Xperia XZ Premium Vorbesteller-Aktion: Verbraucherzentrale Bayern rät zur Beanstandung – Sony reagiert

vom 08.08.2017, 08:10
Sony Xperia XZ Premium MWC 2017
Bildquelle: Sony

Für das Flaggschiff Xperia XZ Premium, das bereits im Februar vorgestellt wurde, winkte für Vorbesteller eine kostenlose Zugabe: die hochwertigen Bluetooth-Kopfhörer MDR-100ABN. Nun mutiert die Aktion jedoch zu einem Problem für Sony. Viele Vorbesteller beschweren sich nun, weil zum Teil nicht die gezeigten Kopfhörer, sondern günstigere Modelle verschickt wurden. inside-handy.de zeigt, wie es soweit kam und welchen Anspruch die Kunden nun haben.

Vorbesteller-Aktion wird zum Shitstorm

Offene Kritik an Sony: Die Vorbesteller-Aktion für das Sony Xperia XZ Premium schlägt aktuell hohe Wellen auf dem Facebook-Profil des Herstellers. inside-handy.de-Leser machten die Redaktion darauf aufmerksam, dass es aktuell zu vielen Beschwerden kommt. Dabei regen sich viele Nutzer darüber auf, dass sie an der Aktion teilgenommen, die versprochenen Kopfhörer (MDR-100ABN) aber nie erhalten haben. Stattdessen bot ihnen Sony ein anderes Gerät (MDR ZX770BNB) an. Laut dem Unternehmen sei der Vorrat der Modelle erschöpft und man habe die Aktion daher "gemäß den Teilnahmebedingungen vorzeitig beendet".

Gegen diese Aussage regt sich jedoch ein Teil der Kritik: So fühlen sich viele Nutzer betrogen, da sie sich nach eigener Aussage direkt nach dem Erhalt des Smartphones für die Aktion regelkonform registriert und dennoch keinen versprochenen Kopfhörer erhalten haben. Weitere Beschwerden drehen sich um die neuen Kopfhörer. Sie sind ebenfalls mit Bluetooth und Geräuschunterdrückung ausgestattet, jedoch nur knapp halb so viel wert, wie das versprochene Gerät. So gibt es den MDR-100ABN für aktuell 229 Euro im Handel, während die angebotene Alternative MDR ZX770BNB circa 105 Euro kostet.

Viel Käufer eines Sony Xperia XZ Premium fühlen sich betrogen und sprechen von sogenanntem "Bait-and-switch". Auf Anfrage von inside-handy.de veröffentlichte das Unternehmen folgendes Statement: "Aufgrund der großen Nachfrage nach dem Xperia XZ Premium ist der Vorrat der verfügbaren MDR-100 ABN Kopfhörer vor Ablauf der Aktion erschöpft gewesen. Wir haben die Aktion daher gemäß unseren Teilnahmebedingungen leider vorzeitig beenden müssen. Über die hohe Zahl an Vorbestellungen haben wir uns sehr gefreut. Daher haben wir uns dazu entschlossen, jenen Kunden, die keine MDR-100 ABN Kopfhörer mehr bekommen konnten, über das Ende der Aktion hinaus als Alternative den Kopfhörer MDR-ZX770 BNB zuzuschicken."

Sony reagiert – Unternehmen will Vorbesteller mit weiterer Zugabe entschädigen

Die Kritik an Sonys vorgehen im Rahmen der Vorbesteller-Aktion zum Xperia XZ Premium zeigt Wirkung: Der Hersteller hat mittlerweile einen Blog-Eintrag veröffentlicht und sich für die Loyalität seiner Kunden bedankt. Man habe nicht "in diesem Maße mit Registrierungszahlen" gerechnet, sich jedoch dafür entschieden, der "hohen Nachfrage dennoch gerecht zu werden und dazu entschlossen, ab dem 24.06.2017 eine zweite Aktion mit dem Sony MDR-ZX770 BNB Kopfhörer zu eröffnen."

Sony Xperia XZ Premium Vorbesteller Aktion
Bildquelle: Sony

Kunden, die anstatt eines versprochenen teuren Modells die günstige Alternative erhalten haben, können sich ab sofort und bis einschließlich 15. September 2017 per E-Mail (sony-vorbestellung@mmw.ag) bei Sony melden. Nach erfolgreicher Prüfung der Daten bekommen Vorbesteller dann die Ersatz-Kopfhörer Sony MDR-ZX770 BNB zusammen mit einem Sony MHC-V11 One Box Soundsystem zugesandt. Die Soundanlage kostet aktuell um die 225 Euro und kommt mit Bluetooth, FM-Radio, zwei Mikrofon-Anschlüssen und einer DJ-App.

Die Rechtslage zur Vorbestell-Aktion von Sony

Sicht Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke: Kopfhörer kein Vertragsbestandteil

Die Sony-Vorbesteller-Aktion rührt Fans zu gemeinschaftlichen Aktionen und mobilisiert so manche Nutzer. Doch wie sieht die Rechtslage rund um die Kopfhörer-Bundles aus? Können Nutzer die angebotenen Kopfhörer verlangen und auf eine Auslieferung der "richtigen" Kopfhörer bestehen? Und: Was können betroffene Kunden im einzelnen unternehmen? Diese Fragen beantwortet Rechtsanwalt Christian Solmecke, Partner der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke der Redaktion von inside-handy.de.

Christian Solmecke
Bildquelle: Christian Solmecke

Die für Verbraucher schlechte Nachricht vorneweg: Einen Anspruch auf die teureren Kopfhörer haben Kunden in der Regel nicht. Das liegt laut Solmecke daran, dass in der Werbung und in den Teilnahmebedingungen zur Aktion, von einer Zugabe die Rede war. "Die Kopfhörer wurden nur als Zugabe versprochen - solange der Vorrat reicht. Damit sind die Kopfhörer nicht Vertragsbestandteil geworden", so Solmecke. Anders ausgedrückt bedeutet das, "dass die Käufer keinen Anspruch auf die Lieferung haben und bei einer anderen Lieferung keine Mängelrechte wie Nacherfüllung" besitzen. Damit schließe sich auch ein Rücktritt vom Kaufvertrag, ein Schadensersatz und eine Minderung aus, führte Solmecke gegenüber inside-handy.de weiter aus.

Einziger Hoffnungsschimmer: Diese für die Kunden wohl recht unbefriedigende Situation könnte sich ändern, wenn herauskommen sollte, dass Sony bewusst zu wenige der versprochenen Kopfhörer MDR-100ABN in petto hatte und dies zudem "bewusst verschleiert hat, um die Käufer zur Bestellung zu bewegen", so Solmecke. "Dann könnten die Käufer gegebenenfalls ihren Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Sie müssten dann das Handy und die günstigeren Kopfhörer zurücksenden und bekämen ihr Geld zurück." Die Indizien sprächen jedoch nicht dafür und so war Sony wohl dazu berechtigt, die Aktion vorzeitig zu beenden. Deshalb der Tipp Solmeckes: "Der Imageschaden von Sony ist schon recht groß. Daher können Kunden trotzdem auf die teuren Kopfhörer bestehen, wenn diese wieder vorrätig sind, und auf die Kulanz der Firma hoffen."

Sicht Verbraucherzentrale Bayern: Sony hätte ausreichende Menge vorrätig halten müssen

Eine andere Meinung vertritt die Verbraucherzentrale Bayern. Wie sie in einer Begründung, die der Redaktion von insdie-handy.de vorliegt, schreiben, hätten Kunden "Anspruch auf den ursprünglich angebotenen Kopfhörer". Die übersandten Ersatz-Geräte würden den geschlossenen Vertrag nicht erfüllen. "Sony kann sich auch nicht auf die Teilnahmebedingung berufen", so die Verbraucherzentrale.

Als Begründung gibt der Verein an, dass die versprochenen Kopfhörer einerseits Teil des geschlossenen Vertrages sind und die Allgemeine Geschäftsbedingung (AGB) andererseits zu viele Lücken aufweist. So sei es vor allem wichtig, dass viele Vorbesteller noch unter den alten AGBs, in denen das teurere Kopfhörer-Modell versprochen wurde, bestellt haben. Zudem sei es zu erwarten, dass Sony eine ausreichende Menge an Geräten vorrätig haben müsste. "Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine sehr kurzfristige Werbeaktion handelt."

Weiter heißt es von der Verbraucherzentrale Bayern: "Nach unserer Ansicht ist diese Ersatzlieferung nicht zumutbar. Kunden erhielten nicht nur ein anderes Modell als das vereinbarte Gerät. Der Wert des Ersatzes liegt zudem erheblich unter dem ursprünglich Versprochenen." Man empfehle deshalb, die Alternativlieferung schriftlich zu beanstanden. Dies soll am Besten in schriftlicher Form geschehen.

Zwei Meinungen, eine Empfehlung: Kunden sollten sich bei Sony melden

Wie so oft in juristischen Fragen gibt es auch zur Vorbesteller-Aktion von Sony mehrere Standpunkte. Eine Seite argumentiert dabei etwas mehr im Sinne des Unternehmens und die andere im Sinne der Kunden. Dennoch: Obwohl Christian Solmecke, Partner der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke, und die Verbraucherzentrale Bayern unterschiedliche Ansichten haben, empfehlen beide den Kontakt zu Sony zu suchen. Ein Schreiben an das Unternehmen sollten betroffene Vorbesteller auf jeden Fall aufsetzen.

Nutzer organisieren sich gegen Sony

Während viele Nutzer Kritik an dem Vorgehen von Sony üben, haben sich einige Nutzer nun zusammengeschlossen und eine Übersichtstabelle zur Vorbesteller-Aktion angelegt. In dem Google-Doc-Dokument können Teilnehmer und Käufer eines Sony Xperia XZ Premium ihrer Daten eintragen. Neben dem Registrierungsdatum beim Dienstleister Marken Mehrwert und der finalen Prüfung, kann auch die Vorgangsnummer sowie die gewählte Zugabe, die Versandbestätigung und die schlussendlich erhaltene Zugabe angegeben werden.

Laut der in der Tabelle vorhandenen Auswertung könnten mehr als 30.000 Registrierungen zur Vorbesteller-Aktion bei Sony eingegangen sein. Diese Zahl ist jedoch nicht bestätigt und mit Vorsicht zu genießen. Viele Nutzer beschwerten sich derweil, dass die Auswahl der Vorbesteller, die einen versprochenen Kopfhörer erhalten haben, zufällig und nicht chronologisch vonstattengegangen sein muss. Die Tabelle könnte unter anderem darüber Aufschluss geben.

Das ist passiert: Sony verspricht Bluetooth-Kopfhörer als Gratis-Zugabe

Das auf dem Mobile World Congress vorgestellte neue Sony-Flaggschiff Xperia XZ Premium erschien im Juni diesen Jahres im Handel. Der Smartphone-Hersteller hatte vorab ein Angebot veröffentlicht: Wer das hochpreisige Handy - Sony hat einen Preis in Höhe von 749 Euro für das Spitzenmodell angesetzt - zwischen dem 5. und 31. Mai vorbestellte, erhält ein Paar Sony-Kopfhörer kostenlos dazu. Die h.ear on Wireless-Kopfhörer sind mit einer digitalen Geräuschminimierung ausgestattet und kosten normalerweise 299 Euro (UVP). Im Fachhandel sind die Kopfhörer im Optimalfall aber auch schon für 222 Euro zu haben. Interessierte Kunden konnten sich auf der Sony-Website registrieren und das Smartphone unverbindlich vorbestellen. Sobald dann der Kauf bestätigt wurde, sollten die Kopfhörer an den Käufer verschickt werden.

Sony Xperia XZ Premium: Pressebilder

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    Pressebilder des auf dem MWC 2017 vorgestellten neuen Flaggschiffs von Sony - das Xperia XZ Premium
    Bildquelle: Sony
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    Pressebilder des auf dem MWC 2017 vorgestellten neuen Flaggschiffs von Sony - das Xperia XZ Premium
    Bildquelle: Sony

Das Xperia XZ Premium unterscheidet sich zum Standardmodell Xperia XZ durch einen größeren Bildschirm, eine mehr als doppelt so hohe Pixeldichte und den neuesten Snapdragon-Prozessor. Das Gerät wird mit 64 GB Speicher und 4 GB RAM ausgestattet sein und auch dem Untertauchen ins Wasser standhalten. Ebenfalls wurde die Akku-Kapazität gegenüber dem Vorgänger nach Angaben des Herstellers deutlich verbessert. Im Test des Sony Xperia XZ Premium zeigte sich jedoch: Auch dieses Handy hat mit Blick auf den Akku noch reichlich Luft nach oben. Er hat eher Mittelklasse-Niveau.

Das Xperia XZ im Test ›


Quellen: Sony, Manuel Glaser, Christian Solmecke | Bildquelle kleines Bild: Sony | Autor: Redaktion inside-handy.de
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Themen dieser News: Sony, Gadgets, Mobilfunk-News, Oberklasse-Smartphones, Schnäppchen, Smartphones, Zubehör

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