USB-Probleme, Stift-Verzicht und EMUI-Vorlieben

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Huawei Shanghai Executive Briefing Center
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke
Es geschieht nicht oft, dass sich ein Smartphone-Hersteller verhältnismäßig offen in die Karten schauen lässt. Genau das war für inside-handy.de jedoch im Rahmen einer Pressereise in China bei Huawei möglich. In Shanghai standen die beiden für die Smartphone-Sparte zuständigen Manager Ma Bing und Bruce Lee Medienvertretern aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden Rede und Antwort. Dabei kamen auch Überraschungen ans Tageslicht.

Ein trüber, grauer Novembertag ist es an diesem Morgen, als Huawei bei Temperaturen um die 15 Grad und Nieselregen in sein Entwicklungszentrum nach Shanghai eingeladen hat. Petrus spielt an diesem Tag nicht mit, als das Huawei-Quartier in ganzer Pracht erstrahlen soll. Adrett gekleidete Hostessen empfangen rund 15 europäische Medienvertreter, darunter auch die Redaktion von inside-handy.de, dennoch mit einem freundlichen Lächeln. Von hektischer Betriebsamkeit ist in diesen Minuten nirgendwo etwas zu spüren. Auf dem Huawei-Campus verliert sich auf den auf Hochglanz polierten Fluren mit Marmor-Boden kaum eine Menschenseele. Ein bisschen wirkt es so, als habe irgendjemand die Anweisung gegeben, sich der europäischen Presse bloß nicht störend in den Weg zu stellen.

Ein Presse-Briefing der etwas anderen Art

Im sogenannten Executive Briefing Center heißt es dann, in einem kleinen Auditorium Platz zu nehmen. Während draußen Wind um die Glasfassade pfeift und Regen gegen die Fenster prasselt, betritt als erster Ma Bing den Saal – begleitet von einer Art Handlanger, der während der folgenden 60 Minuten zwar neben dem Huawei-Manager Platz nehmen darf, von dem aber während der gesamten Zeit nicht ein Wort zu vernehmen ist. Komplettiert wird das dreiköpfige Gespann von einer Dolmetscherin, die das von Bing chinesisch gesprochene Wort in fließendem Englisch zu übersetzen weiß. Das ist in der internationalen Mobilfunk-Branche gewöhnungsbedürftig, aber vielleicht sogar die bessere Wahl, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen. Denn schon während der Tage zuvor hat man in China vor allem eines gelernt: Selbst wenn man im Reich der Mitte bemüht ist, auf Englisch mit internationalen Gästen zu kommunizieren, ein starker Dialekt macht das Verständnis oft schwierig.

Doch zurück zu Ma Bing: Der Huawei-Manager weiß unter anderem zu berichten, dass vor allem zwei Herausforderungen bei der Entwicklung neuer Smartphones zu stemmen sind. Auf der einen Seite das bei jedem Handy variierende Energie-Management und zum anderen die sich immer wieder ergebenden Veränderungen bei der Software. Auf der einen Seite entwickelt Google sein mobiles Betriebssystem Android immer weiter und fügt komplett neue Funktionen hinzu, andererseits reagiert Huawei mit der angepassten Nutzeroberfläche EMUI auf die sich neu bietenden Nutzungsszenarien. Beides aufeinander abzustimmen bereitet allen Beteiligten viel Arbeit. Dabei gilt es, den Fokus darauf nicht zu verlieren, die Smartphone-Nutzung möglichst einfach zu halten.

Zumindest der zweite Teil, das Anpassen der EMUI-Oberfläche, wäre rein theoretisch nicht notwendig. Wenn Huawei wollen würde, könnten sämtliche Smartphones auch mit purem Android ausgeliefert werden – ganz so wie es zum Beispiel bei den Nexus- und Pixel-Smartphones von Google der Fall ist. Doch bei Huawei ist man überzeugt, dass eine optimierte Oberfläche dem Nutzer viele Vorteile bietet und so ist es nicht verwunderlich, wenn Bing sagt: „Wir verfolgen keine Anstrengungen, in Zukunft Smartphones auf Basis von Stock Android auf den Markt zu bringen.“

Selbst bei Huawei wird mit dem iPhone telefoniert

Sei Kollege Bruce Lee weiß zunächst mit einer ganz anderen Aussage zu überraschen. „Aktuell sind 60 Prozent unserer Nutzer männlich. Wir würden uns freuen, wenn mehr Frauen unsere Smartphones nutzen würden.“ Okay, zur Kenntnis genommen. Doch auch ein anderer Aspekt bei der Smartphone-Nutzung überrascht: Dass das iPhone von Apple in China weit verbreitet ist, lässt sich bei einem Gang durch die Straßen von Shanghai nicht übersehen. Dass aber selbst Huawei-Mitarbeiter in der Konzernzentrale mit iPhones kommunizieren, mutet doch reichlich skurril an. Zu beobachten war genau das während des China-Aufenthalts der Redaktion von inside-handy.de aber nicht nur einmal.

Dass das Mate 9 trotz seiner Display-Größe von 5,9 Zoll anders als das vom Markt verb(r)annte Samsung Galaxy Note 7 nicht mit einem kleinen Eingabestift versehen wurde, hat gleich mehrere Gründe. „Wir haben es nicht mit einem Pen ausgestattet, weil wir in Marktforschungen herausgefunden haben, dass 95 Prozent der Nutzer einen solchen Stift nicht nutzen würden.“ Außerdem betont Lee, dass sich die Abmessungen des Mate 9 zum Teil deutlich verändert hätten, wäre die Möglichkeit geschaffen worden, einen ausziehbaren Stift in das Gehäuse zu integrieren.

Trotz USB-Typ-C: USB 2.0 statt USB 3.0

Und auch für eine noch ganz andere Besonderheit hatte Lee in Shanghai eine Erklärung parat: Die fehlende USB-3.0-Unterstützung des Mate 9 trotz USB-Type-C-Unterstützung. Denn für die Datenübertragung wird bei dem Phablet trotz der sich bietenden Möglichkeit, auf den schnelleren Übertragungsstandard zu setzen, auf das etablierte Format USB 2.0 vertraut. Die Erklärung von Lee zu diesem Phänomen ist etwas überraschend und doch simpel: In seinen Testlaboren habe Huawei vor der Markteinführung herausgefunden, dass es bei der Verwendung von USB 3.0 zu Problemen mit der verbauten Antennentechnik kommen könne. Deswegen sei man den Schritt zurück zu USB 2.0 gegangen – auch weil die Vorzüge von USB 3.0 von vielen Nutzern überhaupt nicht verwendet würden. Was genau die möglichen Funk-Störungen verursacht, wollte Lee allerdings nicht sagen.

Das Huawei Mate 9 im Test

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