"Made in Germany" - Die deutsche Unterhaltungselektronik (Teil 2)

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Viele deutsche Traditionshersteller aus der Unterhaltungselektronik sind heute komplett von der Bildfläche verschwunden oder nur noch als Marke präsent, die von ausländischen Unternehmen auf ihre Geräte gepappt wird. Im zweiten Teil des "Made in Germany"-Features auf inside-digital.de tauchen klangvolle Namen wie Telefunken, Saba, Nordmende oder Dual auf, die noch vor einigen Jahrzehnten als Synonym für "deutsche Wertarbeit" standen.

Einen großen Anteil am „Markensterben“ in den 80er-Jahren hatten japanische Unternehmen, die massenhaft billig produzierte Elektronik zu Niedrigpreisen auf den deutschen Markt warfen. Konnten die einheimischen Hersteller zunächst noch mit der Qualität ihrer Geräte punkten, so setzte sich mit steigender Güte der Produkte aus Fernost das bessere Preis/Leistungsverhältnis der Japaner durch. Das brachte so manchen deutschen Traditionshersteller zu Fall.

Telefunken

Telefunken wurde 1903 als Gemeinschaftsunternehmen von AEG und Siemens ins Leben gerufen. Zunächst in der Funk- und Nachrichtentechnik unterwegs, nahm Telefunken ab 1923 die Produktion von Rundfunksendern und -empfängern auf. Auf der Funkausstellung 1928 in Berlin wurden erste TV-Geräte vorgestellt. 1930 wurde bei Telefunken das Zeilensprungverfahren für flimmerfreie Bilder erfunden, 1932 führte man gemeinsam mit der Reichspost Fernseh-Versuchssendungen durch. Parallel stieg Telefunken zu einem der größten Unternehmen in der Schallplattenindustrie auf. 1939 stellte das Unternehmen auf der Funkausstellung eine neuartige Rechteck-Bildröhre vor.

In Hannover fertigte Telefunken 1951 den ersten nach dem Krieg neu entwickelten Fernseher. Für die Produktion von Farbfernsehgeräten wurde 1966 ein neues Werk in Celle eröffnet. Nach hohen Verlusten Anfang der 80er-Jahre übernahm der französische Konzern Thomson – heute unter dem Namen Technicolor firmiert – das Fernseh- und Rundfunkgeschäft von Telefunken. Ein Sanierungskonzept scheiterte allerdings. Thomson verkaufte die Marke „Telefunken“ 2006 an den türkischen TV-Geräte-Hersteller Profilo-Telra. Telefunken-Fernseher werden heute größtenteils in der Türkei von  produziert. Als Marke ist Telefunken noch bei über 50 Partnern  präsent. In Deutschland beispielsweise werden  vom Set-Top-Boxen-Hersteller SetOne vertrieben.

Nordmende

1923 als Rundfunkgerätefabrik gegründet, stieg Nordmende nach dem Krieg zu einem der größten deutschen Hersteller von Fernsehern, Radios, Tonbandgeräten und Plattenspielern auf. In den 70er-Jahren standen Nordmende-Fernseher für innovative Chassis und eine aufwendige Endkontrolle, was das Unternehmen aufgrund der hohen Kosten und eines gleichzeitigen Preisverfalls am Markt Nachteile brachte. 1977 wurden Anteile der Firma an die französische Thomson-Gruppe verkauft.

Nach diversen Namensänderungen und Fusionen wurde die Nordmende-Produktion in das neu gegründete Unternehmen Thomson Television Germany (TTG) integriert. Der Nordmende-Vertrieb wurde Mitte der 90er-Jahre mit TTG, Telefunken und Saba zu  verschmolzen. Die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens Nordmende wurden nach und nach verkleinert und/oder ausgegliedert, die Marke wurde Ende der Neunziger vom deutschen Markt genommen. Heute findet man das Label Nordmende noch auf Fernsehern der niederländischen Phillar Group oder des indischen Konzerns Videocon, die noch in Italien zu erwerben sein sollen.

Saba

Die am weitesten zurückreichenden Wurzeln der deutschen Unterhaltungselektroniker hat wohl Saba. Entstanden aus einer kleinen Uhrenfabrik im Jahr 1835, fertigte die „Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt“ ab 1923 auch Teile für Radios, später Bausätze und komplette Geräte. 1935 war Saba hinter Telefunken bereits die Nummer zwei unter den deutschen Radiogeräteherstellern. Nach Rüstungsgütern, Telefonen und Kühlschränken stellte Saba 1957 den ersten serienmäßig gefertigten Fernseher Schauinsland W II vor. 1967 folgte der erste Farb-TV. Saba entwickelte die erste drahtlose Fernbedienung und das Bild-im-Bild-Verfahren.

In der Siebzigern begann wie für so viele Mitbewerber auch für Saba der Niedergang; die Firma wurde 1980 an das französische Unternehmen Thomson verkauft. Die folgende Zusammenführung mit Telefunken 1986 brachte jedoch keinen Erfolg, die Produktion wurde ins Ausland verlegt. 2004 wurde die ausgegliedert und anschließend in einem Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller The Creative Life (TCL) das Unternehmen TTE gegründet. Die deutsche Tochter TTE Germany ist seit 2006 insolvent.

Schneider

TTE produzierte auch für den deutschen Hersteller Schneider, der in den 80er-Jahren vor allem für seine preiswerten HiFi-Anlagen und Fernseher bekannt war. Seine Ursprünge hat das Unternehmen im Jahr 1889, als im schwäbischen Türkheim die Produktion von Holz-Waschmaschinen begonnen wurde. 1965 wurde auf die Fertigung von Unterhaltungselektronik umgestellt. 1971 kam die erste Musik-Kompaktanlage heraus, 1983 folgten die ersten TV-Geräte.

Ein Jahr später feierte Schneider mit dem C64-Konkurrenten Amstrad CPC464 auch im Computerbereich Erfolge. Trotz Innovationen wie einem Laser-TV musste 1996 die Produktion von Fernsehern teilweise eingestellt werden. 2002, nach einem Insolvenzantrag, ging Schneider an den chinesischen Konzern TCL, der 2004 mit Thomson fusionierte. 2005 wurde die Produktion in Türkheim ganz eingestellt.

Dual

Die Firma Dual, 1907 in St. Georgen im Schwarzwald unter dem Namen „Gebrüder Steidinger – Fabrik für Feinmechanik“ gegründet, produzierte zunächst Werkzeuge für Uhrmacher sowie Grammofone. Eine 1927 vorgestellte Kombination aus Ferderlaufwerk und Elektromotor gab Dual später seinen Namen. In den 60er-Jahren wurde der erste HiFi-Plattenspieler präsentiert, in den Siebzigern kamen in Kooperation mit Saba CD-Player und Videorekorder hinzu.

Der Verdrängungswettbewerb mit den Japanern führte 1982 zum Konkurs von Dual. Das Unternehmen ging, wie einige Mitbewerber auch, an Thomson. 1988 wurde Dual von Schneider übernommen; fortan kamen auch Fernseher mit Dual-Logo und Schneider-Technik auf den Markt. 1994 kaufte Karstadt die Marke Dual und vertrieb mit dem Logo Unterhaltungselektronik. 2004 verkaufte KarstadtQuelle die Nutzungsrechte an der Marke an den britischen Hersteller Linmark Electronics. Seit 2009 gehört die Lizenz der Firma DGC aus dem bayrischen Landsberg, die heute Plattenspieler mit dem Dual-Logo herstellt, aber auch TV-Geräte, DVD-Player oder Radios aus Fernost importiert und mit Dual-Plakette in Fachmärkten wie ElectronicPartner vertreibt.

Mit Schaub-Lorenz, Graetz, Braun, Wega, Blaupunkt, Rafena und Körting warten in  weitere ehemals klangvolle Namen.

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