Update Intensivere Scans und Einsatz von Sprengstoff-SpürhundenStrengere Regeln statt Laptop-Verbot auf USA-Flügen

vom 29.06.2017, 07:30
Flughafen Berlin Tegel Tower
Bildquelle: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH 

Das Verbot von Laptops und Tablet PCs an Bord von Flugzeugen, die von Europa aus in die USA fliegen, ist vorerst vom Tisch. Allerdings nicht grundsätzlich. Die Fluggesellschaften, die Flüge über den Atlantik anbieten, müssen vielmehr strenge Sicherheitsvorschriften einhalten. Das geht aus einer Mitteilung des US-Ministeriums für Heimatschutz (DHS) hervor, die am Mittwoch in Washington vorgelegt wurde.

Wochenlang wurde zuletzt hinter verschlossenen Türen darüber diskutiert, ob auch in Zukunft die Nutzung von Computern an Bord von Flugzeugen erlaubt ist, die von europäischen Flughäfen aus in die USA unterwegs sind. Nun wird klar: Ein Verbot wie es auf zahlreichen Flügen gilt, die im Mittleren Osten und in Nordafrika starten, kommt für europäische Passagiere erst einmal nicht. Laut Mitteilung sagte Heimatschutzminister John F. Kelly: "Ich gehe davon aus, dass die Fluggesellschaften mit uns kooperieren werden, damit die Sicherheit der Maschinen, der Besatzung und der Passagiere gewahrt bleibt."

Von den Flughäfen und Fluggesellschaften erwartet Kelly, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen vor den Flügen erhöhen. Nicht nur der Scan von elektronischen Geräten, die größer sind als Smartphones, soll verbessert werden, sondern auch die Personenkontrolle selbst. Auch den häufigeren Einsatz von speziell geschulten Sprengstoff-Spürhunden schlägt Kelly vor. Obwohl wenn man beim DHS aus Sicherheitsgründen nicht ins Detail gehen möchte, welche Maßnahmen konkret ergriffen werden sollen, könnten die neuen Regeln dafür sorgen, dass künftig bei der Abfertigung von Flügen in die USA mehr Zeit eingeplant werden muss.

Die USA setzen in erster Linie deswegen auf mehr Sicherheit auf Flügen in die USA, weil davon ausgegangen werden muss, dass Terroristen inzwischen in der Lage sind, Sprengsätze geschickt getarnt in Laptops und anderen elektronischen Geräten zu verstecken. Als besonders heikel erweist sich vor allem die Tatsache, dass Batterien nur schwer von Sprengstoffvorrichtungen unterschieden werden können. Laut Medienberichten sei es bereits gelungen, eine Sprengladung in einem funktionstüchtigen Tablet PC an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln.

Kelly sagte am Mittwoch wörtlich: "Terroristen wollen Flugzeuge vom Himmel holen, um Angst zu schüren, unsere Volkswirtschaften zu zerstören und unsere Lebensweise zu untergraben. Und das funktioniert – weshalb sie immer noch die Luftfahrt als Kronjuwel ihrer Ziele sehen." Man werde die Angriffe auf Flughäfen und Flugzeuge aber nicht tatenlos akzeptieren. Die US-Regierung konzentriere sich laut eigener Aussage darauf, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, Terroristen abzuschrecken und sie in ihren Plänen zu stören.

Laptop-Verbot auf Amerika-Flügen: Turkish Airlines setzt auf das Emirates-Modell

US-Behörden hatten einige Fluggesellschaften schon vor einigen Wochen aufgefordert, ihren Passagieren zu untersagen, Laptops oder Tablets als Handgepäck mitzuführen. Großbritannien zog kurze Zeit später nach. Zuletzt hatte die teilstaatliche Airline Turkish Airlines in einer Pressemitteilung verklausuliert bekanntgegeben, dass das Prozedere nun auch bei ihnen gelte.

Passagiere der Business-Class können bei Aufgabe ihres Laptops im Gepäck ein Ersatzgerät der Fluggesellschaft anfordern, um damit ihren etwaigen geschäftlichen Pflichten oder Bedürfnissen nachzukommen. Die Geräte sollen mit entsprechend hohen Sicherheitsfunktionen ausgestattet sein und sämtliche Daten beim Abschalten löschen. Zudem können die Geräte umgeklappt auch als Tablet genutzt werden, so wie zum Beispiel Lenovo es bei den Notebooks der Yoga-Serie anbietet. Von einem generellen Verbot ist in der Mitteilung von Turkish Airlines nicht die Rede, den neuesten Erkenntnissen zufolge, wonach das Laptop-Verbot auch in Europa eingeführt wird (siehe unten), hat die Airline den Behörden hier allerdings nur etwas vorweggenommen.

Surface-Books bei Emirates

Die als weiteren Service verkaufte Sicherheitsbestimmung hat sich Turkish Airlines offenbar vom arabischen Konkurrenten Emirates abgeschaut. Die Airline hatte auf die anfängliche Verärgerung reagiert und teilt Premium-Fluggästen seitdem Surface-Notebooks aus. Auch entsprechende Speichersticks zum Datentransfer vom eigenen auf den Airline-Laptop sind Bestandteil des Angebots.

Wer kein Premium-Ticket besitzt muss auf Flügen mit Emirates immer noch das Gerät abgeben. Die Elektrogeräte werden eingesammelt und im Frachtraum der Maschinen verstaut. Auch die Fluggesellschaft Qatar Airways teilt mittlerweile eigene Laptops an seine Fluggäste aus. Derzeit sind zehn Flughäfen in Afrika und dem Nahen Osten vom Elektrogeräte-Verbot der USA betroffen.

Notebooks und Tablets aus Angst vor Terroristen verboten

Als Hintergrund des Verbots Ende März wurde die Bedrohung durch potenzielle Terroristen genannt. Etwas skurril: Passagiere sollen die Möglichkeit haben, die großen Elektronikartikel als klassisches Fluggepäck für den Transport im nicht zugänglichen Flugzeugbauch aufzugeben. Dass genau davon die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) mit Blick auf die Feuergefahr bei leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus abrät, scheint die USA und Großbritannien nicht zu interessieren.

Und noch eine ganz andere Frage müssen sich die USA und Großbritannien stellen (lassen): Was passiert mit Menschen, die einfach irgendwo auf der Welt in einem nicht von dem Bann betroffenen Land einen Zwischenstopp einlegen, um anschließend mit ein paar Tagen Verzug von dort in die Vereinigten Staaten oder nach England einzureisen? Eines ist klar: Die neuen Verfahren sorgen für viel Ärger bei betroffenen Passagieren, die Sicherheit erhöhen sie aber kaum.

Für USA-Flüge gelten die neuen Regelungen bei einem Start auf einem der folgenden Flughäfen:

  • Amman, Jordanien
  • Kairo, Ägypten
  • Istanbul, Türkei
  • Jeddah, Saudi Arabien
  • Riad, Saudi Arabien
  • Kuwait City, Kuwait
  • Casablanca, Marokko
  • Doha, Katar
  • Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
  • Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate

Bei Flügen nach Großbritannien gelten die strengeren Regeln nach Angaben der BBC für Direktverbindungen aus den folgenden Ländern:

  • Ägypten
  • Jordanien
  • Libanon
  • Saudi Arabien
  • Tunesien
  • Türkei
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Quellen: Department of Homeland Security, Turkish Airlines | Bildquelle kleines Bild: Turkish Airlines | Autor: Redaktion inside-handy.de
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