet / Drillisch | Bildquelle kleines Bild: Drillisch | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Drillisch, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

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