Flüge in die USA und GroßbritannienNach Gesprächen: Erst einmal kein Laptop-Verbot für Flüge aus Europa

vom 18.05.2017, 13:15
Flughafen Berlin Tegel Tower
Bildquelle: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH 

Wer mit dem Flugzeug in die USA reist, muss immer häufiger mit strengen Regeln schon vor der eigentlichen Einreise rechnen. Nachdem auf vielen Flügen auch Elektrogeräte im Handgepäck verboten wurden, die größer sind als ein handelsübliches Smartphone, ist ein komplettes Verbot von Laptops auf Transatlantik-Flügeln aus Europa erst einmal abgewendet.

Wer auf einer Reise in die USA in einem Flugzeug sitzt, wird es sicherlich per Bord-Ansage schon einmal mitbekommen haben: Das Stehen in Gruppen vor den Bord-Toiletten ist seit einigen Monaten verboten. Seit Ende März dürfen auf zahlreichen Flügen auch Elektronikartikel, die größer als ein handelsübliches Smartphone sind, nicht mehr im Handgepäck mitgeführt werden. Das gilt auch für Flüge nach Großbritannien.

Während es auf einigen Transatlantikflügen aus arabischen Ländern schon ein Laptop-Verbot gibt, bleibt europäischen Fluggästen dieses Schicksal erst einmal erspart. Nach einem Treffen von europäischen und amerikanischen Vertretern zum Thema Flugsicherheit wurde bekannt, dass die USA von einem Verbot absehen. Dennoch ist die Option nicht vom Tisch, wie es heißt. Nächte Woche gibt es ein weiteres Treffen, bei dem über gemeinsame Ideen zum Schutz der Fluggäste beraten werden soll.

Sollte das Verbot dennoch kommen, wären mehrere tausend Flüge pro Woche aus Europa betroffen. Ob das Verbot für alle europäischen Flughäfen gilt oder ob nur ausgewählte Airports auf die Elektronikgeräte verzichten müssen, ist bisher nicht bekannt.

Laptop-Verbot auf Amerika-Flügen: Turkish Airlines setzt auf das Emirates-Modell

Zunächst waren vor allem Flüge aus dem Nahen Osten wie zum Beispiel aus Saudi Arabien, aus Nordafrika und aus Marokko betroffen. US-Behörden hatten einige Fluggesellschaften aufgefordert, ihren Passagieren zu untersagen, Laptops oder Tablets als Handgepäck mitzuführen. Großbritannien zog kurze Zeit später nach. Nun schwappt die Welle über die Türkei wohl auch nach Europa. Die teilstaatliche Airline Turkish Airlines hat in einer Pressemitteilung verklausuliert bekanntgegeben, dass das Prozedere nun auch bei ihnen gilt.

Passagiere der Business-Class können bei Aufgabe ihres Laptops im Gepäck ein Ersatzgerät der Fluggesellschaft anfordern, um damit ihren etwaigen geschäftlichen Pflichten oder Bedürfnissen nachzukommen. Die Geräte sollen mit entsprechend hohen Sicherheitsfunktionen ausgestattet sein und sämtliche Daten beim Abschalten löschen. Zudem können die Geräte umgeklappt auch als Tablet genutzt werden, so wie zum Beispiel Lenovo es bei den Notebooks der Yoga-Serie anbietet. Von einem generellen Verbot ist in der Mitteilung von Turkish Airlines nicht die Rede, den neuesten Erkenntnissen zufolge, wonach das Laptop-Verbot auch in Europa eingeführt wird (siehe unten), hat die Airline den Behörden hier allerdings nur etwas vorweggenommen. Das Laptop-Angebot der türkischen Fluggesellschaft gilt nämlich noch nicht ab dem heutigen Tage, sondern erst ab dem kommenden Wochenende (12. Mai).

Surface-Books bei Emirates

Die als weiteren Service verkaufte Sicherheitsbestimmung hat sich Turkish Airlines offenbar vom arabischen konkurrenten Emirates abgeschaut. Die Airline hatte auf die anfängliche Verärgerung reagiert und teilt Premium-Fluggästen seitdem Surface-Notebooks aus. Auch entsprechende Speichersticks zum Datentransfer vom eigenen auf den Airline-Laptop sind Bestandteil des Angebots.

Wer kein Premium-Ticket besitzt muss auf Flügen mit Emirates immer noch das Gerät abgeben. Die Elektrogeräte werden eingesammelt und im Frachtraum der Maschinen verstaut. Auch die Fluggesellschaft Qatar Airways teilt mittlerweile eigene Laptops an seine Fluggäste aus. Derzeit sind zehn Flughäfen in Afrika und dem Nahen Osten vom Elektrogeräte-Verbot der USA betroffen.

Bericht: Auch Europa-Flüge in die USA sollen bald dem Laptop-Verbot unterliegen

Bei Einführung des Laptop-Verbots im März waren vor allen Dingen USA-Flüge aus arabischen Länden betroffen. Nun soll das Verbot bald auch auf Flügen aus europäischen Ländern gelten. Das geht zuminest aus einer interenen Mail des Chefs des europäischen Flughafenverbandes ACI Europe hervor, aus dem die Wirtschaftswoche zitiert. Womöglich schon am Wochenende oder kommende Woche (KW 19) soll demnach eine Ankündigung seitens der Europäischen Kommission erfolgen. Behörden und Fluglinien wollten den Bericht bislang weder bestätigen noch dementieren. Eine nicht näher benannte Airline soll dem drohenden Verbot, das nach Ankündigung binnen drei Tagen in Kraft treten würde, dem Vernehmen nach "überascht, aber nicht unvorbereitet" entgegen sehen.

Insbesondere am größten europäischen Flughafen, London Heathrow (LHR), soll das Verbot offensiv angegangen werden. Hier wurden bereits zusätzliche gezielte Kontrollen angekündigt, dazu gibt man sich dort nimmermüde zu empfehlen, Laptops doch im aufgegebenen Gepäck zu verstauen.

Notebooks und Tablets aus Angst vor Terroristen verboten

Als Hintergrund des Verbots Ende März wurde die Bedrohung durch potenzielle Terroristen genannt. Etwas skurril: Passagiere sollen die Möglichkeit haben, die großen Elektronikartikel als klassisches Fluggepäck für den Transport im nicht zugänglichen Flugzeugbauch aufzugeben. Dass genau davon die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) mit Blick auf die Feuergefahr bei leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus abrät, scheint die USA und Großbritannien nicht zu interessieren.

Und noch eine ganz andere Frage müssen sich die USA und Großbritannien stellen (lassen): Was passiert mit Menschen, die einfach irgendwo auf der Welt in einem nicht von dem Bann betroffenen Land einen Zwischenstopp einlegen, um anschließend mit ein paar Tagen Verzug von dort in die Vereinigten Staaten oder nach England einzureisen? Eines ist klar: Die neuen Verfahren sorgen für viel Ärger bei betroffenen Passagieren, die Sicherheit erhöhen sie aber kaum.

Für USA-Flüge gelten die neuen Regelungen bei einem Start auf einem der folgenden Flughäfen:

  • Amman, Jordanien
  • Kairo, Ägypten
  • Istanbul, Türkei
  • Jeddah, Saudi Arabien
  • Riad, Saudi Arabien
  • Kuwait City, Kuwait
  • Casablanca, Marokko
  • Doha, Katar
  • Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
  • Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate

Bei Flügen nach Großbritannien gelten die strengeren Regeln nach Angaben der BBC für Direktverbindungen aus den folgenden Ländern:

  • Ägypten
  • Jordanien
  • Libanon
  • Saudi Arabien
  • Tunesien
  • Türkei
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Quellen: Department of Homeland Security, Turkish Airlines, Wirtschaftswoche | Bildquelle kleines Bild: Turkish Airlines | Autor: Redaktion inside-handy.de
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