Qualität statt Discount: So will Huawei Smartphone-Marktführer werden

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Huawei HQ Shenzhen
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke
Blickt man in der Smartphone-Geschichte fünf Jahre zurück, stand Huawei vor allem für eines: Günstige Smartphones für Mobilfunk-Einsteiger. Eine werthaltige Verarbeitung der Endgeräte stand für den chinesischen Konzern, der inzwischen zur Nummer drei am internationalen Smartphone-Markt aufgestiegen ist, nicht im Fokus. Vielmehr versuchte man mit möglichst günstigen Geräten rasch Marktanteile zu gewinnen. Heute sieht die Strategie ganz anders aus.

Auf einem Medientermin in der Konzernzentrale in Shenzhen, an dem auch die Redaktion von inside-handy.de teilnehmen durfte, sagte Huaweis Chef-Pressesprecherin Ada Xu am Montag, dass man erkannt habe, das Hauptaugenmerk nicht auf die breite Masse, sondern auf Qualität legen zu müssen. Es sei für Huawei wichtig, den Fokus auf wenige Neuvorstellungen pro Jahr zu beschränken. „Anders ist es uns nicht möglich, den uns selbst auferlegten Qualitätsstandard zu halten“, so Xu. In Zahlen ausgedrückt: Stellte Huawei im Jahr 2010 noch insgesamt 75 neue Handy-Modelle vor, waren es im Jahr 2015 nur noch zehn Geräte. Pro Smartphone rechnet man bei Huawei heutzutage mit einer Entwicklungszeit von etwa einem Jahr.

Und das zahlt sich aus. Zwar eilt Huawei zum Teil noch immer der Ruf voraus, ein chinesischer Billiganbieter zu sein, doch mit Blick auf die Verarbeitungsqualität haben sich die Smartphones des Konzerns in den letzten Jahren merklich verbessert. Und die Mobilfunkkunden danken es dem Konzern mit einer kontinuierlich steigenden Nachfrage. Im vergangenen Jahr ist es Huawei gelungen 106 Millionen Smartphones zu verkaufen, 2016 sollen es bereits mehr als 140 Millionen Geräte werden – wobei Wachstum vor allem mit Modellen der High-End-Klasse generiert wird. Für günstigere Modelle, die eine preislich sensiblere und internetaffine Kundschaft ansprechen sollen, wurde die zum Konzern gehörende Zweitmarke Honor in Stellung gebracht.

China: Huawei in Shanghai

Wachstum auch mit dem Internet der Dinge

Bei dieser klaren Trennung – Premium-Modelle baut Huawei, Honor greift mit Kampfpreisen an – soll es auch in Zukunft bleiben. Darüber hinaus will Huawei zukünftig mit weiteren bekannten Marken partnerschaftlich zusammenarbeiten. Die in Shenzhen noch einmal hervorgehobene Zusammenarbeit mit den Kamera-Experten von Leica beim Huawei P9 und beim jüngst neu vorgestellten Flaggschiff Huawei Mate 9 soll längst nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. Partnerschaften müssten aber nicht zwingend auf rein technologische Entwicklungen beschränkt sein, so Xu. Huawei wolle in Zukunft mit sämtlichen Geräten wachsen, die auf irgendeine Art und Weise mit dem Internet verbunden sind. Das Internet der Dinge (Internet of Things, auch IoT) steht bei Huawei weit oben auf der Agenda. Rein theoretisch wäre es dem Konzern möglich, auch viele andere Produkte zu bauen, „aber das ist nicht das, worauf wir uns konzentrieren wollen“, meint Xu.

Weltweit sind bei Huawei Stand heute 176.000 Mitarbeiter angestellt. Ein Teil davon sorgt dafür, dass die von Huawei gefertigten Smartphones möglichst rasch aus den Fertigungsstätten über vier zentrale Vertriebshubs in Shenzhen, Miami, Dubai und in den Niederlanden möglichst rasch in den Handel kommen. In China ist es Huawei schon heute möglich, Handys innerhalb einer Woche zugänglich zu machen. Lieferungen nach Übersee dauern aktuell oft noch deutlich länger. Mittelfristig will Huawei seine neuen Smartphones aber zum Beispiel auch in Deutschland ein bis zwei Wochen nach der Vorstellung zur Verfügung stellen, wie Vertriebs-Chef Tommi Laine-Ylijoki am Montag erklärte.

Huawei HQ Shenzhen
Bildquelle: inside-handy.de / Hayo Lücke

Um dieses Ziel zu erreichen arbeitet Huawei ähnlich wie andere Hersteller mit namhaften Auftragsfertigern wie Foxconn zusammen. Gerade einmal zehn Prozent aller Smartphones werden heute noch von Huawei in Eigenregie gebaut. Und die Anzahl der produzierten Smartphones soll in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Im Jahr 2020 will Huawei nach Angaben von Laine-Ylijoki nicht weniger als 430 Millionen Smartphones ausliefern. Klingt unmöglich, ist aber eine Vision, die man durchaus in Angriff nehmen kann. Es wäre aber mehr als nur ein Achtungserfolg, sondern würde nach derzeitigem Stand der Dinge die Marktführerschaft auf dem Smartphone-Markt bedeuten. PR-Chefin Xu sagt: „Genau das ist unser Plan, da wollen wir hin.“ Abzuwarten bleibt, ob dieses ehrgeizige Ziel tatsächlich erreicht werden kann.

Huawei Mate 8 und Mate 9 im Vergleich

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