"Made in Germany" - Die deutsche Unterhaltungselektronik (Teil 1)

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Technisat feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Damit gehören die Pfälzer fast schon zu den deutschen Traditionsherstellern der Unterhaltungselektronik - wären da nicht Firmen wie Metz, Grundig und Loewe, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg produzierten oder etwa Saba, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1835 zurückreichen. Viele Traditionsmarken sind inzwischen verschwunden, einige aber erfüllen den Slogan "Made in Germany" bis heute.

Der Sammelbegriff „Braune Ware“ wird heutzutage nur noch von Nostalgikern verwendet, wenn von der Unterhaltungselektronik die Rede ist. Er stammt aus einer Zeit, in der Fernseher, Radio & Co noch in braunen Holzgehäusen steckten. Vor 30 Jahren wurde noch von rund einem Dutzend Unternehmen „deutsche Wertarbeit“ auch für das heimische Wohnzimmer hergestellt. Heute kann man die Zahl der Firmen, die noch in Deutschland fertigen, an einer Hand abzählen.

Technisat

Dazu zählt auch Technisat. Das Unternehmen wurde 1987 in Daun in der Vulkaneifel gegründet. Nach der Wende expandierte Technisat in die neuen Bundesländer: Forschung und Entwicklung wurden nach Dresden verlagert, 1990 startete die Produktion von TV-Receivern im thüringischen Dippach. 1998 übernahm Technisat die TV-Geräte-Fabrik des ehemaligen DDR-Kombinats RFT in Staßfurt bei Magdeburg. 2005 wurden dort auch die ersten in Dresden entwickelten LCD-Fernseher gefertigt.

Die Technisat-Gruppe entwickelt und produziert in Deutschland und der Europäischen Union an insgesamt 13 Standorten mit rund 2.500 Mitarbeitern. Im Technisat-Werk Vogtland werden Digitalreceiver gebaut. In Thüringen produziert Technisat Autoradios und Navigationsgeräte für den Volkswagen-Konzern. 2006 und 2007 wurden Abteilungen in Polen und Ungarn errichtet, 2010 auch in Frankreich.

Die Technisat-Historie im Zeitraffer

Metz

Metz feiert 2013 bereits sein 75-jähriges Firmenjubiläum. Nach der Gründung 1938 in Fürth produzierte Metz zunächst elektronische Geräte für Carl Zeiss und bis nach dem Krieg Kurzwellen-Sender und -Empfänger sowie Funktechnik. 1947 startete der Unternehmensbereich Unterhaltungselektronik mit der Produktion des ersten Metz-Radios. 1955 begann Metz mit der Herstellung von Fernsehern, 1958 folgten HiFi-Geräte.

1966 entstand im fränkischen Zirndorf ein neues TV-Geräte-Werk, wo kurz darauf die ersten Farbfernseher vom Band liefen. 1989 wurde das Sortiment um Videorekorder erweitert. 2001 brachte Metz seinen ersten Plasma-Fernseher auf den Markt, 2005 den ersten LCD-Fernseher. Metz produziert nach wie vor ausschließlich in Deutschland und pflegt dies auch als Philosophie und . „Deutschland ist als Entwicklungs- und Produktionsstandort nicht preiswert – aber die Produkte von Metz sind ihren Preis wert“, heißt es in Zirndorf.

Grundig

Die Grundig-Story begann 1930 ebenfalls in Fürth als Radio-Vertrieb. Nach dem Krieg feierte Grundig mit dem Gerätebausatz „Heinzelmann“ Erfolge. 1951 wurden die ersten Fernsehempfänger gebaut; Grundig war zeitweise der größte Rundfunkgeräte-Hersteller Europas. 1970 weihte Grundig in Nürnberg ein Werk für Farbfernseher ein. 1978 wurde hier auch die Produktion von Videorekordern aufgenommen. Das 1979 zusammen mit Philips entwickelte System Video 2000 konnte sich aber – ebenso wie Sonys Betamax – nicht langfristig gegen die VHS-Technik von JVC durchsetzen.

Zu Beginn der 80er-Jahre setzte die aufbrandende Schwemme billiger Unterhaltungselektronik aus Japan den deutschen Herstellern zu. Philips, bereits 1983 an Grundig beteiligt, übernahm 1984 die Führung des Unternehmens. 1986 brachte Grundig den ersten Farbfernseher der Welt mit 100-Hertz-Technik heraus. 1997/98 zog sich Philips zurück und übergab die Leitung an ein bayrisches Konsortium unter der Führung des Unternehmers .

2000 wurde der Unternehmenssitz von Fürth nach Nürnberg verlegt. 2002 kam der erste LCD-Fernseher von Grundig auf den Markt. Obwohl das Unternehmen mit einem vielseitigen Produktportfolio vom Plasma-TV über Receiver und Telefone bis zum Diktiergerät unterwegs war, konnte Grundig dem starken Konkurrenzdruck aus Fernost, den rapide steigenden Produktionskosten und einem gleichzeitigen Preisverfall beim Verkauf nicht standhalten und musste 2003 Insolvenz anmelden. Von ehemals fast 40.000 Beschäftigten war zu dem Zeitpunkt schon nur noch ein Zehntel in Lohn und Brot.

2004 wurde Grundig von der türkischen Unternehmensgruppe geschluckt. Fernseher mit dem Grundig-Logo werden seitdem nicht mehr in Deutschland, sondern unter anderem in Istanbul gefertigt. 2008 wanderte auch die  dorthin aus. In Nürnberg beschäftigen sich lediglich noch rund 200 Mitarbeiter mit Vertrieb, Produktmanagement und Markenentwicklung. Mit dem türkischen Großkonzern im Rücken schaffte Grundig jedoch ein erstaunliches Comeback. Die Marke wird nach wie vor  und ist als Bundesliga-Sponsor inzwischen auch wieder medial präsent. Im ersten Halbjahr 2012 war Grundig die Marke mit dem . Bei LCD- und LED-TVs ist Grundig in Deutschland mittlerweile die Nummer drei.

Loewe

1923 war ein sehr umtriebiges Jahr für die deutsche Unterhaltungselektronik; neben Saba, Blaupunkt und Nordmende wurde vor fast 90 Jahren auch Loewe gegründet. In Berlin begann das Unternehmen der Gebrüder Loewe 1929 mit der Fertigung von Fernsehern. 1931 wurde am Loewe-Stand auf der Funkausstellung in Berlin die weltweit erste öffentliche Fernsehübertragung realisiert. Nach dem Krieg, in dem Loewe wie so viele deutsche Hersteller für die Rüstungsindustrie produzieren musste, wurde die Fertigung ins fränkische Kronach verlegt – bis heute auch der Hauptsitz der Firma. 1961 wurde hier Europas erster Videorekorder, der Optacord 500, gefertigt.

Ein Jahr später erwarb der niederländische Mischkonzern Philips die Aktienmehrheit an Loewe. 1963 entwickelte das Unternehmen mit dem „Optaport“ den ersten tragbaren Fernseher. 1981 folgte der erste Stereo-Fernseher Europas. 1985 gingen die Philips-Anteile wieder an Loewe zurück. Von 1992 bis 1997 war Panasonic Großaktionär. 1998 kam mit dem Xelios@media der erste Fernseher mit Internetzugang auf den Markt. 1999 ging Loewe an die Börse. Nach einer  2004 wurde Sharp Großaktionär. 2008 stellte Loewe mit dem Connect den ersten Smart-TV der Welt vor.

Loewe hat trotz verlustreicher Jahre an seiner Strategie festgehalten, vor allem das  zu beliefern. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen mit gut 1.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 274 Millionen Euro ein Minus von zehn Millionen Euro. Für das  rechnet Loewe mit einem Umsatzwachstum und einer deutlichen Ergebnisverbesserung.

 beschäftigt sich mit Unternehmen, die inzwischen von der Bildfläche verschwunden sind wie Schneider oder die nur noch als Marke präsent sind wie Saba, Nordmende, Telefunken oder Dual.

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