So lösen die Hardware-Partner die Update-Misere

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Logo von Cyanogen Inc.
Bildquelle: Cyanogen Inc.
Das alternative, auf Android basierende Smartphone-Betriebssystem Cyanogen OS ist Geschichte, für das Open-Source-Projekt CyanogenMod geht es als "Linage" weiter. Unterdessen arbeiten die Hardware-Partner von Cyanogen für ihre Kunden an einer Lösung der drohenden Update-Misere.

Laut eines Berichts von Android Police wird zum Jahresende das Büro von Cyanogen Inc. in Seattle geschlossen und in diesem Zusammenhang auch Personal entlassen. Nur ein Teil der dort angestellten Mitarbeiter soll die Möglichkeit erhalten, in das kleinere Büro in Palo Alto zu wechseln. Weiter heißt es, dass auch in Palo Alto weiter Mitarbeiter vor die Tür gesetzt werden. Im Zuge dieser Umstrukturierung wird auch die mit dem Betriebssystem Cyanogen OS und dessen quelloffener Variante CyanogenMod verbundene Infrastruktur abgeschaltet, wie das Unternehmen nun bekanntgab.

Schon im Sommer hatte es im Zuge von Massenentlassungen wilde Spekulationen um die Zukunft bei Cyanogen Inc. gegeben. Damals hieß es aber noch, dass keine unmittelbaren Auswirkungen auf das operative Geschäft zu befürchten seien. Das sieht nach den neuesten Entwicklungen allerdings ganz anders aus. Ex-Chef McMaster verkündete im Oktober nicht nur schriftlich seinen Rücktritt, sondern wusste auch mit einigen anderen Neuigkeiten zu überraschen.

Zwischen den Zeilen war seiner E-Mail zu entnehmen, dass Cyanogen OS, das zum Beispiel auf dem OnePlus One und einigen Smartphones von BQ oder Wileyfox vorinstalliert ist, nicht länger weiterentwickelt wird. Das ist vor allem mit Blick auf nun höchstwahrscheinlich ausbleibenden Sicherheits-Updates ein schwerer Schlag für Nutzer dieser Handys. Laut den Ausführungen von McMaster ist es Cyanogen Inc. nicht gelungen, den Vertrieb des alternativen Android-Betriebssystems auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen. Die andere Seite der Medaille ist, dass Hersteller wie OnePlus und Lenovo in der Vergangenheit davon zu berichten wussten, dass die Zusammenarbeit mit Cyanogen Inc. alles andere als einfach gewesen sei.

McMasters Nachfolger, der ehemalige Leiter des operativen Geschäfts von Cyanogen Inc., Lior Tal, soll Cyanogen OS „modular“ unter dem Namen Cyanogen Now weiterentwickeln. Unklar ist, was für Änderungen sich damit im Detail gegenüber Cyanogen OS ergeben werden. Neue Smartphones mit vorinstalliertem Cyanogen OS wird es aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht mehr geben.

CyanogenMod erfindet sich neu

Wie die restlichen Entwickler des offenen CyanogenMod nun mitteilten, bedeutet das Ende der Unterstützung durch Cyanogen Inc. auch einen Neuanfang für das Open-Source-Projekt. Nachdem CyanogenMod-Erfinder und Firmengründer Steve Kondik bereits die Verbindungen zu seiner früheren Firma gekappt hatte, verlautbarte er in einem Tweet Anfang Dezember, dass er „froh über eine Umbenennung wäre“. Genau dies geschieht nun.

Da das CyanogenMod-Projekt rechtliche Unstimmigkeiten befürchtet – Kondik hatte den Markennamen Cyanogen in die von ihm gegründete Firma eingebracht – gibt sich das Projekt mit „Lineage“ einen neuen Namen. Jedoch will man die Umbenennung nicht nur als bloßen Namenswechsel verstanden wissen. Der Neuanfang stellt auch einen Paradigmenwechsel für die Android-Distribution dar, die künftig wieder als „Graswurzel-Projekt“ arbeiten wird und somit von kommerziellen Interessen Abstand nimmt. Zu diesem Zweck wurde eine neue Abspaltung („Fork“) eingerichtet, die unabhängig von der Infrastruktur von Cyanogen Inc. weiterentwickelt werden kann.

Daneben wolle man nicht weiter mit Cyanogen Inc. und den Verfehlungen des dortigen Managements in Verbindung gebracht werden. Der Name sei gebrandmarkt und schon immer sei es schwierig gewesen, den Unterschied zwischen CyanogenMod und Cyanogen OS zu erklären, so das Team im Entwicklerblog. Mit dem neuen Namen soll deshalb nun Klarheit geschaffen werden. Gleichzeitig sei man aber stolz auf die gemeinsame Abstammung (englisch „Lineage“) und sehr dankbar für das Zuhause, dass CyanogenMod den freiwilligen Entwicklern über die vergangenen acht Jahre bot.

Cyanogen-Opfer wappnen ihre Smartphones für die Zukunft

Nachdem OnePlus schon vor einiger Zeit die Abkehr von Cyanogen OS eingeleitet hat und mit Oxygen OS mittlerweile über eine sehr solide Software-Grundlage für künftige Smartphones verfügt, müssen sich nun die verbliebenen Hardware-Partner Cyanogens nach einer entsprechenden Alternative umsehen.

Zumindest BQ hat schon eine Alternative für Nutzer seines Aquaris X5 Cyanogen Edition parat: So wird der spanische Hersteller seinen Kunden mit Erscheinen der Version Android 7.0 Nougat für das Aquaris X5, die im zweiten Jahresdrittel 2017 erwartet wird, die Option einräumen mittels eines Hard-Reset von Cyanogen zum Standard-Android-System zu wechseln und somit aus der Cyanogen-OS-Version ein Strandard-X5 zu machen. Die Alternative ist es, auf Cyanogen OS 13.1 zu verbleiben, das auf Android 6.0.1 Marshmallow basiert. Diese beiden Möglichkeiten stellte der spanische Hersteller in einem Support-Artikel vor.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass so auch Nutzer die mit Cyanogen auf das vermeintlich falsche Pferd gesetzt haben, in den Genuss von Updates kommen. Der Nachteil: Die Nutzer verlieren alle auf dem Gerät gespeicherten Informationen, müssen sich mit umfassender Datensicherung behelfen und die benötigten Daten nach der Installation des neuen Betriebssystems wieder auf das Gerät verschieben.

BQ fällt dieser Schritt leicht, denn für das komplett baugleiche Aquaris X5 entwickelt man ohnehin ein ROM auf Basis von Android Nougat. Andere Hersteller, die wie Wileyfox komplett auf Cyanogen OS gebaut haben, wird eine Lösung nicht so leicht zufallen. Wie der britische Hersteller das Problem angehen wird, ist derweil noch nicht bekannt.

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