Auch news.de findet einen neuen Besitzer

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Unister Standort Leipzig
Bildquelle: Unister
Die Insolvenz der Unister-Gruppe, die unter anderem zahlreiche Reiseportale betreibt, hat bei vielen Nutzern der Seiten zu großer Verunsicherung geführt. Die Redaktion von inside-handy.de dokumentiert an dieser Stelle die neuesten Entwicklungen und Enthüllen rund um den Betreiber von fluege.de, ab-in-den-urlaub.de und Co.

Inhaltsverzeichnis

Nur wenige Tage nach dem Flugzeugabsturz von Thomas Wagner und Oliver Schilling in den Bergen von Slowenien hat das Unternehmen Unister Insolvenz angemeldet, wie dessen Anwalt Lucas Flöther gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“ bestätigte. „Die Insolvenzanmeldung betrifft ausschließlich die Unister Holding. Die operativen Gesellschaften der Firmengruppe sind nicht von der Insolvenz betroffen“ teilte Flöthers Kanzlei mit.

Das Insolvenzverfahren ist bereits angelaufen; in einem ersten Schritt soll das vorhandene Vermögen gesichtet und begutachtet werden. Erst danach wird der weitere Verlauf des Verfahrens beschlossen. Der alltägliche Geschäftsbetrieb von Unister soll allerdings vorerst normal weiterlaufen.

Zu Unister gehören über vierzig Internet-Portale, unter anderem fluege.de, ab-in-den-urlaub.de oder auto.de. Die rund 1.100 beschäftigen Mitarbeiter wurden bereits über den weiteren Verlauf des Unternehmens unterrichtet und dazu angehalten, die Aufrechterhaltung des Betriebs zu unterstützen, so Flöther. Die Unister Holding GmbH wurde im Jahr 2002 in Leipzig gegründet. Künftig wird es darum gehen, das Unternehmen erneut langfristig aufstellen zu können.

Anne-Karin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen sagt: „Verträge bestehen weiterhin. Nichtsdestotrotz betrachten wir die Entwicklung des Unternehmens aufmerksam und das sollten auch Verbraucher tun.“ Generell gelte bei Pauschalreisen ein Versicherungsschutz über den sogenannten Sicherungsschein, der Verbraucher finanziell gegen eine plötzliche Insolvenz des Reiseveranstalters schütze. Bei vielen Angeboten sei die Unister-Gruppe nur Vermittler und der Vertrag bestehe beispielsweise bei der Fluggesellschaft oder dem Reiseanbieter.

„Die Unister-Gruppe beschäftigt uns schon mehrere Jahre. Immer wieder beschweren sich Verbraucher bei uns über die verschiedensten Probleme, darunter nicht oder nur verspätet ausgezahlte Reisegutscheine, über schlechte Erreichbarkeit oder auch versteckte Preise bei der Flugbuchung“, erklärt Wiesemann. „Diesbezüglich würden uns aber freuen, wenn die Unternehmensgruppe in dieser Situation den Weg zu mehr Verbraucherfreundlichkeit findet.“

Update 19. Juli – Auch andere Gesellschaften können Insolvenz anmelden

Nachdem es zunächst geheißen hatte, dass Kunden der zahlreichen Unister-Gesellschaften nicht um ihr Geld fürchten müssen, sieht die Sachlage einen Tag später schon ganz anders aus. Der zuständige Insolvenzverwalter Lucas Flöther schloss am Dienstag gegenüber dem MDR nicht aus, dass weitere Pleiten der von Unister betriebenen Reisevermittlungsportale folgen könnten. 

„Es ist zumindest nicht auszuschließen, dass es da einen Ansteckungseffekt oder einen Dominoeffekt gibt. Das muss man jetzt prüfen“, sagte Flöther dem MDR-Magazin „Umschau“ (Dienstag, 20:15 Uhr, MDR Fernsehen). Sollten auch die ab-in-den-urlaub Betriebsgesellschaft mbH (Ab-in-den-Urlaub.de) und die Unister Travel Betriebsgesellschaft mbH (fluege.de) Insolvenz anmelden, bestehe für Kunden die Gefahr, dass gegebenenfalls Anzahlungen, die über die Portale an die Reise- oder Fluganbieter gehen sollten, nicht weitergeleitet worden sind und so in die Insolvenzmasse von Unister fallen, schreibt der MDR weiter. Etwaige Rückforderungen müssten Gläubiger dann im Rahmen des Insolvenzverfahrens stellen.

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, erweisen sich vor allem Flugtickets als problematisch, die von fluege.de und ab-in-den-urlaub.de auf eigene Rechnung verkauft worden sind, statt sie wie üblich nur zu vermitteln. Solche Schnäppchen hätten sich die Portale aus Restbeständen großer Veranstalter besorgt. In der Vergangenheit habe das unter anderem dazu geführt, dass etwa Condor-Flüge, die deutschlandweit zum Einheitspreis in den Verkauf gingen, auf einigen Discountseiten deutlich günstiger auftauchten. Bei einer großen deutschen Reisegesellschaft heißt es dazu wörtlich: „Inhaber solcher Flugkarten müssen damit rechnen, nicht abgefertigt zu werden.“ Schwierig sei vor allem, dass es für Urlauber kaum zu erkennen sei, ob ein Ticket vom Reiseveranstalter oder auf Rechnung einer Unister-Tochter verkauft wurde.

Insolvenzverwalter Flöther sagt allerdings: „Wir können jetzt sicherstellen, dass alle Buchungen über die Reiseportale von Unister sicher sind. Kunen können sowohl ihre Urlaubsreisen antreten als auch in Zukunft die Reisen und Flugtickets von Portalen wie Fluege.de oder Ab-In-Den-Urlaub.de bedenkenlos in Anspruch nehmen.“ Ein Ausfallrisiko für Flugtickets, wie es das „Handelsblatt“ skizziert hatte, sei „nach einer sorgsamen Prüfung der Prozesse auszuschließen.“ 

Update 20. Juli – Urlaubstours als erste Tochtergesellschaft ebenfalls insolvent

Da ist es passiert: Als erste Unister-Tochter musste die Urlaubstours GmbH (urlaubstours.de) ebenfalls Insolvenz anmelden. Laut Angaben der für das Insolvenzverfahren zuständigen Kanzlei Flöther & Wissing ist Urlaubstours nicht im Reisevermittlungsgeschäft tätig, sondern ausschließlich als Reiseveranstalter. In diesem Fall greift daher für alle Kunden des Anbieters der Reisesicherungsschein.

Mit dem Reisesicherungsschein ist die Absicherung für den bereits gezahlten Reisepreis und sonstige notwendige Aufwendungen gewährleistet, die im Fall der Zahlungsunfähigkeit oder der Insolvenz entstehen. Der Nachweis über den Sicherungsschein liegt in der Regel den Reiseunterlagen bei. Das Dokument muss auf der Rückseite der Reisebestätigung abgedruckt oder an sie angeheftet sein, teilte am Donnerstag die Verbraucherzentrale Sachsen mit. Die Kanzlei Flöther & Wissing teilte mit, dass bereits gebuchte Reisen dank des Engagements der Generali Versicherung AG und des Versicherungsmittlers Reisegarant durchgeführt werden sollen.

Update 20. Juli – Unister-Gesellschafter Kirchhof will Anzeige wegen Untreueverdacht erstatten

Aus welchem Grund ist der verunglückte Unister-Gründer und Firmenchef Thomas Wagner nach Venedig gereist? Und warum hatte er offensichtlich eine Menge Bargeld bei sich? Diese Fragen stellt sich auch Unister-Gesellschafter Daniel Kirchhof. Er fordert eine umfassende Aufklärung der Geschehnisse rund um ein mutmaßliches Geldgeschäft in Venedig, bei dem es möglicherweise um einen großen Kredit ging. „Ich werde noch am Mittwoch Anzeige gegen Unbekannt erstatten, unter anderem wegen Untreueverdacht“, sagte Kirchhof dem MDR-Magazin „Exakt“. 

„Von meiner Seite halte ich es für ganz, ganz dringend, dass da aufgeklärt wird. Insbesondere wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass so eine große Menge Bargeld in der Gegend rumfährt, wer da auch an dem ganzen Vorgang beteiligt gewesen ist, wer davon wusste“, so Kirchhof weiter. Der mutmaßliche Geldtransport hat unterdessen auch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden auf den Plan gerufen. Sie hat entsprechende Ermittlungen eingeleitet, berichtet der MDR weiter. 

Die eingeleitete Insolvenz von Unister wollte Gesellschafter Kirchhof abwenden, wie er gegenüber „Exakt“ weiter ausführte. Auch Gespräche mit Investoren habe er bereits geführt, sie seien aber letztlich gescheitert. „Ich hatte das ganz dringende Bedrüfnis, zu schauen, wie schlimm ist es im Unternehmen, lasst uns drüber reden, lasst uns nach Lösungen suchen, Vorschläge unterbreiten, damit wir ganz, ganz schnell wieder in ein besserer Fahrwasser kommen und eine Rettung ermöglichen.“ 

Außerdem wollte Kirchhof sich selbst und die beiden weiteren verbliebenen Unister-Gesellschafter Christian Schilling und Sebastian Gantzckow vorübergehend zu den neuen Geschäftsführern bei Unister machen. „Wenn wir das gemacht hätten, wäre das ein starkes Zeichen nach außen gewesen“, so Kirchhof. Am Ende sei es aber nicht zu der finalen Entscheidung gekommen, diesen Schritt zu unternehmen. Unister nun als Ganzes zu erhalten, gestaltet sich offenbar als schwierig. „Die Frage ist schon, was bleibt überhaupt davon in Leipzig? So drastisch kann man formulieren“, meint Kichhof.

Update 21. Juli – Toter Unister-Chef möglicherweise auf Rip-Dealer hereingefallen

Zugegeben: Es ist nur ein Gerücht. Dennoch ist das, was die Finanzzeitschrift „Capital“ aktuell berichtet, erschreckend. Der nach Venedig gereiste und auf dem Rückweg tötlich verunglückte Chef von Unister, Thomas Wagner, ist möglicherweise Opfer von so genannten Rip-Dealern geworden. Sicher ist: Wagner war nach Venedig gereist, um mit möglichen Investoren zu sprechen. Spekuliert wird, dass er dafür 1,2 Millionen Euro dabei hatte. Eventuell als Sicherheit für den neuen Kreditgeber. Beim Umtausch des Geldes in Schweizer Franken soll ihm mutmaßlich Falschgeld untergeschoben worden sein, heißt es übereinstimmend in mehreren Medienberichten. In der Vergangenheit kam es aber auch schon vor, dass Betrüger ihren Opfern ein lukratives Geschäft vorgaukelten und eine Geldübergabe im Ausland einfädelten. Dort wurden den Opfern das Geld oder andere Wertsachen dann einfach entrissen. Daher leitet sich auch der Name der Rip-Dealer ab. Aus dem Englischen vom Wort „to rip“ – entreißen.

Update 21. Juli – Auch die Unister Travel Betriebsgesellschaft muss Insolvenz anmelden

Es geht Schlag auf Schlag im Hause Unister. Am Donnerstagnachmittag wurde bekannt, dass nach der Insolvenz der Holding nun auch die Unister Travel Betriebsgesellschaft mit knapp 500 Mitarbeitern insolvent ist. Das teilte der zuständige Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit. Dieser Schritt ist insbesondere vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass die Gesellschaft sozusagen die Muttergesellschaft aller Unister-Reiseportale ist. Also auch für ab-in-den-urlaub.de und fluege.de. Wie Focus Online unter Berufung auf einen Unister-Sprecher berichtet, ist noch nicht abschließend geklärt, welche Folgen die angemeldete Insolvenz für bereits gebuchte Reisen habe. Alle Reisen, die ab sofort gebucht würden, seien aber sicher. Weiter teilte die Unister Holding mit, dass auch die Unister GmbH (u.a. auto.de, partnersuche.de) mit 35 und die U-Deals GmbH (zeitlich befristete Angebote von Reisearrangements) mit 25 Mitarbeitern insolvent seien. Damit wurde inzwischen für vier Unister-Gesellschaften das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Update 25. Juli – Unister mit 39 Millionen Euro verschuldet

Seit dem Tod der beiden Unister-Gründer Thomas Wagner und Oliver Schilling dringen immer mehr Details an die Öffentlichkeit, die das Unternehmen in keinem guten Licht dastehen lassen. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf Unterlagen des Rechtsanwalts Nikolaus Petersen berichtet, soll Unister mit exakt 39,2 Millionen Euro verschuldet sein. Der Kassenbestand sei gleich Null, so heißt es.

Der horrende Betrag ergibt sich aus Schulden bei diversen Firmen sowie aus weiteren Kosten. Allein 34 Millionen Euro sollen der Versicherung Hanse Merkur zufallen. Darüber hinaus steht das Internetunternehmen auch bei Yahoo mit 1,2 Millionen Euro sowie beim Finanzamt mit etwa 800.000 Euro in der Kreide.

Ferner, so berichtet „Der Spiegel“, seien zahlreiche Rechnungen von diversen Anwaltskanzleien zuweilen nicht beglichen worden – unter anderem schuldet Unister auch der Kanzlei von Nikolaus Petersen 124.000 Euro. Jedoch verkündete allerdings ausgerechnet Petersens Anwaltsbüro im April dieses Jahres, dass Unister weder „zahlungsfähig noch überschuldet sei“, obwohl in einer Gesellschaftsversammlung von Daniel Kirchhof – ebenfalls Mitbegründer von Unister – verlangt wurde, Insolvenz anzumelden.

Update 28. Juli – Fast alle Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen

Fast 90 Prozent der rund 1.000 Beschäftigten von Unister sind inzwischen von der Insolvenz des Unternehmens betroffen. Auch die Unister Factory GmbH, die Buchungsdienstleistungen in der Gruppe übernimmt, und die Call-Center CS 24 Call Support GmbH haben inzwischen ein Insolvenzverfahren einleiten müssen, berichtet der MDR. Damit sind nun sechs Tochtergesellschaften der Unister Holding zahlungsunfähig. 

Update 29. Juli – Weitere Tochtergesellschaften gehen Konkurs

Die Insolvenzwelle rollt weiter unaufhaltsam durch die gesamte Unister Holding GmbH. Wie das Unternehmen aktuell mitteilt, müssen auch weitere Unister-Geselltschaften Insolvenz anmelden. Im Detail handelt es sich dabei um die Portale flug.de, Travel Viva GmbH, das Reisebüro Travelchannel sowie Indigo Reisen GmbH.

„Was die drei kleinen operativen Gesellschaften angeht, führen wir den Geschäftsbetrieb fort, die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert“, so Rechtsanwalt Flöther. „Auch diese Gesellschaften sind ausschließlich im Vermittlungsgeschäft tätig. Insofern besteht auch hier für Kunden durch die Insolvenz kein Risiko – weder bei offenen Buchungen aus der Vergangenheit noch bei künftigen Buchungen.“

Daneben unterliegen auch die Gesellschaften Unister Asset Management GmbH, Portalservice GmbH und BookaHotel GmbH dem Konkurs, womit insgesamt zwölf Tochterunternehmen der Unister Holding GmbH nicht mehr zahlungsfähig sind.

Update 3. August – Google hilft bei der Rettung

Dass Unister bei Google ordentlich in der Schuld steht, ist schon seit einigen Tagen bekannt. Für Werbezahlungen müsste Unister eigentlich noch einen zweistelligen Millionenbetrag an Google zahlen. Nun berichtet das „Handelsblatt“, dass Google selbst dabei hilft, Unister zu retten. „Die Unister-Portale sind dort jetzt wieder gelistet“, sagte der zuständige Insolvenzverwalter Lucas Flöther der Zeitung. Der Geschäftsbetrieb habe sich deutlich stabilisiert, die Buchungszahlen sollen, so berichtet Flöther weiter, wieder nach oben gehen.

Google hatte Portale wie ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de aus seinem Suchindex verbannt, nachdem die Zahlungsunfähigkeit zahlreicher Unister-Töchter bekannt geworden war. Allerdings ist eine Unsichtbarkeit bei der meistgenutzten Internet-Suchmaschine existenzbedrohend und so ist es nicht verwunderlich, das dem zuständigen Insolvenzverwalter viel daran gelegen war, diesen Missstand schnellstmöglich zu beseitigen.

In den Suchergebnissen tauchen die Unister-Portale fortan also wieder auf, allerdings häufig nicht mehr auf den vorderen Plätzen. Auch Anzeigen werden bei Google aufgrund der prekären finanziellen Gesamtsituation nicht mehr geschaltet. Genauer gesagt wurden diese Anzeigen ausgesetzt, sollen in Kürze in zurückhaltender Form wieder anlaufen. „Angesichts der Tatsache, dass wir in der Insolvenz nur sehr eingeschränkt Marketing betreiben können, ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung“, sagte Flöther am Mittwoch in einer Mitteilung. 

Update 15. August – Verbraucher verunsichert über Durchführung von Reisen

Wie die Verbraucherzentrale Sachsen meldet, erreichen die Verbraucherschutzorganisation aktuell zunehmend Anfragen verunsicherter Verbraucher, die über ein Unister-Portal Reisedienstleistungen gebucht haben. Ihre Sorge gilt der ordnungsgemäßen Durchführung ihrer bald anstehenden Reisen, besonders in Fällen, in denen Unister das Geld der Kunden einzieht: „Verbraucher sind aufgrund der Insolvenz-Situation verunsichert, ob das Geld auch ordnungsgemäß an Hotels und Reiseveranstalter weitergeleitet wird“, sagt Michael Hummel von der Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherzentrale weist auf einen ihr vorliegenden Fall, in dem eine Zahlung an die Unister-Tochter Urlaubstours nicht weitergeleitet wurde. Katharina Friesen aus Düsseldorf hatte für sich, ihren kleinen Sohn und ihre Mutter bei Urlaubstours im April 2016 eine 14-tägige Pauschalreise nach Kreta gebucht. Nach der Ankunft in ihrem Hotel am 22. Juli 2016 auf der Urlaubsinsel wurde ihr nach mehreren Stunden des Wartens in der Hotellobby eröffnet, dass sie noch 2.900 Euro zahlen sollte. Das Hotel hatte den von Frau Friesen an Urlaubstours gezahlten Betrag nicht erhalten. Sie entschloss sich zurückzufliegen und fordert nun etwa 4.700 Euro von der Versicherung des Veranstalters. Eine Antwort auf ihr Schreiben hat sie bisher noch nicht erhalten.

In einem anderen Fall wurde die Nachfrage eines Verbrauchers durch ein Unister-Unternehmen mit den Worten beantwortet: „Die Zahlung sollte sicher sein. Sollte es Probleme vor Ort geben, können Sie nach der Reise eine Reklamation einreichen.“ Angefragt und die Reise gebucht hatte der Kunde jedoch bei einem anderen Unister-Unternehmen. In einem weiteren Fall versicherte die italienische Partneragentur des Unister-Reiseveranstalters Urlaubstours, dass der Aufenthalt garantiert wird.

Eine Anfrage der Verbraucherzentrale Sachsen bei Insolvenzverwalter Lucas Flöther zur Weiterleitung der Kundengelder blieb innerhalb der gesetzten Wochenfrist unbeantwortet.

Update 16. August – „Capital“: Unister-Geschäftsmodell platzte schon vor fünf Jahren

Während Unister sich am Dienstag in gleich zwei Pressemitteilungen zu Wort meldete, um einerseits einen Bericht der „Bild am Sonntag“ zu dementieren, dass Kundendaten verkauft wurden und andererseits zurückzuweisen, dass Nutzer der Unister-Webseiten auf Basis einer von Zeit Online aufgedeckten „Unister-Masche“ abgezockt werden, bringt sich nun das Wirtschaftsmagazin „Capital“ in Stellung, um zu berichten, dass das Geschäftsmodell von Unister schon vor fünf Jahren geplatzt ist.

Schon vor fünf Jahren habe es Google der Unister-Gruppe untersagt, eine Werbepraxis durchzuführen, die Millionen in die eigenen Kassen gespült haben soll. Die „Capital“ hat nach eigenen Angaben hunderte Seiten Schriftverkehr zwischen Google und Unister ausgewertet. Ein Ex-Manager von Unister sagte der Redaktion, das Einschreiten von Google sei „der Anfang vom Ende Unisters“ gewesen. 

Unister soll bis in das Jahr 2011 weitreichende Geschäfte mit Hilfe der sogenannten Google-Arbitrage gemacht haben. Dafür seien Anzeigen bei Google geschaltet worden, um User auf die unzähligen Unister-Webseiten zu locken. Dort fand der Nutzer allerdings nicht das, was er suchte, sondern musste sich über weitere Werbebanner bis zum eigentlichen Angebot weiterklicken, schreibt „Capital“. Die Anzeigen-Erlöse von Unister bei Drittanbietern sollen höher ausgefallen sein als das, was das Unternehmen selbst an Google zahlten. Der namentlich nicht genannte Ex-Top-Manager von Unister erklärte, dass unter dem Strich mehr als eine Millionen Euro für Unister hängen blieben – pro Monat.

Nachdem Google am 5. April 2011 eine Warnung an den tödlich verunglückten Unister-Chef Thomas Wagner schickte, stoppte dieser die Praktiken seines Unternehmens. Denn Google drohte offen mit einer Suspendierung sämtlicher Unister-Seiten. Anders ausgedrückt: Hätte Unister nicht eingelenkt, wären alle Seiten aus dem Suchindex von Google verschwunden. Für ein Internet-Unternehmen wie Unister wäre das eine Katastrophe, doch die Kehrseite der Medaille war, dass „praktisch von heute auf morgen eine der wichtigsten Liquiditätsquellen“ versiegte, so ein Ex-Manager gegenüber „Capital“.

Um das entstandene finanzielle Loch auszugleichen, reagierte Unister offenbar mit neuen Tricks – zu Lasten der eigenen Portalnutzer, schreibt das Wirtschaftsblatt weiter: Irreführende Werbung durch fiktive „Streichpreise“ auf den Reiseportalen und Klickfallen mit Reiseversicherungen sind zwei aus der Vergangenheit an vielen Stellen bereits ausführlich berichtete und auch von Verbraucherschützern heftig kritisierte Praktiken, die nicht nur zu Ermittlungen durch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden führten, sondern auch zu einer Razzia in der Unister-Zentrale im Dezember 2012.

Update 22. August – Unister führt Investorengespräche

Einige Wochen nach der Bekanntgabe der offiziellen Insolvenz von Unister befindet sich das Unternehmen aktuell in Gesprächen mit potenziellen Investoren. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther sollen sich rund 20 Investoren für einen Kauf interessieren; im Zuge dessen seien bereits „vielversprechende Gespräche“ geführt worden. „Das Interesse von Seiten der Investoren ist nach wie vor sehr hoch“, sagt Flöther. „Auffällig ist, dass viele Interessenten gut informiert sind und sehr zielgerichtet vorgehen.“

Bei den Interessenten handelt es sich größtenteils um strategische Investoren, teilweise gesellen sich aber auch Finanzinvestoren dazu. Alle potenziellen Käufer verfügen über Branchenkenntnisse und sind mit Unister als Unternehmen vertraut.

Die Angebote der Käufer können sich dabei nicht nur auf eine einzelnes Themengebiet, sondern ebenso auf die Gesamtheit der insolventen Unister-Gesellschaften beziehen. Damit die künftigen Besitzer die Alt-Schulden nicht übernehmen müssen, wird ein sogenannter Asset Deal formuliert, bei dem die Lasten und Risiken nicht auf den Investor übergehen. Seit der vergangenen Woche steht den Interessenten ein virtueller Datenraum zur Verfügung, in dem Zahlen sowie weitere Daten zu Unister bereitgestellt werden.

Update 1. September 2016 – ab-in-den-urlaub.de meldet Insolvenz an

Wie Unister bekannt gegeben hat, müssen zwischenzeitlich nun auch populärere Gesellschaften des Unternehmens Insolvenz anmelden. Dabei handelt es sich um Portale aus der Reise-Sparte – betroffen sind ab-in-den-urlaub.de, die Kurz Mal Weg GmbH und die RMK billigfluege.de. „Die Insolvenzanmeldung ist Voraussetzung für einen Schulden- und Altlasten-freien Verkauf dieser Gesellschaften im Rahmen des Investorenprozesses“, erläutert der Insolvenzverwalter Flöther. „Damit sind wir jetzt in der Lage, alle wesentlichen Gesellschaften der Travel-Sparte im Wege des angestrebten Asset-Deals an einen Investor zu veräußern.“

Wie es heißt, sollen Kunden keinen Nachteil durch die Insolvenzanmeldung haben, die Leistungen werden nach wie vor erbracht, Buchungen sind wie gewohnt möglich. Grund dafür ist, dass die Zahlungen zumeist direkt an das Hotel oder die Fluggesellschaft weitergeleitet wird. Außerdem werden jegliche Zahlungen an die zahlungsunfähigen Gesellschaften ab sofort über das Treuhandkonto des vorläufigen Insolvenzverwalters abgewickelt.

Update 13. September 2016 – Freistaat Sachsen verlangt Fördermittel zurück

Wie der „Mitteldeutsche Rundfunk“ (MDR) berichtet, fordert das Land Sachsen rund 1,4 Millionen Euro Fördermittel von Unister zurück. Konkret handele es sich um Forderungen aus zwei Zuschüssen der Unister-Tochter Unister Factory GmbH in Dresden und Chemnitz. Das sächsische Wirtschaftsministerium bestätigte gegenüber der Rundfunkanstalt, dass die Rückforderungsbescheide im August an den Insolvenzverwalter von Unister verschickt wurden.

Seit 2007 hatte der Freistaat Sachsen Unister Fördermittel im Gesamtvolumen von rund acht Millionen Euro bewilligt, das meiste davon aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Die Summe war in vier Förderungen aufgeteilt, von denen zwei bereits abgeschlossen sind. Rückforderungen aus diesen Förderungen sind daher nicht mehr möglich. Die bereits gezahlten Beträge aus den anderen beiden noch nicht abgeschlossenen Forderungen wurden wegen des Insolvenzverfahrens nun zurück verlangt, wie der MDR weiter berichtet. Mit rund 425.000 Euro wurde der Standort Chemnitz gefördert, für den Dresdener Standort hatte Unister bereits 970.000 Euro an Fördermitteln erhalten.

Update 30. September 2016 – Weitere Tochterfirmen melden Insolvenz an

Acht weitere Gesellschaften der Unister Holding mussten Insolvenz anmelden. Zudem sollen 66 der rund 1.000 Mitarbeiter entlassen werden, wie der Insolvenzverwalter Lucas Flöther mitteilt. Das sind allerdings weniger als die ursprünglich kommunizierten rund 100 Mitarbeiter. Künftig wolle man sich auf die wertvollen Kernsparten Flug und Touristik konzentrieren: „Hier liegen die Kernkompetenzen der Unister-Gruppe, die für Investoren hochattraktiv sind. Entsprechend hoch ist das Interesse potenzieller Käufer“, sagt Flöther. Andere Bereiche des Unternehmens sollen umstrukturiert oder an Investoren verkauft werden. Die beim Amtsgericht Leipzig eröffneten neuen Insolvenzverfahren betreffen acht Tochtergesellschaften des Internet-Konzerns, wie ein Sprecher des Amtgerichts am Freitag bekanntgab. 

Insolvenz wurde für folgende Gesellschaften angemeldet:

  • UNISTER Travel Betriebsgesellschaft mbH (Muttergesellschaft des Touristikgeschäfts der UNISTER Group)
  • UNISTER GmbH (Unter anderem Auto.de und Partnersuche.de)
  • U-Deals GmbH (Angebote von zeitlich befristeten Reisearrangements)
  • UNISTER Factory GmbH (Buchhaltung etc.)
  • CS 24 Call Support GmbH (Service Center)
  • Schilling Invest GmbH (Immobilienagentur)
  • HolidayReporter GmbH (Reisevermittlungsportal)
  • Urlaubstours GmbH (einziger Reiseveranstalter der Gruppe; Geschäftsbetrieb bereits bei Insolvenzantrag eingestellt)

Laut Flöther sollen sechs Interessenten für die Kerngeschäfte Flug und Touristik im Rennen sein. Zudem konnten die Lohnzahlungen wieder aus den laufenden Einnahmen des Unternehmens aufgenommen werden, da es Flöther nach eigenen Angaben gelungen ist, das Unternehmen aus den roten Zahlen herauszuführen.  

Update 7. Oktober 2016 – Insolvenzverschleppung: Schon 2015 hatten erste Tochterfirmen Geldsorgen

Einem Gutachten des Insolvenzverwalters zufolge soll Unister schon seit 2015 mit Geldproblemen zu kämpfen haben. Wie Lucas Flöther in seinem Bericht schreibt, sei es „nicht auszuschließen, dass einzelne Gesellschaften des Unister-Konzerns bereits seit dem Jahr 2015 zahlungsunfähig“ waren. Die Insolvenz wurde jedoch erst im Juli 2016 angemeldet. Der Vorwurf der Insolvenzverschleppung gegen den im Juli bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Geschäftsführer Thomas Wagner stehe demnach im Raum.

Die Angaben wurden laut Deutscher Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen bestätigt. Im weiteren Verlauf des Berichts beziffert der Insolvenzverwalter den Schuldenstand des Konzerns auf 58 Millionen Euro. Dem gegenüber stehe ein Vermögen von 14 Millionen Euro. Insgesamt wurden 25 Darlehen in Höhe von 82 Millionen Euro und firmeninterne Dienste in Höhe von 55 Millionen Euro getätigt. Seit dem Jahresbeginn 2016 fand keine Dokumentation der Geschäfte innerhalb des Konzerns mehr statt. Flöther spricht deshalb von einer „Verkettung mehrerer größtenteils vom Unternehmen selbst verursachter Umstände“, die zur Pleite von Unister führten.

Update 20. November 2016 – Das erste Unister-Portal wurde verkauft: kurz-mal-weg.de gehört nun Fit Reisen

Es hat einige Wochen gedauert, doch nun ist das erste Portal der insolventen Unister Gruppe verkauft worden. Der Reiseveranstalter Fit Reisen übernimmt den gesamten Geschäftsbetrieb von kurz-mal-weg.de. Dabei bleiben nach Angaben des zuständigen Insolvenzverwalters Lucas F. Flöther alle Arbeitsplätze und der Standort Leipzig erhalten. 

Fit Reisen ist nach eigenen Angaben ein führender deutscher Veranstalter von Gesundheits- und Wellness-Reisen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Das Angebot von kurz-mal-weg.de soll in die neugegründete KMW Reisen GmbH überführt werden und als 100-prozentige Tochter der FIT Gesellschaft für gesundes Reisen GmbH agieren. Markenname und Buchungsportal bleiben erhalten. Nils Asmussen, Geschäftsführer von Fit Reisen sagt: „Wir werden kurz-mal-weg.de zum größten Kurzeisen-Portal in Europa ausbauen. Hingegen wird sich die Webseite fitreisen.de in Zukunft auch hochwertige Gesundheitsreisen nach Europa und Asien fokussieren. Das ist die perfekte Kombination.“ 

Die Gläubiger haben der Übernahme bereits zugestimmt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Geschäftsübergang erfolt rückwirkend zum 1. November des laufenden Jahres. 

Update 23. Dezember 2016 – Rockaway Capital übernimmt ab-in-den-urlaub.de und fluege.de

Nach der Insolvenz von Unister wurde kurz vor Weihnachten noch ein großer Deal eingetütet: Die tschechische Beteiligungsgesellschaft Rockaway Capital übernimmt zum 31. Januar 2017 die beiden bekanntesten Unister-Portale ab-in-den-urlaub.de und fluege.de und darüber hinaus auch die Portale urlaubstours.de, reisen.de, billigfluege.de, reisegeier.de, hotelreservierung.de und TravelViva. 

Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagte gegenüber der „WirtschaftsWoche“, damit sei „die Grundlage geschaffen, die Reiseportale weiter zu alter Stärke zurückzuführen.“ Rockaway, spezialisiert auf den Kauf und die Entwicklung von Online-Geschäftsmodellen, will dem Vernehmen nach den Hauptstandort von Unister in Leipzig ausbauen. „Für die verbleibenden Unister-Gesellschaften läuft der Investorenprozess weiter“, so Flöther. „Ich bin sehr froh, das es nur rund fünf Monate nach Insolvenzantrag gelungen ist, einen starken Partner für das Unister Travel-Geschäft zu finden.“ Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Er soll aber dem Marktwert der Geschäftsbetriebe entsprechen.

shopping.de geht an den Betreiber von billiger.de

Außerdem verkauft wurde das Portal shopping.de. Hier hat mit der solute GmbH aus Karlsruhe ein deutsches Unternehmen den Zuschlag erhalten, das auch das Portal billiger.de betreibt. Bisher arbeiten zehn Mitarbeiter für billiger.de, jetzt kommen 15 weitere Mitarbeiter von shopping.de hinzu, die mit übernommen werden. Das 2.500 Quadratmeter große Lager von shopping.de in Leipzig soll erhalten und weitergeführt werden.

Update 31. Januar – Auch preisvergleich.de findet einen neuen Eigentümer

Einen Monat nach dem Verkauf von fluege.de und ab-in-den-urlaub.de hat sich auch ein neuer Besitzer für das Portal preisvergleich.de gefunden. Es wechselt inklusive der 13 Mitarbeiter zur Get AG, die ihren Sitz ebenso in Leipzig hat. Die Get AG übernehme wesentliche Teile des Geschäftsbetriebs inklusive der Markenrechte und der IT-Infrastruktur. Geplant sei, das Portal nachhaltig fortzuentwickeln und in ein neues Design zu hüllen. In einem weiteren Schritt sei zudem mit der Einstellung neuer Mitarbeiter zu rechnen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. 

Update 4. Februar – news.de hat einen neuen Eigentümer

Der Ausverkauf geht weiter: Das nächste Portal der Unister-Gruppe wurde verkauft. Das Boulevard-Medium news.de wurde laut eigenen Angaben von Unister an ein mittelständiges Familienunternehmen abgegeben. Die Abwicklung läuft dabei über den Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther, der sich jedoch, wie auch der Käufer über den Preis ausschweigt. Er sichert jedoch zu, dass „der Erwerber mit seinem breitem Know-how und seinem breit gefächerten Angebots-Portfolio der ideale Partner für news.de“ sei und „die Verbindung von journalistischer und digitaler Kompetenz, beste Voraussetzungen für die weitere Geschäftsentwicklung“ für news.de bietet. 

Der Käufer übernimmt dem Vernehmen nach den Geschäftsbetrieb, die Markenrecht und auch die IT-Infrastruktur. Alle 20 Arbeitsplätze, angesiedelt am Standort Leipzig, sollen trotz der Übernahme erhalten bleiben.

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