Die Bundesliga im Internet - Fußballgucken in der Grauzone

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Deutsche Fußball-Fans können die Live-Spiele der Bundesliga entweder über Sky oder die Telekom gucken. Alternativ könnte man auch einen Laptop an seinen Fernseher anschließen und einen der unzähligen Live-Streams aus dem Internet nutzen - allerdings bewegt man sich hier schnell in einer rechtlichen Grauzone. Es ist immer noch nicht genau geklärt, welche Angebote legal und welche illegal sind. inside-digital.de gibt einen Überblick.

Sky & Entertain

Die Hürde, sich die Bundesligaspiele live ins Haus zu holen, besteht vor allem im Preis: Der Pay-TV-Anbieter Sky verlangt für sein Bundesliga-Paket inklusive der leider obligatorischen Spartenkanal-Sammlung „Sky Welt“ regulär 35 Euro im Monat plus 29 Euro Aktivierungsgebühr plus 10 Euro Versandkostenpauschale, und zwar bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwölf Monaten. Das Telekom-Angebot „Liga total“ hat einen monatlichen Grundpreis von 15 Euro bei einer Mindestvertragslaufzeit von zwölf Monaten. Voraussetzung ist ein „Entertain“-Paket ab 40 Euro im Monat mit einer Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten und einem Bereitstellungspreis für den neuen Telefonanschluss von 70 Euro.

MyP2P & LiveTV

Da kann es kaum verwundern, wenn Fußball-Fans mit kleinem Geldbeutel auf Gratis-Angebote aus dem Netz ausweichen. Doch ist dabei die Grenze der Legalität schnell überschritten: Bei sogenannten „Peer-to-Peer“-Netzwerken (P2P) wie MyP2P oder LiveTV schaut der Nutzer nicht nur Inhalte, die von anderen Mitgliedern der Plattform bereitgestellt wurden, sondern er verbreitet sie teilweise auch weiter – und macht sich damit strafbar im Sinne des Urheberrechts.

via LiveTV

SopCast & TVAnts

Je nach angebotenem Kanal ist die Installation einer speziellen Software wie SopCast oder TVAnts notwendig. „Mit SopCast kommt der internationale Spitzenfußball auf den Computer“, bewirbt das spanische Download-Portal Softonic die kostenlose P2P-Multimedia-Anwendung aus China. Sie überträgt nach dem Prinzip von Tauschbörsen Fernsehbilder mit dem dazugehörigen Ton übers Internet auf den PC – „Bundesliga-Fußball inklusive“. SopCast bezieht das Bildmaterial nach Angaben von Softonic von chinesischen und europäischen Fernsehsendern. Über den Windows Media Player oder den Real Player gibt die Software Bild und Ton wie bei Online-Streams direkt auf dem Computer wieder.

TVUPlayer & PPLive

Ähnlich funktioniert der TVUPlayer. Die Freeware überträgt internationale Fernsehsender nach dem Tauschbörsen-Prinzip und bietet auch Zugang zu im Ausland gezeigten Bundesligaspielen. Der Player nutzt ein Browser-Plugin zur Wiedergabe. Über die kostenlose Software PPLive überträgt ein chinesischer Fernsehsender TV-Programme direkt über das Internet im P2P-System, darunter auch Live-Übertragungen der Bundesliga mit chinesischem Kommentar. Das Programm wird dabei in Echtzeit gestreamt.

Mit Peer-to-Peer begeht der Nutzer allerdings eine Urheberrechtsverletzung: „Davon sollte man die Finger lassen“, zitiert der „“ den Medienrechtsanwalt Christian Solmecke. Man riskiere bei Benutzung dieser Client-Programme eine Abmahnung, da man das Livespiel automatisch auch weiterverbreite.

Anders sieht es dem Anwalt zufolge bei direkten Live-Streams von Webseiten aus. Beim Streamen werde keine dauerhafte Kopie auf dem PC erstellt; zudem müsse der Nutzer davon ausgehen können, dass der Stream legal sei. Solmecke zieht Parallelen zum . Das Filmportal war im Sommer 2011 von der Staatsanwaltschaft geschlossen worden. Die Betreiber wurden verhaftet; die Nutzer mussten jedoch keine Verfolgung fürchten. „Wenn man eine Streaming-Seite nutzt, ist man schlecht rückverfolgbar“, so Solmecke – auch weil Internet-Provider die IP-Adressen der Nutzer nur sieben Tage speichern würden.

CCTV-5

Der chinesische TV-Sender CCTV-5 beispielsweise hat die Übertragungsrechte der Bundesliga erworben und darf nach chinesischem Recht auch die Spiele ins Netz stellen – und diese darf man anscheinend auch hierzulande legal am eigenen Rechner anschauen. „Das Urheberrecht regelt nur Fälle, in denen jemand eine Kopie erstellt und diese öffentlich verbreitet“, so der Hamburger Urheberrechts-Experte Till Kreutzer auf .

Beim Streaming werde zwar „rein technisch und sehr temporär“ eine Kopie im Arbeitsspeicher des Rechners angefertigt, „aber das geht wegen der digitalen Verbreitung nicht anders“, so Kreutzer. „Das ist keine Kopie, die ich später wieder nutzen kann.“ Das Anschauen eines Bundesliga-Streams stelle deshalb keinen Urheberrechtsbruch dar.

Ähnlich wie sein Kollege Solmecke ist auch Kreutzer der Ansicht, dass man als Nutzer unmöglich feststellen könne, ob ein Anbieter aus dem Ausland die Lizenz besitze, die Spiele legal ins Netz zu stellen. „Der Endnutzer kann sich über die Unwägbarkeiten des Rechteerwerbs nicht vorab informieren, deshalb muss meines Erachtens gelten: Es ist völlig egal, woher der Stream kommt – man darf ihn anschauen.“ Der Jurist räumte allerdings ein, dass eine endgültige Rechtsprechung noch fehle.

Fazit

Man könnte sich also fragen, wie der gemeine Fußball-Fan die Rechtmäßigkeit eines Live-Streams im Internet beurteilen soll, wenn sich schon die Juristen mehr nach Einschätzungen als nach rechtlichen Fakten richten. Andererseits sind einige Angebote im Netz auch für den Laien offensichtlich illegal – ganz abgesehen von meist schlechter Bildqualität und unverständlichen Kommentaren. Wer sich also weder beim Fußballgucken in einer rechtlichen Grauzone bewegen noch ein teures Pay-TV-Abo abschließen will, könnte sich ja des guten alten Radios bedienen: Die Bundesliga-Konferenzen der öffentlich-rechtlichen Sender bringen seit Jahrzehnten das Live-Feeling gratis und legal nach Hause, und auch das Webradio-Portal  überträgt alle Spiele live – und es bleibt nebenbei noch Zeit für den Hausputz.

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