Telefónica-Chef strebt höhere Preise für schnelle 5G-Datendienste an

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Markus Haas neuer Chef von Telefónica Deutschland
Bildquelle: Telefónica Deutschland
Der Abschied von Thorsten Dirks als Chef von Telefónica Deutschland kam überraschend. Sein Branchenwechsel zur Lufthansa-Billigtochter Eurowings mindestens genauso. Seit Januar leitet nun Markus Haas die geschicke von O2 und den zahlreichen anderen Telefónica-Marken. Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) sprach mit ihm über die ersten sechs Wochen an der Konzernspitze jenes Unternehmens, dem er seit 1999 treu geblieben ist.

„Ich kenne sehr viele Mitarbeiter“, weiß Urgestein Haas zu berichten und ergänzt: „Nach der erfolgreichen Integration von O2 und E-Plus brauchen wir jetzt Stabilität.“ Außerdem sei es wichtig, die Kunden zu begeistern und die Mitarbeiter auf der Reise in die Zukunft mitzunehmen. Zwischen einzelnen Farben werde bei Telefónica unterdessen längst nicht mehr unterschieden. E-Plus grün, O2 blau – das war einmal. „Die Farblogik haben wir längst abgelegt.“

Im Gespräch mit der SZ gab Haas aber auch zu, dass die Fusion der beiden großen Mobilfunk-Firmen ein ziemlicher Kraftakt gewesen sei. Das Projekt, 25 Millionen SIM-Karten aus der E-Plus-Welt in jene von Telefónica zu integrieren, wurde intern K2 genannt. Also genauso wie der zweithöchste Berg der Welt, dessen Aufstieg als komplizierter gilt als jener am Mount Everest.

Das Ende der Plastik-SIM ist nah

Sicher ist sich Haas, dass das Ender der klassischen Plastik-SIM-Karte nicht mehr fern ist. Der so genannten eSIM gehöre ganz klar die Zukunft. Auch wenn sie in der Branche zum Teil skeptisch gesehen werde, biete sie auch Chancen. „Für unsere interne Digitalisierung gilt: Wir brauchen gute Ideen aus der Mannschaft.“ Dabei schließt er ausdrücklich auch die Shop-Mitarbeiter mit ein.

Weiter im Fokus stehe bei Telefónica auch der Netzausbau. Zwar seien bei O2 und Co. schon jetzt gute und solide Datenverbindungen möglich, man sei aber noch nicht da, wo man hinwolle, sagt Haas und ergänzt. „Wir haben das größte und ein sehr stabiles Netz, aber nicht das schnellste Netz.“ Schwierig sei in diesem Zusammenhang allerdings, die Kosten zu stemmen. „Man will in Deutschland die beste Versorgung haben und überall, auch im ländlichen Raum, 100 Mbit/s in der Luft. Wenn ich alle drei, vier Jahre Funkfrequenzen ersteigern muss, sofort dafür bezahlen muss und dann noch eine Infrastruktur dafür aufbauen soll, müssen sich alle Beteiligten schon überlegen, wie das finanziert werden soll.“

Schnelle Datendienste über 5G werden wohl teurer

Und noch eine deutliche Botschaft sendet Haas: Mit der Einführung von 5G will er die Preise für schnelle Datendienste erhöhen. „Wir müssen auch mit der kommenden Technik 5G und neuen Diensten mit neuen Geschwindigkeiten in der Lage sein, dieses Mehr an Leistung zu einem höheren Preis anzubieten. Am Ende entscheidet der Kunde, ob er bereit ist, für eine bessere Leistung auch mehr zu bezahlen.“ Derzeit sei Deutschland eher ein Entwicklungsland bei der mobilen Datennutzung. Die große Datenexplosion komme hierzulande erst noch. „Das Schönste haben wir in Deutschland noch vor uns.“

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