Siemens baut spezielle Zug-Fensterscheiben für besseres mobiles Internet

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Hochfrequenz-Fensterscheibe von Siemens
Bildquelle: Siemens
Wer im Zug reist, wird das Problem kennen, dass mobile Internetverbindungen oft nur mit deutlich reduziertem Tempo möglich sind - wenn sie überhaupt funktionieren. Zwar soll es in allen ICE-Zügen der Deutschen Bahn ab spätestens Ende 2016 möglich sein, kostenlos per WLAN im weltweiten Datennetz zu surfen, doch Siemens will das mobile Internet auf der Schiene auch auf eine andere Art und Weise revolutionieren.

Siemens-Forschern in Wien sei es gelungen, spezielle Hochfrequenz-Scheiben für Züge zu entwickeln, durch die er Empfangspegel für mobile Endgeräte massiv verbessert werde, teilte der Konzern mit. Anders als bei herkömmlichen Zug-Fensterscheiben, deren spezielle Beschichtung zum Wärme- und Sonnenschutz über eine spezielle Schicht auf der Glasscheibe den Mobilfunk spürbar beeinträchtigt, kommt bei den neu entwickelten Scheiben eine frequenzelektive Beschichtung zum Einsatz.

Neue Technik soll für besseren Mobilfunk im Zug sorgen

Lukas Mayer von Siemens Corporate Technology erklärt: „Die Fensterscheiben sind mit einer elektrisch leidenden, transparenten Schicht aus Metallen oder Metalloxiden versehen. Entlang von Linien in einer speziellen Struktur wird mittels Laser die metallische Beschichtung verdampft. Dadurch können Funksignale in bestimmten Frequenzbereichen ungehindert passieren, während Funksignale mit anderer Frequenz gedämpft werden.“ Konkret werden Funkwellen von 700 Megahertz bis 3,5 Gigahertz weniger stark abgeschirmt. Die feinen Linien in der Scheibe sollen kaum sichtbar sein.

Bisherige Lösungen hatten den Nachteil, dass sie nur in einem schmalen Frequenzbereich gut wirksam waren, während sich in anderen Bereichen die Durchlassdämpfung der Scheiben sogar verschlechterte, heißt es von Siemens weiter. „Mit unserer Lösung erreichen wir in einem mit Hochfrequenz-Scheiben ausgestatteten Waggon eine reduzierte Abschirmung, die für Hochgeschwindigkeitszüge einer 50-fach stärkeren Signalleistung in Mobilfunkbändern entspricht. Messungen mit einem modifizierten ÖBB Railjet haben ergeben, dass sich die Zeitdauer, in der ein guter LTE-Empfang verfügbar ist, um 33 Prozent erhöht“, sagt Mayer.

Einsatz in Deutschland schon fest eingeplant

Für Bahn-Unternehmen ist die Anschaffung der Fenster nach Angaben von Siemens zwar teurer, sollen sich langfristig aber trotzdem rechnen. Die Scheiben sind nicht nur für heutige Frequenzbänder, sondern auch für künftige Mobilitätsstandards geeignet. Neue Mobilfunkservices seien dadurch ohne weitere Investitionen – etwa durch Installationen spezieller Technik – für die Fahrgäste verfügbar. Bei bestehenden Waggons sei ein nachträglicher Einbau jederzeit möglich. Fest steht schon jetzt: Ab Ende 2018 werden die neuen Scheiben im Rhein-Ruhr-Express (RRX) zum Einsatz kommen.

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