"Made in Germany" - Die deutsche Unterhaltungselektronik (Teil 3)

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Der dritte und letzte Teil des "Made in Germany"-Features auf inside-digital.de beschäftigt sich mit Traditionsmarken aus der Unterhaltungselektronik, die einstmals aus Deutschland stammten, inzwischen aber entweder eingestampft wurden oder sich in ausländischer Hand befinden. Nur die älteren Leser werden sich wohl noch an Namen wie Schaub-Lorenz, Graetz, Wega oder Rafena erinnern.

Schaub-Lorenz

Carl Lorenz begann 1880 in Berlin mit einer Telegrafenbauanstalt. Die C. Lorenz AG beschäftigte sich ab den 1920er-Jahren mit Funktechnik und Radioempfangsgeräten. 1921 gründete Georg von Schaub in Berlin die Schaub-Elektrizitätsgesellschaft (später Schaub-Apparatebaugesellschaft), die ab 1925 Radios herstellte. 1934 siedelte Schaub nach Pforzheim um. Lorenz stellte 1939 auf der Funkausstellung in Berlin gemeinsam mit Blaupunkt, Bosch, Loewe und Telefunken den Deutschen Einheits-Fernseh-Empfänger E1 vor.

1940 wurde Schaub von Lorenz übernommen; ab 1955 wurde die Unterhaltungselektronik unter dem Markennamen Schaub-Lorenz verkauft. Da gehörte die Aktienmehrheit bereits der Standard Elektrizitäts-Gesellschaft (SEG), die wiederum zum US-Konzern International Telephone and Telegraph (ITT) gehörte. In den folgenden Jahrzehnten gab es ein munteres Wechselspiel von Übernahmen, Namensänderungen, Abspaltungen von Teilbereichen und Zusammenlegungen von Produktionsabteilungen. So gehörte Schaub-Lorenz zeit- und teilweise zu SEG, ITT, der französischen Compagnie Generale d’Electricite (CGE), Alcatel und sogar Nokia.

1999 wurden die Markenrechte am Namen Schaub-Lorenz an das italienische Unternehmen General Trading verkauft. 2007 ging in Wien das neugeründete Unternehmen Schaub Lorenz International an den Start, das seither Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte aus Fernost mit dem Label Schaub-Lorenz versieht.

Graetz

Mit Schaub-Lorenz verwoben war zeitweise auch die Firma Graetz, die bereits 1866 in Berlin mit der Herstellung von Lampen begonnen hatte. Ab 1925 wurden auch Radios produziert. 1950 wurde aus dem Berliner Betrieb das VEB Fernmeldewerk Berlin Treptow (RFT). Im westfälischen Altena hatte da bereits ein neues Unternehmen der Gebrüder Graetz die Produktion von Radios aufgenommen. In den Fünfzigern kamen TV-Geräte hinzu. 1961 wurde die Firma Graetz an Standard Elektronik Lorenz (SEL) verkauft. Den SEL-Bereich Audio/Video übernahm 1987 Nokia.

Braun

Max Braun gründete seine Firma 1921 in Frankfurt. Wurden zunächst hauptsächlich Radios hergestellt, landete Braun 1950 mit dem ersten elektrischen Trockenrasierer einen Volltreffer. Nach dem Tod des Gründers ein Jahr später wurde das Sortiment erweitert; bis zum Ende der 60er-Jahre baute Braun auch Fernsehgeräte. 1967 wurde das Unternehmen vom US-Konzern Gillette übernommen. Die Sparte Unterhaltungselektronik wurde 1981 abgestoßen.

Wega

Die Württembergische Radio-Gesellschaft, 1923 in Stuttgart gegründet und 1926 in Wega umbenannt, produzierte hauptsächlich Radios, später aber auch TV-Geräte. So war das Wega-Fernsehermodell Wegavision 3000 beispielsweise in den 60er-Jahren regelmäßig in den ZDF-Studios von „Aktenzeichen XY ungelöst“ zu sehen. 1975 wurde das Familienunternehmen von Sony aufgekauft; die Fernseher wurden anschließend mit Sony-Technik ausgestattet und ab 1980 unter der Marke Sony Wega verkauft.

TV-Werbespot für den neuen FD Trinitron Wega von Sony

Blaupunkt

Blaupunkt begann 1923 in Berlin als „Radiotelefon- und Apparatefabrik Ideal“ mit der Herstellung von Kopfhörern, die einen blauen Punkt als Prüfsiegel erhielten – was dem Unternehmen kurze Zeit später auch den Namen gab. 1932 präsentierte Blaupunkt mit dem Modell „Autosuper AS5“ das erste in Europa entwickelte Autoradio. Ein Jahr später wurde die Firma Teil der Bosch-Gruppe. 1951 kam mit dem Modell V52 der erste Blaupunkt-Fernseher für 1.600 DM auf den Markt. Weltweit erfolgreich war das Unternehmen jedoch vor allem mit seinen Autoradios. Aktuell findet man TV-Geräte mit dem blauen Punkt beispielsweise bei der Handelskette ProMarkt.

Rafena

Rafena – ein Akronym aus Radeberger Fernseh- und Nachrichtentechnik – ging 1956 aus dem VEB Sachsenwerk hervor und produzierte Unterhaltungselektronik für die DDR-Wohnstuben. Bis 1960 und ab 1975 wurden Radios gebaut, bis 1990 auch Fernseher – unter anderem für die West-Versandhäuser Neckermann und Quelle. Nach der Wiedervereinigung wurde Rafena aus wirtschaftlichen Gründen von der Treuhand „abgewickelt“. Dieses Schicksal teilten nach der Wende auch andere Volkseigene Betriebe aus der Rundfunktechnik wie die VEB Stern-Radio Sonneberg und Berlin oder RFT Staßfurt.

Körting

Ebenfalls Lieferant für Neckermann waren die Körting Radio Werke, die 1932 in Leipzig mit dem Bau von Rundfunkempfängern begonnen hatten. Nach der Enteignung 1951 fing Körting im bayrischen Grassau neu an und schloss eine enge Kooperation mit Neckermann, das sämtliche Radios und Fernseher von Körting abnahm. In den Siebzigern wurde unter anderem auch für Blaupunkt produziert. 1978 ging Neckermann pleite; Körting musste Konkurs anmelden. Der jugoslawische Staatsbetrieb Gorenje übernahm das Werk in Grassau und baute weiter Fernseher mit dem Körting-Logo. 1983 wurde die Unterhaltungselektroniksparte aufgegeben; heute nutzt Gorenje die Marke Körting in Osteuropa für Waschmaschinen und Geschirrspüler.

Röhrenradio Neckermann Brillant 812W von Körting, Baujahr 1958

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