Update Aktionäre stimmen Satzungs-Änderung zu Drillisch und 1&1 fusionieren zur "1&1 Drillisch AG"

vom 12.01.2018, 18:46
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Die Fusion ist vollzogen. Durch verschiedene Kapitalerhöhungen und Satzungs-Änderungen ist das Vorhaben von United INternet und Drillisch nun auch amtlich durchgeführt. Aus den beiden Kernmarken 1&1 und Drillisch wird die neue Dachmarke "1&1 Drillisch AG" . Die inside-handy.de-Redaktion erklärt die Hintergründe und zeigt den Weg zur Fusion auf. 

Nachdem der Fusion durch die Hauptversammlung im Sommer 2017 keine Seine in den Weg gelegt wurden, ist nun auch der Markennahme auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung festgesetzt worden. Ab sofort firmiert die Drillisch AG als "1&1 Drillisch AG". Die beiden starken Markennamen bleiben damit kombiniert stehen. Die Satzung wurde entsprechend angepasst.

Chef der neuen AG ist Ralph Dommermuth, der wie folgt zitiert wird: "In den vergangenen Monaten haben wir die 1&1 Telecommunication SE mit Drillisch zusammengeführt und so einen leistungsfähigen Telekommunikations-Komplettanbieter geformt. Mit dem kombinierten Brand unserer Dachgesellschaft wollen wir künftig nach innen und außen dokumentieren, dass beide Unternehmen eine Einheit sind. Die Produktmarken unserer Gesellschaft sind von der Umbenennung nicht betroffen und agieren weiterhin unter ihren bisherigen Namen."

Drillisch und 1&1 verschmelzen: Fusion zur "vierten Kraft"

Auf der Hauptversammlung stimmten 97,85 Prozent des vertretenen Grundkapitals für die vorgeschlagene Sachkapitalerhöhung, teilten Drillisch und United Internet Ende Juli 2017 mit. Damit die Fusions-Pläne auch tatsächlich durchgeführt werden können, war eine Mehrheit von 75 Prozent erforderlich. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth erklärte dazu im Mai 2017: "Wir freuen uns sehr über die deutliche Zustimmung der Drillisch-Aktionäre zur Kapitalerhöhung. Damit können wir nun eine starke vierte Kraft im deutschen Telekommunikationsmarkt schaffen. Unter dem Dach von United Internet kann jetzt ein neuer Telekommunikations-Komplettanbieter entstehen, der über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft verfügt."

Bundeskartellamt hat keine Einwände

Auch das Bundeskartellamt hat keine Einwände, dass United Internet mit seinem Wettbewerber Drillisch fusioniert. Die geplante Gesamttransaktion sei ohne Auflagen genehmigt worden, erklärten United Internet und Drillisch schon Anfang Juli in einer gemeinsamen Mitteilung. 

United Internet hatte Mitte Mai 2017 in einer Ad-Hoc-Mitteilung bekanntgegeben, seinen Konkurrenten Drillisch, Muttergesellschaft von bekannten Mobilfunk-Discountern wie Yourfone, smartmobil.de und Simply, übernehmen zu wollen. Ziel sei es, neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland eine vierte starke Kraft zu etablieren.

Vorgesehen ist, dass die Telekommunikationssparte von 1&1 schrittweise in Form von zwei Kapitalerhöhungen in die Drillisch AG eingebracht wird. Gleichzeitig wird Drillisch zwar als eigenständige und börsennotierte Gesellschaft erhalten bleiben, aber unter dem Dach der 1&1-Mutter United Internet agieren. Eine entsprechende Grundsatzvereinbarung hatten der Vorstand von United Internet und Drillisch jeweils mit Zustimmung ihres Aufsichtsrats bereits geschlossen.

Im ersten Schritt, der bereits vollzogen wurde, hat United Internet circa 7,75 Prozent ihrer Anteile an der 1&1 Telecommunication SE in Drillisch eingebracht. Im Gegenzug erhielt United Internet durch eine Kapitalerhöhung rund 9 Millionen neue Drillisch-Aktien. Dadurch erhöhte United Internet die schon bestehende Beteiligung an Drillisch von 20 auf rund 30 Prozent. In einem zweiten Schritt wird vorbehaltlich einer Zustimmung der Drillisch-Aktionäre der noch verbliebene Teil an 1&1 Telekommunication gegen Ausgabe von fast 108 Millionen weiteren Drillisch-Aktien eingebracht. Am Ende wird United Internet knapp 73 Prozet an Drillisch halten. Außerdem wird United Internet allen Drillisch-Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot machen. Pro Aktie ist United Internet bereit, 50 Euro zu zahlen. Dies seien 8,2 Prozent mehr als der volumengewichtete Dreimonats-Durchschnittskurs der Drillisch-Aktie zum Schlusskurs am 11. Mai (46,20 Euro).

United Internet und Drillisch mit mehr als 12 Millionen Kunden

Beide Unternehmen streben an, das in der 1&1 Telecommunication SE gebündelte Mobilfunk- und Festnetzgeschäft von United Internet mit dem Mobilfunkgeschäft von Drillisch zusammenzuführen. Das soll dafür sorgen, eine vierte starke Kraft auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt neben den drei bestehenden großen Konzernen Telekom, Vodafone und Telefónica entstehen zu lassen. Gemeinsam können United Internet und Drillisch mehr als 12 Millionen Kundenverträge blicken. Im Jahr 2016 wurde ein gemeinsamer Umsatz in Höhe von mehr als 3,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.

"Mit dem Zusammenschluss von 1&1 Telecommunication und Drillisch formen wir einen leistungsfähigen Telekommunikations-Komplettanbieter unter dem Dach von United Internet. 1&1 verfügt über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft", sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth laut Unternehmensmitteilung Mitte 2017. Zusammen mit Drillisch sei es möglich, künfig die komplette Produktpalette auf Basis heutiger und künftiger Netztechnologien aus einer Hand anzubieten.

Das bisher von 1&1 Versatel betriebene Privatkundengeschäft (DSL) wurde per 2. Mai auf die 1&1 Telecommunication SE übertragen. Das Geschäft mit Geschäftskunden und anderen Telekommunikationsanbietern (Wholesale) wird laut Grundsatzvereinbarung weiterhin von 1&1 Versatel geführt und ist nicht Bestandteil der angedachten Transaktion. 1&1 Versatel wird für das neu geschaffene Unternehmen aber dauerhaft Vorleistungen auf Basis seines Glasfasernetzes erbringen. Der Unternehmenswert der 1&1 Telecommunication SE wird im Rahmen der Transaktion auf 5,85 Milliarden Euro beziffert.

Drillisch freut sich über "perfekten Partner"

Für United Internet dürfte es besonders interessant sein, dass Drillisch direkten Zugriff auf einen Teil des Mobilfunknetzes von Telefónica Deutschland hat. Das war im Zuge der Übernahme von E-Plus durch O2 auf Geheiß der Kartellbehörden so festgelegt worden. Bis zum Jahr 2020 darf Drillisch bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten von Telefónica Deutschland nutzen. Optional auch bis 2030. "Mit der 1&1 Telecommunication haben wir den perfekten Partner gefunden, mit dem wir unser Wachstum weiter beschleunigen und unsere künftigen Kapazitäten noch besser nutzen können", sagte Drillisch-Vorstandschef Vlasios Choulidis im Zuge der Fusionspläne 2017.

Schon im Jahr 2020 sollen sich aus dem Zusammenschluss Synergien in Höhe von 150 Millionen Euro ergeben. Bis 2025 sollen die Synergien auf jährlich etwa 250 Millionen Euro ansteigen. Vorausgesetzt, die Gesamttransaktion wird durch das Bundeskartellamt genehmigt. Das Closing des Zusammenschlusses wird für Ende 2017 erwartet. Einmalig wird mit Implementierungskosten in Höhe von circa 50 Millionen Euro gerechnet. Das kombinierte Unternehmen soll von André Driesen, Finanzvorstand von Drillisch, sowie von Martin Witt, Chef der 1&1 Telecommunication SE, und Ralph Dommermuth (CEO) geleitet werden. Drillisch-Chef Vlasios Choulidis will in den Aufsichtsrat von Drillisch wechseln.

Was passiert mit Yourfone-Shops?

Zum Jahresende 2017 gab es den Paukenschlag: Yourfone und Drillisch sollten seit dem neuen Jahr getrennte Wege gehen. Diese Nachricht erwischte nicht nur Shop-Betreiber auf dem falschen Fuß. Die ganze Geschichte wird in einem gesonderten Artikel zu Yourfone und Drillisch erläutert. 

Auf Nachfrage von inside-handy.de sagte Dommermuth im Sommer 2017, dass es zunächst einmal darum gehen müsse, die geplante Übernahme der Dachmarken auf den Weg zu bringen. "Ich habe auch schon darüber nachgedacht, den Namen 1&1 prominenter in die Innenstadtlagen zu bringen, diesen Gedanken aber nicht fortgeführt. Für die Zukunft will ich ein solches Szenario nicht ausschließen, doch wir müssen auch schauen, ob es mit Blick auf unsere einzelnen Marken überhaupt Sinn macht. Das werden wir uns bei Gelegenheit dann genauer anschauen."  Offenbar wurde hier inzwischen eine Entscheidung zu ungunsten von Yourfone gefällt.



Quelle: Drillisch 1&1 | Bildquelle kleines Bild: Drillisch | Autor: Redaktion inside handy
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Themen dieser News: Drillisch, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

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