Ausfallsicheres Netz für die Zukunft

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Funknetzmast von O2
Bildquelle: Telefónica
Der 11. Juni 2016 wird in die Konzerngeschichte der Telekom als "Schwarzer Samstag" eingehen. Stundenlang war das Mobilfunknetz des Bonner Konzerns nicht erreichbar. Die Kunden guckten in die Röhre, als ein Datenbankfehler die Telekom-Techniker aus dem Wochenende riss. Nur zwei Tage zuvor war von "Null-Fehler-Prinzip" die Rede gewesen. Eine Lösung könnte ein National-Roaming-Abkommen zwischen Telekom und Vodafone sein. Auch O2 hat Interesse angemeldet.

In Berlin kamen am 9. Juni 2016 150 Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen um die erste Zero-Outage-Konferenz abzuhalten. Eröffnen durfte diese ironischerweise der Telekom-Manager Ferri Abolhassan und stellte in seiner Präsentation fest: „Alle Industrien rüsten sich für die digitale Zukunft, aber eine breite Qualitätsvorsorge für die benötigte technische Infrastruktur ist noch nicht selbstverständlich.“ Auch sein Arbeitgeber hatte seine Hausaufgaben noch nicht gemacht, wie sich zwei Tage später zeigen sollte.

Dass Verbraucher nicht mobil surfen oder telefonieren können, dürfte in Zukunft eher eine untergeordnete Rolle spielen. Denn im Internet der Dinge können ausfälle jeder Art unangenehme Folgen haben. Auch deshalb ist das von der Telekom propagierte Null-Fehler-Prinzip für die Gesellschaft der Zukunft unabdingbar: „In vier Jahren kommen auf jeden Deutschen, vom Baby bis zum Greis, rund zehn vernetzte Geräte“, sagte Cisco-Deutschlandchef Oliver Tuszik der Zeitung „Die Welt“. „Diese Geräte werden nicht alle bei uns zu Hause stehen, sondern werden unsere Städte, Fabriken und vieles andere ’smart‘ machen.“ Der Netzwerkspezialist erwartet, dass es im Jahr 2020 in Deutschland 767,5 Millionen vernetzte Geräte gibt, Tendenz steigend. Überwiegend werden dies Geräte sein, die nicht direkt mit Menschen kommunizieren, sondern die Infrastruktur am Laufen halten. Einen Ausfall dieser Technik möchte man sich nicht ausmalen.

Am „schwarzen Samstag“ konnten Telekom-Kunden nicht nur nicht telefonieren; wenn sie Pech hatten, haben sie den Netzausfall noch an anderer Stelle zu spüren bekommen – so wie alle anderen auch. Etwa wenn sie ein Auto vom Carsharing-Dienst car2go mieten wollten. Zur Anmietung muss zumindest das Auto über eine Internetverbindung verfügen, neuere Modelle können nur noch über die Smartphone-Apps des Unternehmens geöffnet werden.

Das zum Daimler-Konzern gehörende Unternehmen car2go ist Kunde bei der Telekom. Zwar steht den car2go Fahrzeugen im Falle eines Funklochs auch noch ein Alternativnetz zur Verfügung, wenn die SIM-Karte des Fahrzeugs jedoch nicht authentifiziert werden kann, greift auch diese Möglichkeit nicht. So standen die Fahrzeuge in zwei Dritteln aller europäischen car2go-Städte still.

National Roaming als Weg zum Null-Fehler-Prinzip

Netzstörungen sind nicht selten. Allein in den vergangenen Monaten kam es mehrfach zu Ausfällen. Sowohl das Netz der Telekom, als auch das der Konkurrenten Vodafone und Telefónica blieben davon nicht verschont.

Wie „Die Welt“ berichtet, können Telekom und Vodafone sich vorstellen, das Problem gemeinsam zu lösen. Nach Informationen der Tageszeitung laufen zwischen Bonn und Düsseldorf bereits Gespräche auf technischer Ebene über eine Lösung für Netzausfälle. Konkret könnte dies auf ein National-Roaming-Abkommen zwischen den beiden D-Netzbetreibern hinauslaufen. Kunden von O2 oder Base kennen das Prinzip: Zwei Netze sind besser als eins – steht ein Netz nicht zur Verfügung springt automatisch das andere ein. „Wir stehen hier noch ganz am Anfang“, räumt ein Telekom-Sprecher gegenüber der „Welt“ ein. Zumindest im zukünftig immer wichtigeren Bereich der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation könnte dies die nötige Sicherheit schaffen. Ob Endkunden davon profitieren werden, bleibt hingegen fraglich.

Überwachungsverein soll Regeln aufstellen

Eine kaputte Datenbank wie am „schwarzen Samstag“ nützt auch dem stabilsten Netz wenig. Die Telekom möchte deshalb nun mit zehn Partnern aus der IT-Industrie einen Verein gründen, der Industriestandards zur Ausfallsicherheit festlegt und überwacht. Dies könnte etwa umfassen wie lang Reaktionszeiten bei Störungen ausfallen dürfen, welche Komponenten in kritischen Infrastrukturen verbaut werden dürfen und welche Mindestqualifikation Mitarbeiter haben müssen.

Update, 04.07.2016: Auch O2 hat Interesse an einer Ausfall-Allianz

Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, will auch der Netzbetreiber O2 mit seinem Netz an einer Ausfall-Allianz mitwirken. Damit wären die drei größten Mobilfunkanbieter des Landes in einem Boot und würden ihr Netz idealerweise und im Falle des Falles für den Konkurrenten bereitstellen. Laut dem Bericht gehe es vorrangig darum, kritischen infrastrukturen wie Krankenhäuser oder Energieversorgern ein lückenlos funktionierendes Netz bereitzustellen.

In diese Richtung sollen bereits erste Gespräche stattgefunden haben. Möglicherweise ist eine engere Zusammenarbeit der größten Mobilfunker längst überfällig. Gerade durch die Vernetzung von vielen Geräten, vom Herzschrittmacher, der mobil Alarm schlägt, bis zur Heizungs-Fernsteuerung ist eine sichere und vollkommene Netzabdeckung unausweichlich. 

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