Das neue Huawei-Flaggschiff im ersten Hands-On

8 Minuten
Huawei P10 Plus
Bildquelle: Huawei
Der Mobile World Congress in Barcelona ist für viele Hersteller ein willkommener Anlass, um ihre neuen Spitzenmodell für das laufende Jahr zu präsentieren. Auch Huawei gibt sich unter der Sonne Spaniens die Ehre und präsentiert mit dem P10 und P10 Plus seine Elite-Smartphones mit einigen interessanten Details.

Für Huawei waren die Modelle der P9-Familie einer der Erfolgsfaktoren des Jahres 2016, mehr als 10 Millionen Geräte hat der chinesische Hersteller weltweit verkauft. Dass es 2017 eine Fortsetzung geben würde, ist keine Überraschung.

Vorerst gehören zur P10-Familie von Huawei nur zwei Smartphones, das P10 und das P10 Plus. Ein P10 Lite sucht man vergebens, für Sparfüchse hat Huawei das P8 Lite (2017) im Angebot. Sowohl das P10 als auch das P10 Plus zählen bei Huawei wie das besonders große Mate 9 zur Oberklasse – und das soll sich auch bei den technischen Highlights widerspiegeln.

Leica-Linsen an Bord

Einen Schwerpunkt legt Huawei auch bei den 2017er-Flaggschiffen auf die Fotografie, insbesondere für Portraitaufnahmen will man die Kamera gegenüber dem P9 besonders aufgemotzt haben. Auch in diesem Jahr ziert die Smartphones wieder der Schriftzug des deutschen Kameraunternehmens Leica, die Experten aus dem hessischen Wetzlar zeichnen erneut für die Entwicklung der Linsen verantwortlich.

Nach Irritationen beim P9 bemüht sich Huawei bereits jetzt um eine Klarstellung zum Umfang der Partnerschaft mit Leica: Die hohen Stückzahlen, die Huawei für seine Smartphones benötigt, kann Leica in Wetzlar auch für das P10 nicht herstellen. Der Beitrag von Leica beschränke sich daher darauf, die Linsen zu entwerfen und zu beaufsichtigen, dass diese nach den eigenen Vorgaben von einem Dritthersteller in China auf Masse produziert werden.

Huawei P10: Pressebilder

Die Kameras im Detail

Zurück zur Kamera-Technik des P10 und P10 Plus: Beide Modelle kommen mit einer Doppel-Kamera, die 20-Megapixel-Kamera nimmt Details und Kontraste in Schwarz/Weiß auf, die 12-Megapixel-Kamera deckt den RGB-Farbraum ab. Das schwarz-weiße Foto dient als Grundlage für das von beiden Kameras erzeugte Bild, die Farben steuert anschließend die RGB-Kamera bei. Huawei will sich damit am menschlichen Auge orientieren, denn auch dieses gewichtet Details und Kontraste wichtiger als Farben.

Die im P10 verwendete Linse ist eine Leica Summarit mit einer Blende von f/2.2, im P10 Plus ist eine Leica Summilux mit einer f/1.8 Blende verbaut. Den vom P9 bekannten Bokeh-Effekt mit scharfen Objekten im Vordergrund und einem unscharfen Hintergrund will Huawei nochmal besonders verbessert haben. Dieser soll insbesondere mit den kunstvollen Schwarz-Weiß-Bildern schön zur Geltung kommen. Wie beim Mate 9 ist sowohl beim P10 als auch beim P10 Plus ein zweifacher linearer Zoom möglich, der das Potenzial der zwei Linsen ausreizt. Das P10 bekommt wie das P10 Plus einen optischen Bildstabilisator, beim P9 hatte dieser noch gefehlt.

Bei der Kamera-Software konzentriert sich Huawei in diesem Jahr auf Verbesserungen für Portrait-Fotografen. Eine 3D-Gesichtserkennung, eine nachträgliche Ausleuchtung einzelner Gesichtspartien sowie der schon genannte Bokeh-Effekt sollen Personen besser in Szene setzen. Selfie-Fotografen bekommen mehr Optionen geboten, denn die bei Huawei obligatorischen Verschönerungen des Gesichts werden nun auf die Farbe der Haut abgestimmt und somit individueller. Wer will, kann diese selbstverständlich wie bisher ausschalten und das pure Bild wirken lassen. Auch die Selfie-Kameras mit 8 Megapixel wurden von Leica entwickelt. Durch die größere Pixelzahl und eine Blende von f/1.9 sollen zweimal hellere Fotos als beim P9 möglich sein. Das P10 Plus bekommt zusätzlich einen Autofokus für die Frontkamera spendiert.

Umbruch und Kontinuität beim Design

Bei der optischen Gestaltung des P10 ist Huawei eine interessante Mischung aus altbekannten und neuen Elementen gelungen. Das vom P9 bekannte Doppel-Kamerafenster auf der Rückseite ist auch beim P10 eingebaut, an diesem Element lässt sich die P-Serie von Huawei mittlerweile gut erkennen. Auffällig ist auch, dass in dem knapp 7 Millimeter dicken Gehäuse kein Kamerahügel hervorsteht, das Smartphone liegt geschmeidig in der Hand und es stören keine Kanten.

Einen Umbruch wagt Huawei beim Fingerabdrucksensor, dieser wandert von der Rückseite auf die Vorderseite. Huawei bricht damit eine von vielen Kunden geschätzte Konvention und orientiert sich am Mainstream der Branche. Angenehm ist jedoch die technische Lösung, die sich die Entwickler von Huawei ausgedacht haben. Der Sensor liegt unter Glas und muss nicht physisch heruntergedrückt werden. Schmutz und Feuchtigkeit haben somit einen Angriffspunkt weniger. Der Sensor ersetzt außerdem auf Wunsch die Android-Softkeys zum Navigieren durch Menüs, indem er mit unterschiedlichen Wisch-Gesten belegt wird.

Das neue Huawei-Konzept für den Fingerabdruck-Sensor ist insgesamt durchdacht, könnte jedoch treue Fans vor den Kopf stoßen, denn nicht jeder wird sich mit dem Sensor auf der Vorderseite und dem fehlenden Druckpunkt anfreunden können. Traditionalisten müssen in Zukunft auf die Mate-Reihe zurückgreifen, denn diese bietet weiterhin einen Sensor auf der Rückseite.

Beim Display- und Gehäusematerial setzt Huawei auf Gorilla Glas 5 sowie Metal, das mit verschiedenen Farben beschichtet sein wird. Neben Standard-Farbtönen wie Gold, Silber und Schwarz hat Huawei außerdem für Kunden in Europa zwei sehr gefällige andere Farben im Angebot: Ein tiefes Blau, bei dem die Rückseite außerdem mit einem besonderen Finish versehen wurde und somit sehr griffig ist. Außerdem gibt es ein Lindgrün, das einen frischen Eindruck macht und die Farbpalette aufmischt. In der grünen Variante fehlt jedoch das raue Finish des blauen Modells.

Huawei P10 und Watch 2: Bilder der Pressekonferenz

P10 und P10 Plus: Das steckt unter der Haube

Beim Prozessor setzt Huawei auf den hauseigenen Kirin 960 mit acht Kernen und 2,4 Gigahertz, der auch nach 18 Monaten noch pfeilschnell unterwegs sein soll. Huawei gibt dieses Versprechen ab, da Prozessor und Speicher von Apps sehr individuell benutzt werden und das Systeme mit der Zeit durch das Nutzer-Verhalten verschiedene Methoden erlerne, um die Hardware potent zu halten. So werden Apps beispielsweise im Voraus geladen oder Speicher nur teilweise für eine App zur Verfügung gestellt.

Der Akku der beiden Flaggschiff-Smartphones ist, wie mittlerweile fast bei jedem Hersteller üblich, fest verbaut. Um diesen Malus auszugleichen, setzt Huawei auf besonders schnelles Aufladen. In 15 Minuten soll der 3.750 mAh-Akku mit dem Original-Ladegerät und –Ladekabel genug Strom für 15 Stunden durchschnittlichen Betrieb aufgenommen haben. Insgesamt hält der Akku laut Huawei knapp zwei Tage für Normalnutzer und mehr als einen Tag für Intensivnutzer.

Mit an Bord ist beim P10 LTE Cat 12, diese Geschwindigkeit wird in Deutschland jedoch mit den vorhandenen Netzen nicht ausgenutzt und ist somit nur eine theoretische Spitzengeschwindigkeit. Die Smartphones sind nicht IP-zertifiziert, sollen jedoch durch eine spezielle Versiegelung ebenfalls Schutz gegen Feuchtigkeit bieten. Beide Smartphones verfügen über IPS-Displays, USB-C-2.0-Anschlüsse, Android 7.0 und Emotion UI 5.1. NFC, Bluetooth 4.2 und der WLAN-Standard a/c sind mit an Bord. Eine Dual-SIM-Version gibt es, diese wird jedoch in Deutschland nicht auf den Markt kommen.

Huawei P10 Plus: Pressebilder

Unterschiede zwischen P10 und P10 Plus

Das P10 und sein Schwestermodell P10 Plus unterscheiden sich auf den ersten Blick vor allem durch ihre Größe. Das P10 kommt mit einem 5,1 Zoll FullHD-Display, das P10 Plus mit 5,5 Zoll in WQHD-Auflösung. Ein größeres Display geht oft mit einem größeren Akku einher, das P10 Plus verfügt daher über einen Energiespeicher von 3.750 mAh und das P10 über 3.200 mAh. Neben den besser ausgestatten Kameras kann das P10 Plus außerdem mit einem Stereo-Lautsprecher glänzen. Auch bei den Speichervarianten und dem Arbeitsspeicher gibt es Unterschiede: Das P10 kommt mit 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internem Speicher nach Deutschland, das P10 Plus bietet 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Speicherplatz intern. Auf anderen Märkten wird es zusätzliche Varianten mit anderen Speichergrößen zu kaufen geben.

Preis und Verfügbarkeit

Das Huawei P10 wird ab dem 16. März verfügbar sein. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 599 Euro. Das Flaggschiff wird in den Farben Schwarz, Silber, Blau und Gold verfügbar sein. Das Huawei P10 Plus ist ab Anfang April erhältlich. Der Preis für das große Schwestermodell liegt bei 749 Euro. Es wird wie das P10 in Schwarz, Silber und Blau erhältlich sein. Anstatt „Prestige Gold“ kommt „Dazzlling Gold“ zum Einsatz. Zusätzlich erscheint das Smartphone noch in der auffälligen Farbe Grün. Vorbestellbar sind beide Modelle im Paket mit einer Leica-Kamera auf folgender Website. Auch bei den Mobilfunk-Anbietern O2 und Vodafone wird das neue Flaggschiff ab morgen, den 27. Februar, verfügbar sein.

Huawei P10 Plus: Hands-On

Das Datenblatt des Huawei P10

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE NEWS