Telekom ist bereit für 5G doch der Aufbau wird sehr teuer

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Telekom-Chef Tim Höttges auf dem MWC 2017 in Barcelona.
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke
Die Deutsche Telekom hat den Mobile World Congress in Barcelona genutzt, um den Weg für den nächsten Mobilfunkstandard zu ebnen. Mehr und mehr wird bei dem Bonner Telekommunikationskonzern der Fokus in Zukunft auf 5G-Technologien gelegt, die den aktuellen LTE-Standard nach und nach ablösen sollen. Konzern-Chef Tim Höttges machte in diesem Zusammenhang ehrgeizige, vielversprechende und zugleich fordernde Ankündigungen.

Vor allem die Tatsache, dass Europa bei 5G nicht hinter anderen Regionen hinterherhinken wird, macht dem Telekom-Chef Mut. Derzeit sei noch nirgendwo auf der Welt ein 5G-Netz aktiv, man könne den Markt von Beginn an mitgestalten, hinke nicht hinter Asien hinterher, so Höttges. „Wir sind mittendrin statt nur dabei“, sagte er am Montag auf dem Messegelände in Barcelona und fügte gleich mit an. „Es ist unser Ziel, 5G überall dort verfügbar zu machen, wo wird Mobilfunk anbieten.“ Möglicherweise sei das ehrgeizige Vorhaben aber nur mit staatlicher Unterstützung in Form einer Subventionierung realisierbar. Denn in ganz Europa koste der flächendeckende 5G-Ausbau zwischen 300 und 500 Milliarden Euro. „Wir sind bereit für 5G“, so Höttges, „aber wir brauchen für unsere Investitionen auch ein Stück weit Sicherheit.“

Apropos Sicherheit: Als „sicher“ bezeichnete Höttges die Tatsache, dass Deutschland zu den ersten Ländern gehören werde, in denen der Konzern ein 5G-Netz aufbaue. „Das ist unsere Heimat, dort generieren wir 50 Prozent unseres Umsatzes.“ Gleichzeitig richtete er eine deutliche Forderung an die Politik – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa: Um 5G massenmarkttauglich zu machen, brauche es Mobilfunk-Spektrum und zwar viel davon.

Telekom-Chef Höttges fordert einheitliches 5G-Spektrum

Noch wichtiger sei aber, dass das neue 5G-Spektrum europaweit auf einheitlichen Frequenzen und zu fairen Konditionen genutzt werden könne. Nach den zuletzt teuren Frequenzauktionen könne es sich kein Telekommunikationsunternehmen leisten, erneut Milliardenbeträge für 5G-Frequenzen zu investieren. Das sei auch vor dem Hintergrund zu beachten, dass 5G nur im Zusammenspiel mit einem ebenfalls kostenintensiven Glasfaser-Ausbau funktioniere. Denn überall dort, wo 5G bereitgestellt werde, müsse es auch leistungsfähige Festnetze geben, um die Daten aus dem Mobilfunknetz weitertransportieren zu können.

Telekom-Managerin Claudia Nemat auf dem MWC 2017 in Barcelona
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke

Befürchtungen, GSM-, UMTS- oder LTE-Netze könnten zeitnah nach der Aktivierung eines 5G-Netzes abgeschaltet werden, erteilte unterdessen Claudia Nemat, Technologie-Chefin der Deutschen Telekom, eine klare Absage. Es sei notwendig, dass alle bisherigen Netz-Standards noch für eine unbestimmte Zeit in einer Koexistenz aktiv bleiben. Gleichwohl gehöre dem neuen Mobilfunkstandard die Zukunft, so Nemat. „5G wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Es wird Dinge möglich machen, die für uns heute unvorstellbar sind.“

5G: Schnelleres Internet mit kurzen Reaktionszeiten

Von 5G-Netzen wird nicht nur erwartet, dass sie deutlich schnellere Verbindungen ermöglichen – die Rede ist von 10 Gbit/s und mehr – sondern auch die Reaktionszeiten auf unter 1 Millisekunde drücken. Das ist insbesondere für die Industrie sehr wichtig, die per Funk völlig neue Möglichkeiten bekommt, Automatismen zu entwickeln. Und auch für Kunden der Deutschen Telekom soll sich ein neues Lebensgefühl ergeben. Sie sollen in Zukunft überhaupt nicht mehr merken, welches Netz sie nutzen. Hybrid-Angebote, die Mobilfunk und Festnetz miteinander kombinieren, sollen ganz offenbar eine noch größere Bedeutung bekommen.

In diesem Jahr schon für den Endkunden erlebbar ist ein Netz für die Welt der Sensoren. Am Montag startete die Telekom in acht Ländern – darunter in Deutschland und Österreich – ein zunächst auf LTE basierendes Narrowband-IoT-Netz. Die in das Netz integrierten Sensoren können zum Beispiel freie Parkplätze in Echtzeit anzeigen oder an Entsorgungsbetriebe die Füllstände von Müllbehältern durchgeben. Zukünftig wird in dieses N-IoT-Funknetz auch 5G-Technik implementiert, um Sensoren über eine Schmalbandverbindung noch effizienter untereinander kommunizieren zu lassen.

„Mit 5G erreichen wir eine neue Stufe der Vernetzung. Neben Milliarden Menschen brauchen künftig mindestens 50 Milliarden Dinge den Zugang zum Netz“, sagte Höttges auf dem MWC. „Viele Bereiche des täglichen Lebens werden ihr maßgeschneidertes Netz bekommen: enorme Bandbreite für die Unterhaltung, superschnelle Reaktionszeiten für Autos oder Roboter und die langlebige Schmalbandverbindung für den Parksensor oder die Straßenlaterne.“

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