Media Broadcast verliert das Interesse an UKW

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Fernsehturm Hamburg
Bildquelle: Media Broadcast
Die analogen UKW-Frequenzen, die für den Empfang klassischer Radio-Programme benötigt werden, sollen nicht länger über die von Media Broadcast bereitgestellte Infrastruktur verbreitet werden. Die Freenet-Tochter kündigte am Mittwoch an, nicht über 2018 hinaus die in Eigenregie betreute Technik bereitstellen zu wollen.

Am Mittwoch gab das Unternehmen der freenet Group, das auch für die Verbreitung der DVB-T2-Signale verantwortlich ist, bekannt, „sich auf digitale Wachstumsfelder und Serviceleistungen zu konzentrieren.“ Damit gehe einher, sich bis zum 30. Juni 2018 von den analogen UKW-Antennen und -Sendern zu trennen. Sie werden sowohl von privaten Radiosendern als auch von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten genutzt. Paukenschlag: Verkündet und beschlossen.

In den nächsten Wochen wolle Media Broadcast mit allen Nutzern der UKW-Antennen und -Sender sprechen, um herauszufinden, ob Interesse besteht, diese zu übernehmen. Werde dies von den Nutzern nicht gewünscht, werde Media Broadcast in der zweiten Jahreshälfte 2017 alle UKW-Antennen und -Sender in einer offenen Auktion mit einem Mindeststartpreis anbieten. Nach dem Verfahren nicht mehr benötigte UKW-Antennen und -Sender sollen abgebaut werden. Für Hörer von UKW-Programmen soll sich zunächst einmal nichts ändern. Alle Programme sind wie bisher nutzbar.

Schon in der Vergangenheit sei man von verschiedenen Seiten angesprochen worden, ob man die UKW-Infrastrukturen verkaufen wolle. Deswegen gehe man davon aus, dass genügend Interessenten zur Verfügung stehen. Media-Broadcast-Chef Wolfgang Breuer sagte am Mittwoch laut Mitteilung: „Wir werden auch nach der Trennung von unseren UKW-Infrastrukturen weiter Serviceleistungen im Bereich von Sendertechnik, Antennenwartung und Netzdienstleistungen anbieten. Somit bleiben wir für unsere Kunden auf allen Geschäftsfeldern ein verlässlicher Partner. Bestehende Verträge mit Sendern werden wir natürlich erfüllen.“

Kein Zusammenhang mit Entscheidung der Bundesnetzagentur vom Dienstag

Keinen kausalen Zusammenhang habe diese Entscheidung mit neuen Entgelten, die vor zwei Wochen bei der Bundesnetzagentur für die UKW-Verbreitung angezeigt und vom Regulierer vorerst gestoppt wurden, teilte ein Sprecher von Media Broadcast mit. In den vergangenen Wochen hatte Media Broadcast gegenüber einigen Radioveranstaltern neue Entgelte für die Übertragung von UKW-Rundfunksignalen angekündigt. Das wollten sich die Radiosender jedoch nicht bieten lassen und schalteten die Bundesnetzagentur ein. Die stellte nach ersten Ermittlungen fest, dass „14 der insgesamt 102 verschiedenen Entgelte offenkundig gegen das Verbot eines Preiserhöhungsmissbrauchs zu Lasten der betroffenen Programmveranstalter“ verstoßen, wie es in einer Mitteilung wörtlich heißt. Bei weiteren 40 Entgelten würden die Wettbewerbsmöglichkeiten anderer Anbieter von UKW-Übertragungsleistungen beeinträchtigt.

Die Regulierungsbehörde kündigte daraufhin an, wegen des offenkundigen Verstoßes ein Verfahren der sogenannten nachträglichen Entgeltkontrolle einzuleiten. In diesem Zusammenhang soll(t)en die von Media Broadcast neu festgelegten Entgelte im Einzelnen geprüft werden. Bis zu einer Entscheidung in diesem Verfahren hat Media Broadcast keine Chance, die neu angezeigten Entgelte zu berechnen.

„Die Anzeige von Entgelten für Radioveranstalter durch Media Broadcast war erforderlich, weil die aktuellen Entgelte nur bis zum 31. März genehmigt sind und Media Broadcast für die Zeit danach eine Anzeige vornehmen muss. Dabei verfolgte Media Broadcast das Ziel, bestehende Verträge zu erfüllen und Preisstabilität für Radioveranstalter sicherzustellen. Die gestern veröffentlichte Entscheidung der BNetzA und der heute bekannt gegebene Entschluss der Media Broadcast haben keinen kausalen Zusammenhang“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

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