App zeigt, wer in der Nachbarschaft Schulden hat

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Pleite App
Bildquelle: DerKeiler
Eine neue App namens "Achtung pleite" zeigt genau, welche Firma oder Privatperson so hoch verschuldet ist, dass diese sich in einer Privatinsolvenz befindet. Die App ist legal – über das Internet kommt man an die Daten, die vom Gesetz her von Amtsgerichten öffentlich gemacht werden müssen. Experten kritisieren die App trotzdem.

Mit einer neuen App kann jeder detaillierte Informationen über Schuldner in seinem Umfeld und ganz Deutschland recherchieren. Das ist nichts Illegales – im Internet werden die eröffneten Insolvenzverfahren ohnehin vermerkt, dennoch stößt die App nun einigen Experten bitter auf. Die Datenbank, auf die die App namens „Achtung pleite“ zugreift, beinhaltet mehr als eine Million Privatpersonen und Unternehmen, die sich in einer Insolvenz befinden. Das entspricht einer Quote von rund 98 Prozent aller Insolvenzverfahren in Deutschland.

App befriedigt Voyeurismus

Die Insolvenzverfahren sind auf einer Deutschlandkarte eingezeichnet und können durch jeden, der die App für 2,99 Euro erworben hat, eingesehen werden. Dabei werden nicht nur Region und Straße der Schuldner angezeigt, sondern auch die Namen. Datenschutzrechtlich dient das zur Überprüfung der Bonität bei Personen und Firmen. Experten sehen den Hauptnutzen der App allerdings eher in Schnüffeln und Voyeurismus, denn Nutzer können mit der Suchfunktion im Umfeld nach insolventen Nachbarn oder Firmen suchen. Ein Kommentar in den Bewertungen der App bestätigt dies eindeutig: „Mit nur einer Suche kann ich einfach und schnell herausfinden, wer bei mir in der Stadt insolvent ist und habe direkt den ein oder anderen Bekannten entdeckt …“

Zielgruppe ist klar definiert

Anbieter der App ist die Firma „Der Keiler GmbH“ aus Ramsen. Die Firma stellt allerhand Datensammlungen über ihre Website zur Verfügung, wie zum Beispiel Mailinglisten und Newsgroups. Beworben wird die App, deren Logo ein Pleitegeier ist, als hilfreiches Tool für Vermieter, Ärzte, Handwerker und Autohäuser. Auf einen Blick soll man herausfinden können, wer eine gute Bonität hat oder welche Stadtteile oder Straßen besonders „kritisch“ in Bezug auf Kreditwürdigkeit sind. Der Werbeslogan lautet: „Jedes Jahr gibt es über 100.000 neue Privatinsolvenzen, sicher auch in Ihrem Umfeld.“

Daten dürfen nur begrenzt angezeigt werden

Datenschutzrechtlich darf die App allerdings nicht beliebig lange Daten speichern und bereitstellen. Auf der Seite insolvenzbekanntmachung.de ist vorgeschrieben, dass eine uneingeschränkte Suche gemäß § 2 der Verordnung zu öffentlichen Bekanntmachungen in Insolvenzverfahren im Internet nur innerhalb von zwei Wochen nach dem ersten Tag der Veröffentlichung möglich ist. Nach Ablauf dieser Frist ist lediglich die Detailsuche zulässig. Ob sich der Entwickler der App an die Frist hält, muss sich noch zeigen. Erste Suchergebnisse lassen allerdings darauf schließen, dass Daten in der App nicht dem vorgeschriebenen Zeitfenster entsprechen.

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