Eine kurze Geschichte der Spielekonsole

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Auf den Tag genau vor 40 Jahren, am 29. November 1972, wurde im kalifornischen Sunnyvale die Ära der Videospiele eingeläutet, als Atari-Gründer Nolan Bushnell in einer Bar den ersten Automaten mit dem heute legendären Spiel "Pong" aufstellte. In jenem Jahr begann auch die Erfolgsstory der Heimkonsole, für die mit dem Start von Nintendos Wii U jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. inside-digital.de blickt zurück auf 40 Jahre Spielekonsole.

Magnavox Odyssey – Der Pionier aus Kalifornien

Wenn man nach dem ersten Videospiel fragt, wird oft „Pong“ genannt, das extrem simple Tennis-Spiel von Atari. Tatsächlich hatte bereits 1958 der Physiker William Higinbotham einen Vorläufer dieses Erfolgsgames entwickelt und an seinem Nuklear-Forschungslabor in New York Besuchern vorgeführt. Das „Tennis for Two“ genannte Spielsystem, bei dem mittels zweier Kästchen mit einem Knopf ein digitaler „Ball“ über einen Oszilloskop-Bildschirm bewegt wird, wurde begeistert aufgenommen und legte quasi den Grundstein für „Pong“.

In Deutschland geboren und 1938 in die USA ausgewandert, griff dieses Konzept Mitte der 60er-Jahre auf und überredete den HiFi-Hersteller Magnavox zum Bau einer Heimkonsole. 1972 erblickte die Magnavox Odyssey als erste Spielekonsole das Licht der Welt. Das System besteht aus der Konsole, zwölf Steckplatinen mit unterschiedlichen Spielarten, zwei Controller-Kästchen mit Drehknöpfen sowie zwei Schablonen, die über den Fernsehbildschirm gelegt werden und ein Tennis- bzw. ein Eishockey-Feld darstellen sollen. Die Odyssey kostete 100 Dollar, verkaufte sich aber trotz eines TV-Werbespots mit Frank Sinatra im ersten Jahr nur 100.000-mal.

1978 legte Magnavox die Odyssey 2 nach, doch da hatte Atari bereits den Weltmarkt für sich erobert. Immerhin kassierte Magnavox im Laufe der Jahre über 100 Millionen Dollar an Lizenzgebühren von Firmen, die das Spielkonzept kopiert hatten – darunter auch 700.000 Dollar von Atari.

Atari – Welterfolg dank „Pong“ (und trotz „Pac-Man“)

Nolan Bushnell, ehemaliger Mitarbeiter eines Münzspielautomatenherstellers, gründete 1972 sein eigenes Unternehmen namens Atari. Nachdem er zuvor bereits das Magnavox-Ping-Pong-Spiel auf der Odyssey ausprobiert hatte, entwickelte er ein eigenes Automaten-Tennisspiel und nannte es schlicht „Pong“ – der Beginn einer beeindruckenden Erfolgsstory.

Nach umsatzstarken Jahren durch Automatenverkäufe entschloss sich Atari, 1975 „Pong“ auch als Heimvideokonsole auf den Markt zu bringen, die man an den Fernseher anschließen kann. In den Wochen vor Weihnachten standen die Menschen angeblich stundenlang Schlange, um eines der 100-Dollar-Geräte zu ergattern – ein Phänomen, das man heute nur noch von Apple Stores kennt. 1975 arbeiteten übrigens auch die späteren Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak kurzzeitig an der Pong-Konsole mit.

Atari machte inzwischen Jahresumsätze von 40 Millionen Dollar und wurde 1976 an den Medienkonzern Warner Communications verkauft. 1977 folgte mit dem Videogame Computer System Atari VCS, später in Atari 2600 umbenannt, ein Meilenstein der Konsolengeschichte.

Das VCS kostete 250 Dollar und wurde mit zwei Joysticks sowie dem Spiel „Combat“ ausgeliefert. Die Konsole besaß einen Einschub für Spiele-Kassetten, die für damals günstige 40 Dollar angeboten wurden. Nachdem sich Atari diverse Lizenzen von Spielen und Filmen wie „Pac-Man“, „Space Invaders“ oder „E.T.“ gesichert hatte, schoss der Absatz des VCS durch die Decke. Über 30 Millionen Stück konnte das Unternehmen insgesamt verkaufen und damit mehr als fünf Milliarden Dollar einnehmen – ein sensationeller Erfolg, an den Atari mit den Nachfolgemodellen 5200 und 7800 nicht anknüpfen konnte. Das lag auch an den Konkurrenten Coleco und Mattel.

ColecoVision & Intellivision – Die Herausforderer

Erste Erfolge feierte die Connecticut Leather Company schon 1976 mit dem Coleco Telstar. Von den verschiedenen Telstar-Modellen (Ranger, Alpha, Colortron, Combat, Arcade) konnte Coleco über eine Million Einheiten absetzen. 1982 kam mit der ColecoVision das Erfolgsmodell des US-Unternehmens auf den Markt. Die Konsole brachte die größten Spielhallen-Games wie „Donkey Kong“ oder „Zaxxon“ mit Top-Grafik und -Sound auf den Fernseher. Ein Verkaufsschlager war auch das optionale Lenkrad mit Pedalen, was es bis dato so noch nicht gegeben hatte. In TV-Werbespots ließ es sich Coleco auch nicht nehmen, die Überlegenheit seiner Konsole gegenüber Atari herauszustellen.

Als Clou ermöglichte ein spezielles Modul das Spielen von Atari-2600-Games, was die ColecoVision faktisch zur Heimkonsole mit den meisten verfügbaren Games am Markt machte. Etwa zwei Millionen Geräte konnte Coleco insgesamt verkaufen.

Vom Atari-Erfolg angesteckt, versuchte sich auch der Spielzeughersteller Mattel an einer Heimkonsole. Nach erfolgreichen Testverkäufen kam 1980 die Intellivision (Intelligent Television) für 250 Dollar auf den Markt. Der Preis lag zwar über dem der Atari VCS, dafür war die Intellivision aber auch mit 16 darstellbaren Farben und 3-Kanal-Sound ausgestattet und der Atari technisch überlegen – worauf der Hersteller im TV-Spot auch genüsslich hinwies.

Allein im Jahr 1982 machte Mattel mit der Intellivision 100 Millionen Dollar Gewinn. 1983 guckte man sich zudem bei Coleco das Modul für Atari-Spiele ab. Insgesamt konnten über drei Millionen Intellivision-Konsolen verkauft werden.

1983 – Der große Crash

Im Jahr 1982 machten die Hersteller mit Heimkonsolen und Videogames einen geschätzten Umsatz von fast einer Milliarde Dollar, 1983 waren es bereits über drei Milliarden. Atari hatte sich von den Marktanteilen zwei Drittel gesichert, doch die New Yorker ruhten sich auf ihrem Erfolg aus, anstatt ihre Erfolgskonsole VCS 2600 konsequent weiterzuentwickeln.

Das System war inzwischen technisch veraltet, und Spiele wie „Pac-Man“ wurden zwar ihres Namens wegen gekauft, waren jedoch grafisch miserabel umgesetzt. Vom Spiel „E.T.“ wurden fünf Millionen Einheiten produziert, doch nur eine Million wurde verkauft – bis heute angeblich der größte Flop in der Geschichte der Videogames. Der 1982 veröffentlichte 2600-Nachfolger Atari 5200 war technisch auch nicht der große Wurf und zudem nicht mit den 2600er-Spielen kompatibel. Außerdem war der Spielemarkt inzwischen übersättigt – und dann kam auch noch der C64.

C64 – Ein Brotkasten erobert die Wohnzimmer

Das US-Unternehmen Commodore Business Machines feierte erste Erfolge mit dem Heimcomputer-Modell VC-20 (in den USA VIC-20 genannt). In einem TV-Werbespot mit William Shatner machte man sich über die Vergleichswerbung von Atari und Mattel lustig.

Anfang 1982 brachte Commodore den C64 mit zur Elektronikmesse CES nach Las Vegas. Noch im gleichen Jahr kam der Commodore 64 in den USA für 600 Dollar in den Handel, 1983 folgte der Marktstart in Deutschland für 1.500 DM (der Preis wurde kurze Zeit später auf 700 DM gesenkt). Für das Geld erhielt der Kunde einen „Personal Computer“, wie auf dem Gerät zu lesen war, der zugleich als Spielmaschine diente.

Der vergleichsweise günstige Preis in Kombination mit einer rasch wachsenden Zahl an verfügbaren Spielen und dem Vertrieb über Kaufhäuser, Supermärkte und Versandhäuser machten den C64 zu einem Bestseller. Der wegen seines Designs von deutschen Besitzern „Brotkasten“ genannte Rechner gilt heute als der meistverkaufte Computer aller Zeiten, wobei . Den klassischen Spielekonsolen machte er jedenfalls kurzzeitig den Garaus.

1985 – Nintendo betritt die Bühne

Zu Beginn der 80er-Jahre machte Nintendo sich in Japan einen Namen mit Automaten für Spielhallen. Die erste Heimkonsole Famicom (Family Computer), 1983 in Japan erschienen, wurde schnell zum Verkaufsschlager. Als die Konsole 1985 auch in den USA als Nintendo Entertainment System (NES) für 200 Dollar auf den Markt kam, bedeutete dies den Beginn einer zweiten Ära der Videokonsolen.

62 Millionen Geräte verkaufte Nintendo im NES-Zyklus, und das erfolgreichste NES-Spiel „Super Mario Bros.“ war bis 2008 mit 40 Millionen Stück das meistverkaufte Videospiel aller Zeiten (dann wurde dieser Rekord von „Wii Sports“ gebrochen). Vom NES-Nachfolger Super-NES (SNES) konnte Nintendo ab 1990 ebenfalls fast 50 Millionen Stück absetzen, und auch die Nintendo 64 (33 Mio. ab 1996) und der GameCube (22 Mio. ab 2001) verkauften sich bestens. Das Meisterstück aber legte Nintendo erst mit der Wii ab.

Sega -Verstärkung aus Japan

Konkurrenz entstand Nintendo Ende der 80er-Jahre zunächst nur im eigenen Land: Das Unternehmen Service Games of Japan (SEGA) hatte noch vor dem Crash 1983 mit der SG-1000 eine Duftmarke im Heimkonsolen-Wald gesetzt. Der 16-Bit-Nachfolger Sega Mega Drive kam, nach schwierigen Jahren für den Hersteller, 1988 in Japan und 1990 in Europa auf den Markt. Spiele wie „Sonic“ und „Virtua Fighter“ verhalfen der Konsole zu einem regelrechten Boom.

40 Millionen Geräte brachte Sega weltweit unters Volk. Die Weiterentwicklungen Sega CD, Saturn und Dreamcast waren – auch wegen Sonys Playstation – weit weniger erfolgreich, sodass sich Sega 2001 dazu entschloss, sich aus dem Konsolengeschäft zurückzuziehen und auf die Entwicklung von Spielen zu konzentrieren.

Die Playstation – Sonys Geniestreich

Schon mit der ersten Playstation von 1994 stürzte Sony den Marktführer Nintendo vom Konsolen-Thron. Ursprünglich hatten die beiden japanischen Kontrahenten vereinbart, dass Sony ein CD-Laufwerk für Nintendos SNES entwickelt und im Gegenzug SNES-Technik für eine eigene Konsole nutzen darf. Dann entschied sich Sony doch zu einem eigenen Projekt namens Playstation.

Die Spiele für die „PS One“ kamen auf CD, was die Herstellungskosten senkte und gleichzeitig die Speicherkapazität steigerte. So war mehr Platz für Videosequenzen, Sprachausgabe und echte Musik vorhanden. Für Fans war das Kopieren der Spiele auf CD-ROMs ein zusätzlicher Kaufanreiz für die Konsole. Mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren liegt die Playstation bis heute auf Platz 2 der ewigen Verkaufscharts.

Noch besser lief es mit dem Nachfolger: Die Playstation 2 wurde seit ihrem Marktstart im Jahr 2000 über 154 Millionen Mal verkauft – fraglich, ob es jemals eine erfolgreichere Heimkonsole geben wird. Die PS2 war kompatibel zu PS1-Spielen, besaß einen Einschub für eine Festplatte und konnte dank ihres DVD-Laufwerks auch zum Filmgucken genutzt werden. 2003 kam zudem die USB-Kamera „EyeToy“ auf den Markt, die Bewegungen des Spielers auf den TV-Schirm übertrug. Erfolgreichstes PS2-Spiel mit mehr als 18 Millionen verkauften Einheiten war „Grand Theft Auto: San Andreas“.

2006 machte Sony mit der Playstation 3 einen weiteren Entwicklungsschritt: Die Konsole besaß als erste und bisher einzige ein Blu-ray-Laufwerk, war außerdem mit einer internen Festplatte ausgestattet und konnte via DLNA in ein Heimnetzwerk eingebunden werden. An den Fernseher angeschlossen wurde sie über HDMI, den aktuellen Standard für optimale Bild- und Tonqualität. Regelmäßige kostenlose Software-Updates übers Internet spendierten der PS3 zudem immer mehr Zusatzfeatures; so kann sie inzwischen stereoskopische Spiele und Filme in 3D wiedergeben.

Das erste Modell für Europa kostete noch 600 Euro, eine abgespeckte zweite Version nur noch 400 Euro. Die Playstation 3 „Slim“ von 2009 war leichter, kleiner und stromsparender und kostete nur noch 300 Euro. Vor Kurzem kam , das mit 500-GB-Festplatte 300 Euro und mit 12-GB-Flashspeicher 230 Euro kostet. Die weltweiten Verkaufszahlen der PS3 hinken ihren Vorgängern noch hinterher; etwa 70 Millionen Stück konnte Sony bisher an den Mann bringen.

Xbox – Ein Softwaregigant betritt den Plan

Rund 70 Millionen Einheiten konnte auch Microsoft . Angefangen hatte der Software-Riese 2001 mit der ersten Xbox, die zu großen Teilen aus PC-Komponenten bestand. Erfolgstitel wie „Halo“, „Dead or Alive“ oder „Oddworld“ waren vom Start weg dabei. Der deutsche Verkaufspreis von 480 Euro wurde schnell auf 300 und später auf 250 Euro gesenkt. 2005, als der Nachfolger Xbox 360 auf den Markt kam, verscherbelte Microsoft die Xbox für 100 Euro. Obwohl etwa 24 Millionen Geräte verkauft wurden, machte der Konzern geschätzte vier Milliarden Dollar Verlust mit der Konsole – Sonys Playstation war einfach zu mächtig.

Mit der Xbox 360 trat Microsoft 2005 dann gleichzeitig gegen Sonys PS3 und Nintendos neue Wii an. Die HD-fähige Box mit DVD-Laufwerk erhielt per Internetverbindung Zugang zu Microsofts Online-Netzwerk Xbox Live, wo Nutzer Spiele kaufen und herunterladen oder im Mehrspielermodus online gegeneinander antreten können. Die Xbox 360 liegt mit 70 Millionen Verkäufen gleichauf mit Sonys PS3 – von den drei aktuellen stationären TV-Konsolen bleibt allerdings Nintendos Wii die erfolgreichste.

Die Wii – Riesenerfolg durch Innovation

Nintendo verfolgte 2006 eine andere Strategie mit seiner neuen Konsole: Die Wii sollte vor allem Neukunden anlocken, die sich bislang nicht für Videospiele interessiert hatten. Dies versuchten die Japaner mit einer einfach zu bedienenden Steuerung und vergleichweise simplen Spielen zu erreichen, was mit durchschlagendem Erfolg gelang.

Die Wii besaß einen neuartigen Controller, der mit Bewegungssensoren ausgestattet war. In Zusammenarbeit mit einer Sensorleiste, die auf dem Fernseher befestigt wurde, erfasste der „Wiimote“ genannte Controller die relative Position des Spielers im Raum und ermöglichte so die intuitive Steuerung der Spielfigur auf dem TV-Schirm. Die „Wiimote“ besaß eine Infrarotkamera, einen Beschleunigungssensor und einen eingebauten Lautsprecher und kommunizierte via Bluetooth kabellos mit der Wii. Besonders Sportspiele waren auf der Konsole erfolgreich, aber auch Adaptionen von Klassikern wie „Super Mario“, „Donkey Kong“, „Sonic“ oder „Zelda“.

Das Konzept war so erfolgreich, dass Sony (mit Move) und Microsoft (mit Kinect) ebenfalls . Die Wii hatte aber auch ihre Nachteile: Aus Kostengründen verzichtete Nintendo auf diverse Features, die bei der PS3/Xbox-Konkurrenz obligatorisch waren. So unterstützte die Wii keine HD-Inhalte, und Filme auf DVD konnten auch nicht abgespielt werden. Trotzdem konnte Nintendo bis heute fast 100 Millionen Geräte absetzen.

The next Generation

Mit der neuen Wii U läutet Nintendo jetzt die nächste Konsolengeneration ein. Eine leistungsfähigere Konsole gepaart mit einem erneut revolutionären Controller mit integriertem Display soll dem Konzern einen zweiten Wii-Boom bescheren. Die Konkurrenz wartet noch ab: Weder zur Playstation 4 noch zur Xbox 720 – sollten sie denn tatsächlich diese Namen erhalten – gibt es gesicherte technische Daten oder gar einen Release-Termin. Bis dahin dürfte ein weiterer Player das Spielfeld bereits betreten haben:  ist eine auf dem mobilen Betriebssystem Android basierende Spielekonsole, die im April 2013 für nur 99 Dollar auf den Markt kommen soll. Alle Spiele werden gestreamt und sind kostenlos – ein potenziell gefährliches Konzept für die großen Drei.

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