Handy-Mythen rund ums Fliegen: Der Flugmodus

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Lufthansa A340 startet am Flughafen München.
Bildquelle: Flughafen München
Eine Frage, die in der Urlaubssaison immer wieder aufkommt: Was passiert eigentlich, wenn man das Smartphone bei Start, Landung und während eines Fluges einfach nicht ausschaltet beziehungsweise in den Flugzeugmodus versetzt? Die Antwort: Nichts gefährliches. Dies bestätigt zumindest ein Flugerfahrener Pilot in einem aktuellen Interview.

In den vergangenen Jahren ist das Bemühen der Flugzeugbesatzung, die Passagiere zu ermahnen, ihre Handys und Elektrogeräte bei Start und Landung aus- und während des Fluges in den entsprechenden Modus zu stellen, immer kleiner geworden. Eine kurze Ansage gibt es in der Regel noch, eine wirkliche Kontrolle, wie noch vor wenigen Jahren üblich, erfolgt längst nicht mehr.

Über unbegründete Sorgen

Der Blog Airline-Updates hat das Interview mit einem Piloten geführt und gibt Aufschluss über den Mythos Flugmodus. Zur Urlaubssaison kommt die Thematik wieder hoch, das wichtigste vorweg: Auch wenn der Sitznachbar unmittelbar vor dem Start noch eine SMS versendet, ist das kein Grund zur Panik. Der Passagier verstößt zwar offiziell gegen die Regularien, Gefahr für Leib und Leben der anderen besteht allerdings keineswegs.

Der gefragte Pilot berichtet, dass es höchstens zu Handy-Störgeräuschen kommen kann, mittlerweile allerdings ein immer selteneres Problem. Das bekannte „dit-dit-dit“, das Interferenzgeräusch, das auch auftritt, wenn man mit einem funkenden Handy zu nah an Lautsprecher kommt, hört der Pilot dann über sein Headset. Wenn überhaupt, wird dadurch der reibungslose Funkverkehr zwischen Cockpit und Tower gestört. Dem Pilot zufolge hört er das Geräusch schätzungsweise nur bei jedem zwanzigsten bis dreißigsten Flug. Eine Einschränkung der Technik an Bord ist durch Handystrahlung überhaupt nicht gegeben. Der Pilot weiter: „Wenn Sie mich fragen, Handystrahlung stört, sage ich ja. Ob sie gefährlich ist? – Nicht wirklich.“ Es sei mitunter zwar nervend, wenn der eigentlich nötige Funkkontakt für wenige Sekunden aussetzen müsse, allerdings sei man als Pilot für andere Herausforderungen trainiert worden als für zwei bis drei Sekunden Funkausfall. Die Gefahr, die von einem eingeschalteten Handy ausginge, sei deutlich geringer als jene von hunderten anderen möglichen Zwischenfällen während eines normalen Fluges.

Der Hintergrund der Thematik: Eingeschaltete Handys sind permanent auf der Suche nach Funksignalen. Gerade im GSM-Netz herrscht ein reger Funkverkehr zwischen zahlreichen Handys und den nächsten Funkzellen. Dazu gesellt sich noch das wesentlich schwächere Signal des Endgeräts auf der Suche nach einer WLAN-Verbindung. Bei letzterem sind die beschriebenen Interferenzen nicht zu hören. Das Problem, das der Passagier möglicherweise noch hat ist folgendes: Auf der normalen Reisehöhe eines Flugzeuges ist das Mobilfunknetz sehr rar: Da das Handy selbst allerdings weiter nach einem Netz sucht und keines findet, entleert sich der Akku weitaus schneller als bei stabiler Netzabdeckung. Technisch gilt: Die meisten Interferenzen werden durch das GSM-Netz verursacht. UMTS, LTE, Bluetooth und WLAN sorgen weitaus weniger Störgeräusche. Auf der anderen Seite steht das Flugzeug. Laut dem Piloten sinkt die Anfälligkeit der Funksysteme für Interferenzen mit der zunehmenden Größe des Flugkörpers, weniger mit dem geringeren Alter.

Moderne Smartphones vs. ältere Handys

Eine Entwicklung hat es nicht nur bei der Bord-Technik der Flugzeuge gegeben, die weniger Störungsanfällig ist. Auch die Abschirmung der Handys selber ist besser geworden. GSM-Funkwellen seien die schlimmsten, so der Pilot. Je moderner die Handys umso geringer die Wahrscheinlichkeit einer Störung.

Ein weiterer Punkt ist die Aufteilung des Flugzeugs. Die Funkrelevante Technik sitzt im Cockpit. Je näher das oder die eingeschalteten Handys dem Cockpit sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Störgeräusche entstehen: Da sich insbesondere auf Langstreckenflügen in großen Maschinen zwischen Cockpit und Kabine ein Bereich für die Crew befindet, ist sogar die Annahme gültig, dass wenn Handystörgeräusche auftreten, diese von einem Handy der Crew selber herrühren. Scherzhaft fügt der Interviewte hinzu, jedes dritte Mal sei es sogar der Copilot, der das Handy angelassen habe.

Der nächste Mythos: Bei Start und Landung Handy aus!

Neben der Vorgabe, während des Fluges das Gerät nur im Flugmodus zu verwenden, gibt es auch diese, dass während Start und Landung das Handy ganz aus sein solle. Dies dient offenbar nur der Vorsorge, dass die Passagiere aufmerksam sind und sich ganz dem Geschehen um sie herum und möglichen Anweisungen des Bordpersonals widmen können.

Die neue Richtlinie seit 2014

Vor zwei Jahren hat die Europäische Aufsichtsbehörde für Flugsicherheit (EASA) erlassen, dass europäische Airlines im Sinne der Flugsicherheit zumindest innerkontinental keinem Zwang mehr unterliegen, ihren Passagieren die Handynutzung während des Fluges zu untersagen. Die meisten Airlines empfehlen oder gebieten ihren Kunden die Nutzung nur im Flugmodus. Der Grund dahinter ist einfach: Wenn 300 Menschen im Flugzeug auf engstem Raum sitzen, geht ein zu laut geführtes Telefongespräch durchaus auf Kosten des Komforts der Mitreisenden. Telefonate sind daher in der Regel auch verboten. Die Bereitstellung des Empfangs auf Flughöhe sei sowieso fast nur durch WLAN gegeben – ein aufwendiger Service auf 12.000 Metern, der bislang nur von wenigen Airlines mit entsprechender Zuzahlung gewährt wird.

Der internationale Luftverkehr geht insgesamt noch den konservativen Weg, moderne Kommunikation im Flugzeug als grundsätzlich nicht nötig zu erachten. Vielmehr solle man die wenigen Stunden über den Wolken zur Entspannung nutzen. Vielleicht liegt man damit – trotz teils fehlender Beinfreiheit – gar nicht mal so falsch.

Tipps&Tricks: Das Smartphone im Urlaub

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