Hier hilft das Smartphone über die Straße: Apps für Blinde und Sehbehinderte im Test

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Apps für Blinde und Sehbehinderte
Bildquelle: inside-handy.de / Stiftung Warentest
Das Smartphone hat sich als ständiger Begleiter und als sinnvolle Ergänzung im Alltag etabliert. Über die Unverzichtbarkeit der Geräte kann man streiten. Für Personen mit Handicap kann dieses Attribut allerdings schon heute zutreffen. Insbesondere für Blinde und Sehbehinderte gibt es einen ganzen Markt an Gadgets und vor allem Apps zur Alltagshilfe. Die Stiftung Warentest hat getestet.

Insgesamt zehn Apps – sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige – wurden unter besonderer Berücksichtigung der Barrierefreiheit, der Vielseitigkeit, der Transparenz und des Datensendeverhaltens untersucht. Die Barrierefreiheit wurde als Königsdisziplin betitelt.

Laut Stiftung Warentest konnten viele Apps überzeugen. Bei den Testurteilen wurde unterschieden und bewertet, inwiefern eine App sich für Blinde oder für Sehbehinderte eignet. Außerdem wurde differenziert, wie die einzelne App sich abhängig vom Betriebssystem schlägt. Hier standen iOS (9.2.1) und Android (5.1.1) zur Auswahl. Als Hardware-Grundlage dienten ein Samsung Galaxy S6 und ein iPhone 6s. Beim durchgeführten Probandentest kamen Phablets mit größerem Display zum Einsatz: Ein Samsung Galaxy Note 5 und ein Apple iPhone 6s Plus.

Die untersuchten Apps im Überblick

Zur Navigation

  • BindSquare
  • ViaOpta Nav

Zur Objekterkennung

  • Barcoo
  • TapTapSee

Zur Texterkennung

  • KNFB Reader
  • Text Detektiv

Zur Unterhaltung

  • Audible
  • Kubuus

Apps mit Lupenfunktion

  • Lupe+Licht
  • Quick Magnifier

Testsieger gibt es in dem Sinne nicht. Es wird lediglich verbal eingeschätzt, wo die App punktet und mittels der Parameter „entfällt“, „mittel“ und „hoch“ angegeben, inwiefern die App in Abhängigkeit des Betriebssystems für Blinde und /oder Sehbehinderte geeignet ist.

So ist die App BlindSquare zur Navigation für Android-Nutzer nicht nutzbar, da sie nur für iOS angeboten wird. Hier hilft sie laut Testurteil Blinden Menschen jedoch sehr, für Sehbehinderte gibt es die Wertung „Mittel“. Auch auf den Kostenpunkt von 30 Euro wird hingewiesen. Dem entgegen steht die vom Pharma-Konzern Novartis entwickelte Navigations-App ViaOpta Nav, die besonders mit ihrer einfachen Bedienbarkeit punkten konnte. Diese App ist für Blinde (Wertung: „hoch“) besonders geeignet, sie ist kostenlos und für beide getesteten Betriebssysteme verfügbar.

Laut der Beschreibung arbeitet BlindSquare vorwiegend mit der Sprachausgabe, während ViaOpta Nav ein haptisches Signal aussendet, wenn das Smartphone in die richtige Richtung ausgerichtet ist. Per Sprachausgabe werden Hindernisse, Entfernungen und Querstraßen vorausgesehen. Allerdings schien die App beim Probandentest nicht immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Das war gut, das war schlecht

Nach diesem beschriebenen Schema wurden auch die weiteren Apps getestet und bewertet. Wenn es so etwas wie einen Testsieger gab, dann möglicherweise die App KNFB Reader: Sie lässt Texte einscannen und gibt diese entweder vergrößert auf dem Display wider, was für Sehbehinderte Nutzer konzipiert ist, oder gibt sie per Sprachausgabe für Blinde wider. Die Sprachausgabe ist im Gegensatz zu den meisten anderen Apps in der App installiert und daher speziell für die Bedürfnisse der App-Anwender konzipiert, KNFB greift also nicht auf die in Android oder iOS implementierte Sprach-Software zurück. Somit kann die App viermal die Wertung „hoch“ einstreichen. Allerdings ist sie mit dem Kostenpunkt von 100 Euro auch die teuerste App. Vorteil für Android-Nutzer: Interessierte Anwender können die App testen und sie bei insgesamt 25 Scans ausprobieren.

Eher eine schlechtere Bewertung erhielten die Apps Kubuus und Lupe+Licht. Zwar boten sie inhaltlich das, was sie versprachen, allerdings erwies sich die Bedienbarkeit und die Oberfläche als nicht ganz einfach. Des Weiteren wurde kritisch bemerkt, dass vier der getesteten Android-Apps ein merkwürdiges Datensendeverhalten aufwiesen: So wurden unnötigerweise Daten zur Geräteerkennung an bekannte US-basierte Datensammler gesendet.

Den ausführlichen Test kann man in der in dieser Woche (24.06.2016) erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift „Test“ nachlesen. Online findet man ihn hier.

Die besten Apps für Blinde und Sehbehinderte

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