Horrorquartal für Japans Elektronikkonzerne

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Die vier großen Elektronikkonzerne aus Japan haben erneut teilweise verheerende Quartalszahlen vorgelegt. Während Toshiba trotz Umsatzverlusten zumindest noch einen kleinen Nettogewinn einstreichen konnte, vermeldete Panasonic ein massives Minus im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2012/13. Sony kommt ebenfalls nicht aus den roten Zahlen heraus, und Sharp kämpft inzwischen schon ums nackte Überleben.

Panasonic

Konnte Panasonic  zumindest mal wieder einen Gewinn verbuchen, so bleibt nach dem zweiten Quartal ein Loch von fast 700 Milliarden Yen, umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro, in der Kasse zurück. Der Umsatz sank um zwölf Prozent auf nur noch 17,6 Milliarden.

Als Hauptgründe für die Misere, die fast schon die Ausmaße des Rekordverlustes aus dem Vorjahr annahm, nannten die Konzern-Oberen „gesunkene Verkäufe in einem schwierigen globalen Wettbewerb“ sowie den schwachen japanischen Markt für Flachbildfernseher. Außerdem habe die Finanzkrise in Europa ebenso einen Anteil wie das Nachlassen des wirtschaftlichen Wachstums in Asien. Jetzt will Panasonic sogar das gerade erst neu aufgelegte wieder einstampfen.

„Es ist leider so – wir gehören zu den Verlierern in der Unterhaltungselektronik“, zitiert die Zeitung „Die Welt“ Firmenchef Kazuhiro Tsuga. Jetzt will Panasonic den „Fokus auf Profitabilität“ legen, wie es heißt, und unter anderem unprofitable Produkte streichen. Zur Strategie gehören wohl auch weiter Stelleneinsparungen: Aktuell arbeiten nur noch 320.000 Mitarbeiter für den Konzern, 40.000 weniger als noch vor einem Jahr.

Sharp

Für Sharp sehen die Zahlen noch viel düsterer aus. Der Umsatz des Mischkonzerns sank um 16 Prozent auf umgerechnet etwa 6,2 Milliarden Euro. Operativ fiel von Juli bis September ein Verlust von 720 Millionen Euro an. „Das stellt die Fortführung unseres Unternehmens erheblich in Frage“, teilte Sharp in einer Börsenmitteilung mit. Präsident Takashi Okuda versprach umgehend bessere Zahlen für die Zukunft.

In der Abteilung Consumer Products gab es einen Rückgang um über 27 Prozent, in der LCD-Fabrikation um mehr als 10 Prozent. Hier wurde ein operativer Verlust von 500 Millionen Euro eingefahren. Daran seien Verzögerungen bei der Produktion von LCD-Bildschirmen  schuld, hieß es.

Insgesamt bleibe die Situation trotz einer leichten Erholung der japanischen Wirtschaft „extrem ernst“, was am ungünstigen Wechselkurs des Yen sowie der anhaltenden Deflation liege. Weitere Gründe seien der drastische Preisverfall von Produkten und Geräten sowie die schlechter als erwarteten Verkäufe von LCD-Fernsehern in Japan und China.

Sony

Auch Sony bezeichnet das wirtschaftliche Umfeld als „schwer aufgrund der Verlangsamung der Weltwirtschaft“. Dennoch stieg der Umsatz des Konzerns leicht auf 15,5 Milliarden Euro, was hauptsächlich der Konsolidierung der Mobilfunksparte zu verdanken sei.

Obwohl der operative Gewinn wuchs, blieb netto ein Minus von 150 Millionen Euro übrig. Die Umsatz-Vorhersage für das Gesamtjahr habe man daher auf 63,8 Milliarden gesenkt, da man mit sinkenden Verkaufszahlen rechne. Operativ soll Ende März 2013, wenn das Geschäftsjahr endet, trotzdem Plus gemacht werden.

Die Sparte Home Entertainment & Sound generierte im zweiten Quartal ein Viertel weniger Umsatz, der Bereich Game sank um 16 Prozent. Die Verkäufe von LCD-Fernsehern sanken auf 3,5 Millionen Stück; von der Spielekonsole Playstation 3 konnten ebenso viele Einheiten abgesetzt werden. Immerhin konnte Sony über 41 Millionen Spiele für die Konsole unter die Leute bringen, ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet Sony mit 14,5 Millionen verkauften LCD-TVs, 6,8 Millionen Blu-ray Playern, 16 Millionen Playstations und knapp 200 Millionen Games.

Toshiba

Bei Toshiba sank der Konzernumsatz um elf Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Netto konnten dennoch immerhin 360 Millionen Plus erwirtschaftet werden. Das Segment Digital Products musste jedoch einen Umsatzrückgang von 23 Prozent verkraften: Die LCD-TV-Verkäufe gingen laut Toshiba zurück aufgrund schwacher Nachfrage in Japan, den USA und China. Auch der Yen habe eine Rolle gespielt.

Für das komplette Geschäftsjahr senkte Toshiba die Umsatzerwartungen auf 59 Milliarden Euro, wovon die Fernseherabteilung rund 15 Milliarden erwirtschaften soll. Netto soll Ende März ein Plus von etwa einer Milliarde in der Kasse verbleiben.

 

Fazit

Die Probleme der japanischen Konzerne sind zum Teil unverschuldet wie die globale Wirtschaftsflaute oder der für den Export viel zu starke Yen. Die Misere ist zu einem guten Teil aber auch hausgemacht. So haben Panasonic, Sharp, Sony und Toshiba ganz klar den Anschluss verpasst zu den beiden Unternehmen der Stunde, Samsung und Apple. Während die Südkoreaner millionenfach und weltweit ihre Smartphones und Fernseher an den Mann bringen und Apple mit iPhone, iPod, iPad & Co. samt dazugehörigem Ökosystem iTunes zum wertvollsten Konzern des Planeten aufstieg, erweisen sich die einstigen Vorzeigeprodukte der Japaner mittlerweise als Ladenhüter.

Den lukrativen Trend zur Vernetzung des Kunden mit dem Produkt sowie der Produkte untereinander unterstützt lediglich Sony mehr oder weniger konsequent, weshalb das Unternehmen auch gute Chancen hat, die Kurve zu kriegen. Für die drei Konkurrenten aus Tokio und Osaka steht die Uhr dagegen auf fünf vor zwölf.

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