Netze von E-Plus und O2 vor finalem Zusammenschluss

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Markus Haas neuer Chef von Telefónica Deutschland
Bildquelle: Telefónica Deutschland
Nach der Fusion ist vor der Transformation: Dieses Motto gilt für Telefónica Deutschland nicht erst seit gestern. Seit der Übernahme der E-Plus Gruppe werden die beiden Mobilfunknetze von O2 und E-Plus Schritt für Schritt zusammengelegt und überflüssige Mobilfunk-Basisstationen abgebaut. Am Rande des Mobile World Congress (MWC) nutzte der neue Konzern-Chef Markus Haas die Gelegenheit, über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren.

„Dieses Unternehmen jetzt zu führen macht mir eine Menge Freude und eines kann ich verraten: Wir haben noch viel vor“, wusste der 45-Jährige zu berichten, der vor 18 Jahren nach eigenen Angaben als etwa dreihundertster Mitarbeiter zu Telefónica stieß. Damals firmierte das Unternehmen noch unter dem Namen Viag Interkom. Es ist also nicht übertrieben, wenn man Haas ein Mobilfunk-Urgestein nennt, das schon so einige Übernahmen der zahlreichen (ehemaligen) Telefónica-Marken mitgemacht hat: 2001 wurde Viag Interkom etwa von BT übernommen und die Marke O2 etabliert, seit 2006 ist die spanische Telefónica wiederum Muttergesellschaft von O2. Und auch die Integration des Stadtnetzbetreibers HanseNet mit seiner DSL-Marke Alilce hat Haas mitgemacht. Die laufende Transformation der Netze von E-Plus und O2 begleitete er als rechte Hand seines inzwischen zu Eurowings gewechselten Vorgängers Thorsten Dirks.

Telefónica baut Antennen ab

Und diese Transformation läuft auf vollen Touren. „Wir gegen in die finale Phase: Aus 40.000 Mobilfunk-Antennen werden 26.000, dieser Prozess wird in den nächsten Monaten abgeschlossen“, sagte Haas am Dienstag und ergänzte: „Dieses Jahr muss und wird für uns der Durchbruch kommen. Und ich wiederhole gerne, was ich schon zuletzt in einem Interview gesagt habe: Das Schönste liegt noch vor uns.“

Denn auch wenn das Smartphone für die meisten Deutschen inzwischen zu einem Alltagsbegleiter geworden sei, entspreche die Nutzung des mobilen Internet noch längst nicht dem, was man erreichen könne. „Bei der mobilen Datennutzung rangiert Deutschland europaweit im unteren Drittel“, so Haas. Es sei aber schon zu erkennen, dass Nutzer „zunehmend entspannter“ mit ihrem Datenvolumen umgehen. Dabei helfe auch der neue Tarif O2 Free, bei dem nach Verbrauch des Highspeed-Datenvolumens die Surfgeschwindigkeit nicht auf Schneckentempo über GPRS gedrosselt wird, sondern im UMTS-Netz mit bis zu 1 Mbit/s weitergesurft werden kann. „O2 Free hilft, Hemmschwellen abzubauen“, ist Haas überzeugt.

Mobiles Internet in Deutschland vergleichsweise teuer

Die Ursache, warum Deutschland bei der mobilen Datennutzung so stark hinter anderen europäischen Ländern hinterherhinkt, beleuchtete Haas unterdessen nicht. Unabhängig davon, dass teure Mobilfunk-Frequenzen refinanziert werden müssen und neben höheren Löhnen auch die Energiepreise zum Beispiel für den Betrieb der Mobilfunk-Basisstationen sicherlich über dem Niveau anderer EU-Länder liegen, ist das mobile Internet in Deutschland nach wie vor vergleichsweise teuer.

Laut Digital Fuel Monitor von Ende 2016 bekommen deutsche Nutzer für knapp 27 Euro im Schnitt maximal 6 GB Highspeed-Datenvolumen. In Finnland, Dänemark oder Irland steht hingegen für maximal 30 Euro unbegrenztes mobiles Datenvolumen zur Verfügung. Und auch Estland (60 GB für 30 Euro), Frankreich (50 GB für 20 Euro) oder Großbritannien (30 GB für 30 Euro) sind Deutschland um einiges voraus. Nur in Rumänien und auf Zypern gibt’s in Sachen mobiler Datennutzung noch weniger Datenvolumen für’s Geld als in Deutschland.

Mehr Zusatzdienste für Sky-Tarife

Wohl auch deswegen ist der neue Telefónica-Chef überzeugt, dass auf dem deutschen Mobilfunkmarkt noch viel bewegt werden kann. „Wir haben in Deutschland sicher viel Wettbewerb und schimpfen oft über verschiedene Dinge. Aber wir haben mit dem Smartphone auch ein Produkt, mit dem wir für die Zukunft bestens aufgestellt wird.“ Das lässt hoffen, dass Telefónica noch die eine oder andere Tarif-Offensive in Angriff nehmen wird. Als sicher gilt, dass das Angebot an Zusatzdiensten ausgebaut wird. Neben jenem Angebot, das Sky Ticket mit dem Tarif O2 Free kombiniert, sind ähnliche Zusatzangebote zum Beispiel auch für Gaming- oder Musik-Dienste denkbar. „Als Marktführer können wir hier gute Angebote zu fairen Preisen entwickeln“, ist der Telefónica-Chef überzeugt.

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