Akku-Riese als chinesische Alternative zum Note7

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Das Huawei Mate 9 in einer Hand
Bildquelle: Christian Koch / inside-handy.de
Als voraussichtlich letztes Oberklasse-Smartphone des Jahres 2016 hat Huawei das neue Mate 9 der Öffentlichkeit präsentiert. Der Nachfolger des erst im Januar dieses Jahres vorgestellten Mate 8 ist mit seinem 5,9-Zoll-Display erneut ein echter Brummer. Die Redaktion von inside-handy.de konnte sich bereits einen persönlichen Eindruck von dem Gerät verschaffen – das erste Fazit zeigt Stärken und Schwächen.

Auch wenn sich die Pressesprecher von Huawei redlich bemühen, dass Journalisten möglichst keine Vergleiche zum Samsung Note7 ziehen: Die Gegenüberstellung des Huawei-Phablets mit dem Samsung-Modell liegt nahe und unter der Hand sprechen auch Huawei-Vertreter davon, dass man mit dem Mate 9 in die Lücke stoßen will, die Samsung mit dem Note7 nicht mehr füllen kann.

Die Schwachstelle des Note7 war der offenbar bis über die Grenzen der Physik aufgepumpte Akku, so dass Huawei es sich nicht entgehen lassen kann, mit dem Energiespeicher seines Mate 9 besonders auf die Werbepauke zu hauen. Satte 4.000 mAh fasst das Huawei-Phablet und soll mit diesem Vorrat die starke Akku-Leistung des Vorgängers Mate 8 nochmal um 10 Prozent übertreffen. Auch der energiesparende Kirin 960-Chipsatz soll seinen Teil dazu beitragen, dass das Mate 9 ein Dauerläufer ist, der selbst Powernutzern volle zwei Tage Freude bereiten soll. Der Praxistest von inside-handy.de wird diese Behauptung auf die Probe stellen. Die Erfahrung der letzten Jahre deutet jedoch in der Tat darauf hin, dass auch das neue Mate-Modell mit seinem üppigen Stromvorrat und dem sparsamen Energiemanagement punkten kann. Und selbst wenn es einmal knapp wird: Mit dem passenden Huawei-Ladegerät ist der Speicher laut dem Hersteller in 90 Minuten wieder randvoll.

Nach diesem kurzen Ausflug zum Akku zurück zu den äußeren Werten des Mate 9: Wie sein Vorgänger liegt auch das neue Huawei-Phablet mit 190 Gramm wuchtig in der Hand. Auch in die Hosentasche passt es mit Maßen von rund 16cm Höhe, 8cm Breite und 8mm Dicke nur mit Mühe. Wer sich ein Smartphone dieser Größenordnung kauft, wird auf kompakte Maße aber ohnehin kaum Wert legen und das Verhältnis von Display zu Gehäuse ist trotz der Dimensionen durchaus ansprechend. Insbesondere die schmalen Ränder an der Seite sehen gut aus, auch oben und unten verschenkt Huawei kaum Platz.

Die Verarbeitung des Unibody-Gehäuses ist gelungen und das Gerät liegt angenehm, metallisch-kühl in der Hand. Scharfe Kanten, zu große Spaltmaße oder andere Mängelt leistet sich Huawei nicht. Bequem bedienen lässt sich das Mte 9 jedoch selbst mit langen Fingern nur, wenn man es in beiden Händen hält. Der große Bildschirm fordert seinen Tribut und die Benutzbarkeit leidet ein wenig unter ihm.

Huawei Mate 9: Hands-On-Fotos

Mehr Leistung dank Kirin 960

Das Huawei Mate 9 ist das erste Smartphone, bei dem der chinesische Hersteller seinen neuen Spitzen-Prozessor Kirin 960 einbaut. Mit einer gegenüber dem Vorgänger um 130 Prozent verbesserten Grafikleistung und 20 Prozent mehr CPU-Power sollen die acht Kerne unterstützt von 4GB DDR4-Arbeitsspeicher überzeugen. Beim ersten Ausprobieren lässt sich gegenüber dem Vorgänger Mate 8 oder anderen Android-Smartphones noch kein Unterschied feststellen. Erst im ausführlichen Test gibt es einen ersten Eindruck davon, was der Kirin 960 im Alltag zu leisten vermag. Und auch dieser Eindruck kann täuschen, denn insbesondere bei Geräten mit Android-Betriebssystem zeigt sich manche Schwäche erst nach einigen Monaten Nutzung, wenn der Speicher langsam vollläuft. Doch auch hier ist das Mate 9 ein Hoffnungsträger: Huawei will mit dem sogenannten Non-aging-file-System der vorzeitig Prozessor-Alterung entgegenwirken. Durch verbesserte Speichernutzung und einen überarbeiten Datenzugriff soll das Mate 9 ein ewiger Jungbrunnen sein. 

Angesichts der hohen Erwartungen, die Huawei schürt, waren die Ergebnisse eines ersten Benchmark-Tests, den inside-handy.de machen konnte, etwas ernüchternd: 120.245 Punkte im AnTuTu-Benchmark-Test sind für ein Smartphone des Jahres 2016 einerseits ein guter Wert und das Mate 9 steht damit rund 30.000 Punkte besser da als sein Vorgänger Mate 8. Es muss sich aber Konkurrenz-Produkten wie dem LG G5, dem Samsung Galaxy S7 oder dem Google Pixel XL geschlagen geben. Diese schwächere Benchmark-Leistung hat bei Huawei fast schon Tradition – die Auswirkungen im Alltag dürften marginal sein, aber ein fader Beigeschmack bleibt vor dem Hintergrund der Vorschuss-Lorbeeren.

Benchmark-Testergebnis des Huawei Mate 9
Bildquelle: inside-handy.de / Christian Koch

Das Benchmark-Testergebnis des Huawei Mate 9

Android 7 und Leica-Kamera

Die Software des Mate 9 hat Huawei im Vergleich zu den Vorgängern deutlich aufpoliert. An Bord ist nicht nur das neue Android 7, sondern auch eine frische Version der Huawei-Benutzeroberfläche Emotion UI. Das Update mit der Nummer 5.0 hat vor allem die Optik angepasst und hinterlässt einen aufgeräumten Eindruck. Ob das runde Design den persönlichen Geschmack trifft, muss jeder Nutzer selbst für sich bewerten. Huawei betont, dass man vor allem im Blick gehabt habe, mehr Platz für den Content zu schaffen und weniger Platz für Menü-Elemente zu benötigen. Zudem seien 90 Prozent der Funktionen mit 3 Schritten zu erreichen, was eine simplere Menüstruktur verspricht.

Die Zusammenarbeit mit den Kamera-Spezialisten von Leica geht mit dem Mate 9 in die zweite Runde. Im Frühjahr hatte Leica bereits beim Huawei P9 und seinen Schwestermodellen Pate gestanden. Wie beim P9 baut Huawei auch beim Mate 9 eine Dual-Kamera ein, die über einen 20MP-Schwarz/Weiß-Sensor und einen 12MP-RGB-Sensor verfügt. Letzterer ist mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet. Die Kamera soll mit einem verbesserten Autofokus punkten, der 30 Prozent schneller als seine Vorgänger ist. Videos nimmer das Smartphone auch in 4K auf, eine Premiere bei Huawei. Die Frontkamera mit 8MP Auflösung bietet einen Autofokus und entspricht ihrem Pendant beim P9 Plus.

Leica-Schriftzug auf Huawei Mate 9
Bildquelle: inside-handy.de / Christian Koch

Leica steht wieder Pate für die Kamera eines Huawei-Smartphones

Erstes Fazit, Preis und Verfügbarkeit

Nach dem Blick auf das Datenblatt und der ersten halben Stunde mit dem Mate 9 kann man festhalten: Huawei hat wieder ein außergewöhnlich großes Smartphone auf den Markt gebracht, dessen Akku wahrscheinlich das Prunkstück sein wird. Das Design und auch das technische Gesamtpaket sind ansprechend. Es fehlen aber Highlights wie 3D-Touch oder ein wasser- und staubdichtes Gehäuse. Auch die Leistung des Prozessors oder die Auflösung des IPS-Displays gehören nicht zu den Spitzenwerten der Branche. Für den Alltag der meisten Nutzer werden sie jedoch genügen. Dass Huawei mit dem Smartphone nicht auf Rekordejagd geht, dürfte auch damit zusammenhängen, dass der Preis des Mate 9 Huawei-typisch atttraktiv bleiben soll. Ablesen kann man das auch daran, dass Huawei zum Beispiel sein Display nicht mit dem teuren Markenprodukt von Gorilla schützt, sondern ein eigenes robustes Glas für den Bildschirm entwickelt hat.

Das Huawei Mate 9 kommt am 15. November in den deutschen Handel. Erhältlich sein wird es für Kunden in Deutschland mit 64 GB internem Speicher in den Farbvarianten weiß-silber und grau-schwarz. Zur Auswahl steht das Mate 9 mit einem SIM-Karten-Slot plus SD-Karte oder als Dual-SIM-Version, bei der man auf den SD-Slot verzichten muss. Huawei legt dem Mate 9 von Haus aus ein Preisschild um, das 700 Euro schwer ist (UVP), im Handel wird dieser Preis erfahrungsgemäß etwas reduziert.

Huawei Mate 9 im Porsche Design

Neben der klassischen Version des Phablets hat Huawei in München auch eine edlere Variante des Mate 9 präsentiert. Diese unterscheidet sich nur in optischen  Merkmalen von der herkömmlichen Version, diese haben es allerdings in sich: Das Gerät trägt den holprigen Namen „Porsche Design Huawei Mate 9“ und dementsprechend ist auch die Designsprache in enger Abstimmung mit dem Label Porsche Design des gleichnamigen Autobauers entstanden. Neben Brandings und Aufmachung haben die Design-Verfeinerungen auch vor dem Display nicht halt, das zu den Seiten leicht überbordet und entsprechend abgerundet ist. Im Vergleich zum Mate 9 in der Stadnard-Version ist der Bildschirm auch etwas kleiner.

Porsche Design Huawei Mate 9 Hands-On

Der Preis des Design-Phablets ist dem Selbstverständnis der Marke entsprechend hoch angesetzt: Für rund 1.400 Euro kann man das Gerät ab Ende Dezember in den Porsche Design Stores sowie in ausgewählten Huawei-Geschäften erwerben. Porsche Design Stores befinden sich in Deutschland zum Beispiel in Düsseldorf, Frankfurt, München, Hamburg oder Berlin. Verschiedene Farbvarianten gibt es ob des Designs nicht, außerdem ist das Porsche Design Huawei Mate 9 immer als Dual-SIM-Modell konzipiert.

„All-in-One-Wearable“ Huawei Fit

Neben den beiden Smartphone-Versionen hat der chinesische Hersteller der Öffentlichkeit auch ein neues Wearable preisgegeben, das als „All-in-One-Gerät“ propagiert wird. Die Huawei Fit ist ein Fitnesstracker, der mit einem Gewicht von 35 Gramm zu den Leichtgewichten zählt und für Sport-Aktivitäten ausgelegt sein soll. Neben verschiedenen Modi für sportliche Aktivitäten kommen allerdings auch die Gesundheits-Features wie Herzfrequenzmessung nicht zu kurz. Per Bluetooth verbindet sich die Huawei Fit mit dem Smartphone und kann so Auskunft über eingehende Nachrichten oder Anrufe geben. Zu Zwecken der Funktionalität ist das Armband mit Touch-Eingabemöglichkeit (1,04-Zoll-Display) und einer gewissen Wasserfestigkeit ausgestattet.

In den USA ist der Fitnesstracker ab sofort erhältlich, in Deutschland und weiteren europäischen Ländern erfolgt der Marktstart laut Huawei Ende November, die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt bei 150 Euro.

Der Vorgänger Huawei Mate 8 im Test

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