Update Ärger wegen Preisanpassungen WinSIM muss klein beigeben: Gericht untersagt Preiserhöhung - und das ist der Grund

vom 17.03.2017, 21:22
Mann der gerade telefoniert (Symbolbild)
Bildquelle: Pixabay

Der Mobilfunkanbieter aus der Drillisch-Gruppe, winSIM, erhöhte im März dieses Jahres bei einigen Bestandskunden-Verträgen die Preise. In einem Forum machten Kunden des Anbieters ihrem Ärger darüber Luft. Vor Kurzem reagierte winSIM und ruderte bei seiner Preispolitik zurück. Nun wurde bekannt, warum das Anbieter es machen musste.

Die Preiserhöhung des Mobilfunkanbieters Drillisch für seinen winSIM-Tarife über das Kundenportal ist hinfällig. Zu diesem Urteil gelangte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt a.M. (Az.: 6 U 110/17). Geklagt hatte die Verbraucherzentrale NRW. Dem Oberlandesgericht war aber nicht die Preiserhöhung per se ein Dorn im Auge. Es ging vielmehr darum, wie winSIM die unangenehme Nachricht an seine Kunden kommunizierte. Denn die bekamen lediglich eine Nachricht in die "Servicewelt" eingestellt. Im Service-Portal des Anbieters können winSIM-Kunden ihre Verträge verwalten und etwa das verbrauchte Datenvolumen einsehen. Per E-Mail und SMS erhielten winSIM-Kunden obendrein nur eine Mitteilung, dass "aktuelle" oder "neue Informationen" zu ihrem Tarif in der Servicewelt bereitstünden. Das war der Verbraucherzentrale aber eindeutig zu wenig. Schließlich hätten wegen dieses Vorgehens viele Kunden gar nicht mitbekommen, dass winSIM den Preis für ihren Tarif angezogen hat. Es folgte eine Abmahnung seiten der Verbraucherschützer an Drillisch.

Das OLG Frankfurt gab der Verbraucherzentrale NRW nun Recht. Die Richter untersagten Drillisch per einstweiliger Verfügung, sich auf diese Preiserhöhung zu berufen. Die Begründung: In den AGB behält sich Drillisch zwar vor, die Preise zu erhöhen und dies dem Kunden "in Textform" mitzuteilen. Eine wirksame Mitteilung liege allerdings nur vor, so das Gericht, wenn der Anbieter sicherstellt, dass die Nachricht den Kunden zwingend erreicht und die Preiserhöhung klar erkennbar ist. Und dazu reiche eine einfache Nachricht in der "Servicewelt" nicht aus. Denn der Anbieter könne nicht davon ausgehen, dass Kunden regelmäßig dieses Kundenportal aufrufen und auf neue Nachrichten überprüfen. Auch die zusätzliche E-Mail beziehungsweise SMS sei nicht ausreichend gewesen. Mit Bezeichnungen wie "aktuelle" oder "neue Informationen" könne aus Kundensicht ebenso gut Werbung gemeint sein.

Die Verbraucherzentrale rät winSIM-Kunden, ihre Rechnungen genau zu prüfen. Einer Erhöhung sollte umgehend widersprochen werden. Zudem soll Drillisch jeden zu viel bezahlten Euro zurückerstatten.

Das ist im März passiert

Im März tauchte im Schnäppchen-Forum MyDealz die Nachricht auf, dass winSIM die Preise für Bestandskunden zum 1. Mai 2017 anheben wird. Im beschriebenen Fall betrug die Preisanpassung ab Mai 2 Euro pro Monat, konnte aber auch geringer ausfallen. Kunden echauffierten sich über mangelnde Transparenz und darüber, dass die Erhöhung im Einzelfall auch 50 Prozent beträgt.

Drillisch nennt die Anpassung notwendig und verweist darauf, dass andere Anbieter diesen Schritt bereits vorher gegangen seien. Davor stellt der Anbieter, dass dafür ab Mitte Juni die Roaming-Gebühren innerhalb der EU wegfallen würden. Hier ist der Hintergrund allerdings, dass diese Gebühren per Gesetz wegfallen und dies keineswegs eine Serviceleistung des Anbieters ist.

In der im Forum abgetippten Mitteilung gewährt die Drillisch-Marke dem Kunden auch eine Frist bis zum 30. April, während der der Kunde im Kundenbereich Widerspruch einlegen kann. Betroffen waren sowohl Kunden mit Laufzeittarifen als auch jene, die einen Vertrag mit monatlicher Laufzeit abgeschlossen haben. 

Das sagte der Anbieter zu den winSIM-Preisanpassungen

Auf Nachfrage von inside-handy.de hat die winSIM-Mutter Drillisch Online AG Stellung zu dem Sachverhalt bezogen. Dabei wurden die Mitteilungen, die an zahlreiche Kunden der Marke versandt wurden, bestätigt. Grundlegend dafür wurden generell steigende Preise sowie für den Konzern gestiegene Kosten in den Bereichen Energie und Personalschulung angeführt.

Betont wurde, dass auch mit Inkrafttreten der neuen Preisregelung kein Bestandskunde mehr bezahlen müsse als ein Neukunde. Ein Drillisch-Sprecher erklärte gegenüber inside-handy.de aber auch: Kunden, die von Ihrem Recht Gebrauch machen, Widerspruch gegen die Preiserhöhung einzulegen, zahlen zwar zunächst den alten Preis weiter, müssen aber auch damit rechnen, im Rahmen der in den AGB festgelegten Fristen seitens Drillisch eine Kündigung zu erhalten.

Kosten, Datenrate, Anbieter: Allnet-Tarife im Vergleich ›


Bildquelle kleines Bild: Pixabay | Autor: Blasius Kawalkowski
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Themen dieser News: Mobilfunk-News, Drillisch, Mobilfunktarife, O2 / Base (Telefónica), Unternehmen und Märkte

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